Suchen

Smart Building: Offener Standard OpenAIS soll alle Leuchten in einem Gebäude vernetzen

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Mit dem offenen Standard OpenAIS wollen die beteiligten Firmen eine offene Plattform etablieren, um Licht in IP-vernetzte Gebäude zu bringen. Das Licht soll in die Infrastruktur der Gebäude integriert werden und die Leuchten sind mit dem Internet verbunden.

Firma zum Thema

OpenAIS ist Grundlage für ein IP-basiertes Lichtsystem. Ziel ist es, einen offenen Standard für vernetzte Beleuchtungssysteme zu etablieren. „Wir verbinden im OpenAIS alle Leuchten in einem Gebäude mit dem Internet,“ fasst es Jens Herter von Tridonic zusammen.
OpenAIS ist Grundlage für ein IP-basiertes Lichtsystem. Ziel ist es, einen offenen Standard für vernetzte Beleuchtungssysteme zu etablieren. „Wir verbinden im OpenAIS alle Leuchten in einem Gebäude mit dem Internet,“ fasst es Jens Herter von Tridonic zusammen.
(Bild: Tridonic)

Am 23. Mai findet in niederländischen Eindhoven das OpenAIS Symposium statt, welches sich dem vernetzten Licht widmet. Guido van Tartwijk, CEO bei Tridonic, bezeichnet das „Licht als das Rückgrat im Internet der Dinge.“ Doch warum soll OpenAIS dabei helfen, die vernetzte Beleuchtung zum Erfolg zu führen? Dazu sprach die ELEKTRONIKPRAXIS mit Jens Herter, der bei Tridonic als Coordinator Alliances & Funding arbeitet.

Herr Herter, was steckt hinter dem Projekt OpenAIS?

Der Name OpenAIS steht für „Open Architectures for Intelligent Solid State Lighting Systems”. Das Projekt wird von der EU-Kommission im Rahmen des Schirmprojekts Horizon 2020 gefördert und widmet sich dem Thema „vernetzte Beleuchtung“. Es ist ein spannendes Gemeinschaftsprojekt von führenden Beleuchtungsfirmen und wichtigen Akteuren im Bereich IoT – unter anderem eben auch Tridonic. Unsere Vision ist, eine Plattform zu schaffen, damit „smartes Licht“ zukünftig in IP-vernetzte Gebäudemanagementsysteme integriert werden kann. Das Projekt läuft noch bis Juni 2018.

Was ist das Ziel des Projektes? Warum wurde OpenAIS ins Leben gerufen?

Mit OpenAIS wollen wir ein auf IP-basiertes Lichtsystem entwickeln. Das Ziel des Projektes ist ein offener Standard für vernetzte Beleuchtungssysteme. Unser Fokus liegt dabei auf Bürobeleuchtung. Zum Hintergrund des Projektes kann man allgemein sagen, dass die Anforderungen an künstliches Licht generell steigen: Wir wollen nicht länger das Licht im Gebäude als ein abgeschlossenes Gewerk sehen. Vielmehr soll Licht in die Infrastruktur des Gebäudes integriert werden und nicht mehr zu trennen sein von Luft, Klima und Heizungssystemen. Weiterhin soll ein Hersteller unabhängiges System bereitgestellt werden. Daher verbinden wir im OpenAIS alle Leuchten im Gebäude direkt mit dem Internet und ermöglichen so die Steuerung der einzelnen Leuchten von jedem beliebigen Ort aus. Durch das Projekt können die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Branchen voneinander profitieren und gemeinsam das Lichtmanagement in das Zeitalter des Internet of Things überführen. Damit wollen wir die europäische Lichtindustrie fit machen, um smarte Leuchten für das Büro der Zukunft bereitzustellen.

Wer ist an OpenAIS beteiligt?

