Smart Glasses: Mit Light-Drive soll jede Brille smart werden

| Redakteur: Hendrik Härter

Wenn aus einer Brille ein Smart Glasses wird: Mit dem Light-Drive-System kommen Informationen direkt ins Blickfeld des Anwenders.
Wenn aus einer Brille ein Smart Glasses wird: Mit dem Light-Drive-System kommen Informationen direkt ins Blickfeld des Anwenders. (Bild: 2016 by marog-pixcells)

Das Light-Drive-System von Bosch Sensortec verwandelt eine Brille in Smart Glasses. Es wiegt weniger als zehn Gramm und funktioniert auch bei direktem Sonnenlicht.

Der Hype um die Google Glass war enorm, aber dann ist es ruhig geworden. Doch tot ist das Thema Augmented Reality (AR) für eine Brille damit noch nicht. Speziell für Smart-Glass-Hersteller bietet Bosch Sensortec ein optisches Light Drive System. Das Komplettsystem aus MEMS-Spiegeln, optischen Elementen, Sensoren und eine Software-Anbindung soll unverzerrte und stets scharfe Bilder erzeugen – selbst bei hellem Sonnenlicht.

Mit seiner Bosch-Light-Drive-Technik soll aus einer herkömmlichen Brille ein alltagstaugliches Wearable werden. Die eingeblendeten Informationen sind von außen nicht sichtbar. Damit wird die Privatsphäre gewahrt. Das gesamte System kommt ohne sichtbares externes Display oder Kamera aus. Nutzer können im Alltag auf wichtige Informationen zurückgreifen. Mögliche Anwendungen sind Navigation, Anrufe, Weckrufe, Terminerinnerungen sowie verschiedene Kurznachrichtendienste.

Bild auf die Oberfläche der Netzhaut

Ein MEMS-basierter gebündelter Lichtscanner im Inneren des Light-Drive-Systems scannt ein holografisches Element (HOE), das in die Linse der Smart-Glasses integriert ist. Dieses HOE lenkt den Strahl auf die Netzhautoberfläche um und erzeugt dort ein hochaufgelöstes Bild.

Dank der Technik ist es für den Anwender möglich, Informationen freihändig von einem verbundenen mobilen Gerät zu empfangen. Das kann beispielsweise ein gekoppeltes Smartphone sein. Das projizierte Bild ist scharf, hell, dank adaptiver Helligkeit auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut erkennbar, und nur für den Nutzer selbst sichtbar.

Die Light-Drive-Technik von Bosch funktioniert selbst mit gebogenen und korrigierenden Brillengläsern sowie Kontaktlinsen. Bisherige Techniken für Smart-Glasses haben den Nachteil, dass beim Ausschalten des Systems ein Schleier oder ein Regenbogenschimmer, das so genannte Streulicht, für den Brillenträger und dessen Gegenüber sichtbar ist. Hersteller Bosch verspricht den ganzen Tag über eine angenehme optische Transparenz mit minimaler Streulichtsensitivität.

Sensoren runden Smart Glasses ab

Das betriebsbereite Light-Drive-System ist 30% flacher als bestehende Lösungen. Es misst rund 45 bis 75 mm x 5 bis 10 mm x 8 mm, abhängig von der Integration durch Kunden bei einem Gewicht von weniger als zehn Gramm. Ergänzt wird die Smart Glasses mit verschiedenen Sensoren: barometrischer Drucksensor und einen geomagnetischen Sensor. Damit lässt sich die Smart Glasses steuern wie einer Multi-Tap-Funktion am Brillenbügel.

Laut Hersteller soll die Light-Drive-Lösung ab 2021 für Hersteller von Großserien verfügbar sein.

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