Hausautomatisierung

Smart-Home-Systemanbieter begehen eklatante Denkfehler

| Redakteur: Franz Graser

Lösungen zur Hausautomatisierung kranken zu oft daran, dass sie voraussetzen, ihre Nutzer seien IT-versierte Technikliebhaber. Zudem müsse nicht alles mit dem Internet verknüpft sein, meint Henrik Holen, CEO des Smart-Home-Entwicklungshauses Viva Labs.
Lösungen zur Hausautomatisierung kranken zu oft daran, dass sie voraussetzen, ihre Nutzer seien IT-versierte Technikliebhaber. Zudem müsse nicht alles mit dem Internet verknüpft sein, meint Henrik Holen, CEO des Smart-Home-Entwicklungshauses Viva Labs. (Bild: FROMMEL FOTODESIGN/Deutsche Telekom)

Henrik Holen, CEO des Smart-Home-Entwicklungshauses Viva Labs, attestiert seinen Kollegen und Mitbewerbern eine falsche Herangehensweise an das Thema Hausautomatisierung und an potenzielle Kunden. Unter anderem müsse längst nicht jede Installation im Haus mit dem Internet verbunden sein.

„Wollen Sie einen richtig großen Haufen Geld verdienen?“, fragt Henrik Holen in einem Debattenbeitrag für das Online-Portal „The Next Web“. Die Antwort liefert er gleich mit: „Bauen Sie einen Geschirrspüler, der sich selbst ausräumt.“

Diese Frage und die Antwort darauf sind nur zum Teil spaßig gemeint. Holen karikiert damit Smart-Home-Lösungsanbieter, die das Thema zu sehr aus der Sicht der IT-Ingenieure sehen und zu wenig die Probleme der potenziellen Kunden im Blick haben. „Die Lösungen sind von Ingenieuren für Ingenieure gebaut worden und setzen enthusiastische und sehr versierte Anwender voraus. Normale Nutzer könnten dagegen glauben, sie seien in das Zeitalter von Windows 95 zurücktransportiert worden.“

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Holen fasst in seinem Beitrag die Erfahrungen zusammen, die sein Unternehmen Viva Labs in Zusammenarbeit mit Endverbrauchern gewonnen hat. Daraus hat er vier Leitsätze destilliert.

Der erste Leitsatz lautet: „Denke nicht, du hast es mit Usern zu tun.“ Der Viva-Labs-CEO meint damit, dass Bewohner eines Hauses die Lampen, Heizkörper und ähnliche Funktionen eben nicht so benutzen, wie es zum Beispiel bei Softwareanwendungen oder Smartphone-Apps der Fall ist.

„Wann benutzen Sie eine Lampe?“, fragt Holen. „Dann wenn Sie den Schaltern umlegen, um sie einzuschalten oder wenn Sie beim Schein der Lampe lesen?“ Die aktive Interaktion mit den Installationen im Haus mache lediglich einen kleinen Teil ihrer Benutzung aus. Sie funktionierten dagegen hauptsächlich um Hintergrund, ohne irgendeine Interaktion mit den Anwendern.

Darüber hinaus könne es sein, dass Kinder, Haustiere oder Besucher die Einrichtungen eines Hauses auf eine Weise nutzen, die vom Erfinder so nicht beabsichtigt wurde. Aber selbst dann müssten die Installationen korrekt funktionieren.

Der zweite Leitsatz lautet: „Es ist ihre Welt, nicht unsere.“ Henrik Holen meint damit, dass Hausbewohner die Regeln setzen, wie sie ihre Installationen benutzen. Die Entwickler müssten sich diesem Umstand anpassen. „In einer App setzen die Entwickler die Grenzen. Im Heim macht der Kunde die Regeln. Sie ändern ihre Gewohnheiten nicht, um sich eurer Idee anzupassen, wie die Dinge funktionieren sollten.

Ein Beispiel hierfür sind aus Sicht des Viva-Labs-CEOs Thermostate. Viele Leute denken demnach, Thermostate seien so etwas wie ein Wasserhahn: Je weiter man sie aufdrehe, desto mehr Wärme komme heraus. In Wahrheit seien Thermostate aber Schalter, die einen gleichmäßigen Wärme-Output gewährleisteten. Dies sei aber einem Nicht-Experten nur sehr schwer klarzumachen. Entwickler von Smart-Home-Lösungen müssten deshalb über lange Jahre gewachsene Vorstellungen von der Funktion von Gebäudeinstallationen in ihrem Design berücksichtigen.

Das dritte Credo von Henrik Holen ist: „Verbessern und überdenken, nicht ersetzen“. Die bisherigen Smart-Home-Produkte seien in erster Linie für Technikliebhaber entworfen worden. Diese User-Gruppe sei toleranter für Fehler und würde auch gelegentlich selbst an den Installationen herumbasteln.

Das Problem sei aber, dass es eine tiefe Kluft zwischen den sogenannten Early Adoptern und dem Massenmarkt gebe. „Nicht alles braucht eine Internetverbindung“, sagt Holen. „Lichtschalter funktionieren zum Beispiel sehr gut – und die Art, wie die Leute sie benutzen, wird man nicht ändern.“

Um den Massenmarkt zu erreichen, müsse man die Produkte verbessern und überdenken, aber nicht komplett ersetzen. „Um die Leute zu überzeugen, muss man sich darauf konzentrieren, Dienste und Produkte zu bauen, die einen klaren Nutzwert bieten und nicht unbedingt das Potenzial, dass man daran herumbasteln kann.“

Der vierte und letzte Grundsatz lautet: „Mach den Weg frei. Finde die Dinge, die stören, und entferne sie.“ Die Menschen wollten weniger tun und weniger denken müssen. Produkte im sogenannten intelligenten Heim sollten den Weg im täglichen Leben freimachen und die kleinen störenden Dinge sowie mühsame und repetitive Aufgaben beseitigen.

Intelligente Automatisierung bedeute hier: „Wenn ich das Haus verlasse, wird die Heizung automatisch heruntergedreht, die Lichter gehen aus und die Alarmanlage wird angeschaltet. Daran musste ich früher immer selbst denken, jetzt passiert das automatisch. In einem komplexen Leben sind es die kleinen Dinge, die helfen – und wir glauben, dass dies die Zukunft des Smart Home ist.“

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Herr Holen hat absolut Recht. Und das läßt sich 1:1 auf die großen Automobilhersteller übertragen....  lesen
posted am 20.10.2014 um 18:45 von Unregistriert

Billig waschen, wenn Energieüberschuss herrscht, Aufpreis zahlen, wenn es sofort (und damit zur...  lesen
posted am 20.10.2014 um 09:02 von Schoenegg

Schön, dass es solche praxisnahen Diskussionen wie die hier gibt. Noch schöner wäre es, wenn die...  lesen
posted am 17.10.2014 um 22:34 von ibw-oberhaching

Vielen dank für die Horizonterweiterung zu chinesischen Verhältnissen. Klar muss Smart bedeuten,...  lesen
posted am 17.10.2014 um 17:09 von Unregistriert

Smart wäre es, wenn die Verbraucher sich zu Hause untereinander so abstimmen, dass sie sich nicht...  lesen
posted am 17.10.2014 um 10:16 von Unregistriert


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