Bei OpenAIS handelt es sich um ein gemeinschaftliches Projekt eines internationalen Konsortiums. Beteiligt sind die führenden Beleuchtungsunternehmen, wie die Zumtobel Gruppe mit ihren Marken Zumtobel, Thorn und Tridonic, sowie Philips und führende Unternehmen im Bereich der IoT-Technologie, also ARM, NXP und Dynning und weitere Forschungseinrichtungen wie die TU Eindhoven die mit ihren Untersuchungen zur Nutzerinteraktion einen wichtigen Beitrag leistet sowie die Niederländische Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (TNO), die Simulationen zur Absicherung der Funktion für große Anlagen durchführt.

Das Unternehmen Jonson Controls vertritt außerdem das Gebäudemanagement und leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration von Licht in das Gebäudemanagementsystem. Solche Partnerschaften sind für den Erfolg vernetzter Beleuchtung zwingend notwendig. Denn durch den Zusammenschluss dieses internationalen und branchenübergreifenden Konsortiums bündeln wir Ressourcen und betrachten die gesamte Wertschöpfungskette für Applikationen vernetzter Gebäude. Wir sehen es als eine sehr bereichernde Kooperation für alle.

Was ist die Motivation für Tridonic an dem Projekt teilzunehmen?

Tridonic investiert generell viel in die Entwicklung neuer Produkte und in interne Projekte. Bei einem so innovativen und zukunftsweisenden Projekt wie OpenAIS halten wir es aber für sehr wichtig, verschiedene Stakeholder an einen Tisch zu bringen, wie beispielsweise akademische Einrichtungen, Zulieferer, potentielle Kunden und auch Mitbewerber. So können wir zusammen neue Lösungen entwickeln und Standards definieren. Das OpenAIS-Projekt ermöglicht es uns, die Entwicklung eines offenen Standards für vernetzte und intelligente Beleuchtung mit voranzutreiben und in Richtung des Arbeitsplatzes der Zukunft voranzugehen. Außerdem fördert die Beteiligung am OpenAIS die Entwicklung unserer net4more-Technologie, einer Hard- und Software-Plattform, die Leuchten vernetzt und mit deren Hilfe Licht zur Infrastruktur des Internets der Dinge werden kann.

Wie sind Tridonic und Zumtobel an OpenAIS beteiligt? Was sind die konkreten Aufgaben?

Mit der Entwicklung von Komponenten und der dazugehörigen Software hat Tridonic einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen des Projektes beigetragen. Philips auf der einen und Tridonic auf der anderen Seite haben Hard- und Software entwickelt, die es weltweit zum ersten Mal möglich macht, über IP direkt bis zur Leuchte zu gehen. Zumtobel hat einen wesentlichen Beitrag zur Systemarchitektur beigetragen und federführend an der Erstellung des Objektmodells gearbeitet. Einfach gesagt hat Zumtobel die Sprache – also das Objektmodell – und die Architektur der Kommunikation definiert. Dies wurde dann von Philips und Tridonic in funktionale Hard- und Software umgewandelt. Und gemeinsam wurden Leuchten von Zumtobel und Thorn mit Komponenten von Tridonic in eine Pilotinstallation implementiert und dafür gesorgt, dass Philips-Leuchten in das gleiche Setup integriert werden konnten.

Wie wird die Praxistauglichkeit der OpenAIS überprüft?

Die erste Installation des OpenAIS ist im berühmten Industriegebäude „Witte Dame“ (Weiße Dame) in Eindhoven zu sehen, im Büro von GGD Brabant-Zuidoost im fünften Stock. Es handelt sich um ein ehemaliges Philips-Gebäude, in dem Glühbirnen hergestellt wurden und das für seine industrielle Architektur bekannt ist. Heute gilt es als nationales Industriedenkmal und wird hauptsächlich als Bürogebäude genutzt. Mit dem Piloten konnten wir schon eindrucksvoll das neu entwickelte System für vernetzte Beleuchtung im Büro zeigen. Beim Eindhoven GLOW ligthfestival fand dort im November 2017 außerdem eine Lichtshow statt. Wir sind überzeugt, dass der Pilot das Potenzial hat, zu einem kommerziellen Projekt zu werden.

(ID:45317482)