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Skytech kauft Loewe: Die unendliche Geschichte geht weiter

| Redakteur: Michael Eckstein

Nach dem Kauf des deutschen TV-Herstellers Loewe strebt der neue Besitzer Skytech eine rasche Neupositionierung der Marke an. Die gute Nachricht: Kronach bleibt Stammsitz, allerdings ohne Fertigung. Bereits zur IFA 2020 will Loewe neue Produkte präsentieren.

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Jetzt aber: Mit stylischen, auf Premiumkunden zielenden Produkten will Skytech die Marke Loewe wiederbeleben.
Jetzt aber: Mit stylischen, auf Premiumkunden zielenden Produkten will Skytech die Marke Loewe wiederbeleben.
(Bild: Loewe Technologies GmbH)

In der langen Leidensgeschichte des deutschen Unternehmens Loewe wird ein neues Kapitel aufgeschlagen – gelingt dieses Mal die Reanimation mit Happy End? Die auf Zypern registrierte Skytec Group hat den Zuschlag für die Übernahme der insolventen Traditionsmarke Loewe erhalten. Nach eigenen Aussagen streben die neuen Eigentümer einen schnellen Neustart an und planen, die Marke international im Premiumsegment zu positionieren und zugeschnitten auf Bedürfnisse einer designorientierten, jungen und zunehmend mobilen Zielgruppe. Skytec setzt „auf ein diversifiziertes Portfolio und den Erhalt des Markenkerns ‚Made in Germany‘“ – und orientiert sich damit recht eng an der bisherigen Ausrichtung.

CEO Vladislav Khabliev will Loewe am Standort Kronach weiterführen und „ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte von Loewe schreiben“. Loewe sei ein Muss für Verbraucher, die Wert auf eigenständigen Style und ikonisches, zeitloses Design legen. „Diesen Ansatz möchten wir auch durch Kooperationen mit Luxusmodelabels oder Premiumautomobilmarken entwickeln.“ Dabei würden die Kernelemente von Loewe, etwa das Prädikat „Made in Germany“ sowie die Produktkategorien Fernsehgeräte und Audiolösungen, eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig will er Loewe für eine jüngere und modebewusste Zielgruppe öffnen, „indem wir das Portfolio um strategische Kategorien wie Smartphones und mobile Endgeräte sowie Produkte im Bereich Personal Audio erweitern.“ Auch hier setzte man konsequent auf das Premiumsegment.

Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing in Kronach

Skytec plant die Konzernzentrale für die neue Loewe-Zukunft am traditionsreichen Stammsitz in Kronach zu belassen. Hier rekrutiert das Unternehmen ein Team aus zunächst 30 Experten in den Bereichen Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing. Das Team soll neue Produkte voranbringen und konsistente Strategien für den Neustart im deutschsprachigen Raum sowie für die internationale Expansion entwickeln. Dabei soll es von den internationalen Kontakten und Partnernetzwerken der Skytec Group profitieren.

Erste neue Fernseh- und Audioprodukte von Loewe sollen nach dem Plan der neuen Führung zur IFA 2020 präsentiert werden. In Punkto Design und Funktionalität sollen sie „Maßstäbe setzen und zum Weihnachtsquartal 2020 im Handel verfügbar sein“. Für 2021 ist außerdem der Start der neuen Produktkategorie Smartphones im Rahmen des Mobile World Congress sowie die Einführung von Produkten im Bereich der Weißen Ware geplant. Die Auftragsbücher der wenigen Experten in Kronach dürften angesichts dieser Vorgaben überquellen.

Mit seinem Bekenntnis zum Erhalt des Standorts Kronach verbindet Skytec das Versprechen, ein Zentrum für Forschung und Entwicklung zu etablieren und den Technologiestandort Bayern zu fördern. Dabei setzt Khabliev nach eigenen Angaben auch auf eine gute Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsregierung.

Blaupunkt mit ähnlicher Strategie reanimiert

Skytec hat sich auf Positionierung, Aufbau und Führung von Lizenzmarken fokussiert. So gelang dem Unternehmen beispielsweise ab 2010 die nach eigenen Angaben erfolgreiche Wiedergeburt der Marke Blaupunkt im europäischen Segment für Unterhaltungselektronik. Nach dem Rückzug von Sharp aus Europa übernahm Skytec unter dem Management von Skytec-UMC die Marke und steigerte innerhalb eines Jahres den Absatz der Fernsehgeräte von wenigen hunderttausend Geräten auf über eine Million Einheiten pro Jahr. Im Zuge dieser Entwicklung konnte das polnische Werk von Sharp erhalten werden. Schon kurz nach Übernahme der Sharp-Lizenz konnte Skytec ein komplett neues Portfolio an Fernsehgeräten vorstellen und ergänzte das Geschäft um Audiolösungen und Haushaltsgeräte unter der Marke Sharp, die jeweils zur IFA vorgestellt wurden.

Ebenfalls mit Hilfe von Skytec erfolgte 2018 der Neustart der Marke Sharp im europäischen Smartphone-Segment. Zudem ermöglichte Skytec der Marke Sharp Kooperationen mit den Audiospezialisten von Harman Kardon und der italienischen Designschmiede Pininfarina. Mit seiner erfolgreichen Strategie bereitete Skytec maßgeblich die Rückkehr von Sharp mit einer eigenen Geschäftsstelle in den europäischen Markt vor. Diese wurde mit der Übernahme der vollständigen Anteile an Skytec-UMC durch den japanischen Elektronikkonzern im Oktober 2019 vollzogen.

Mit Loewe verfolgt Skytech nun offensichtlich die gleiche Strategie. „Wir verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Neupositionierung und Führung von Lizenzmarken und bieten Loewe ideale Voraussetzungen für eine neue Erfolgsgeschichte“, bekräftigt Khabliev. Zugleich sei dies auch eine große Herausforderung: Erstmals übernimmt Skytech eine Firma komplett, anstatt nur eine Marke zu lizensieren. „Loewe wird Teil unseres Familienunternehmens und erhält als unsere eigene Marke die volle Aufmerksamkeit und all unsere Ressourcen“, verspricht der Skytech-Chef. Daher werde man eine auf langfristiges Engagement, kluge Investitionen und internationale Nachhaltigkeit angelegte Geschäftsstrategie entwickeln und umsetzen.

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