Börsengang oder Konsortium? SK Hynix und Intel prüfen Einstieg bei ARM

Von Sebastian Gerstl

Prozessorhersteller ARM macht sich weiter fit für einen Börsengang und tritt Anteile seines China-Geschäfts an Noch-Eigner Softbank ab. Derweil denken unter anderem Intel und SK Hynix laut und offen darüber nach, ein Konsortium zu bilden, um ARM zu übernehmen.

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Während sich Arm weiter versucht für einen Börsengang fit zu machen - und dabei Unternehmenswerte vorsorglich an den Noch-Eigner Softbank abtritt - werden Überlegungen aus der Industrie lauter, ein eigenes Konsortium zu bilden, um die Lizenzneutralität des Porzessoranbieters zu wahren,
Während sich Arm weiter versucht für einen Börsengang fit zu machen - und dabei Unternehmenswerte vorsorglich an den Noch-Eigner Softbank abtritt - werden Überlegungen aus der Industrie lauter, ein eigenes Konsortium zu bilden, um die Lizenzneutralität des Porzessoranbieters zu wahren,

Der amtierende ARM-CEO Rene Haas ist weiterhin eifrig damit beschäftigt, den britischen Prozessor-IP-Anbieter für einen Börsengang zu verschlanken. Neben hunderten von Mitarbeitern an seinen Standorten in England und den USA baut das Unternehmen auch seine Anteile an ARM China ab. Demnach hat ARM Anteile an der China-Tochter überwiegend auf seinen Noch-Eigentümer, den japanischen Elektronikkonzern Softbank, übertragen.

Wie es bei vielen Unternehmen, die auf dem chinesischen Markt tätig sind, üblich ist, hat ARM für sein China-Geschäft mit ARM China ein eigenes Tochterunternehmen gegründet, das zu etwas mehr als 50% in den Händen chinesischer Investoren ist. Bislang hielt ARM die restlichen Anteile selbst. Nun werden die Verhältnisse neu verteilt: ARM wird künftig selbst weniger als 20 % an der China-Tochter halten. Softbank erhält dagegen 28 %. Die Mehrheit der Anteile wird dagegen weiterhin von chinesischen Investoren gehalten. Arm hatte in der jüngeren Vergangenheit einen kuriosen Streit mit seiner Tochter-Gesellschaft ausgetragen: Obwohl der CEO von Arm China, Allen Wu, 2017 von Arm Ltd. direkt gefeuert worden war, hat sich dieser bislang hartnäckig geweigert, seinen Posten zu verlassen, und fungiert weiterhin gegen den Willen von Arm selbst als Geschäftsführer. Mit der Übertragung der mehrheitlichen Anteile an Softbank hat nun der japanische Konzern die Aufgabe, sich mit dem abtrünnigen CEO von Arm China auseinanderzusetzen.

Die Übereignung der Anteile hat auch Folgen für den Status von ARM China: Nach der Übertragung wird das Unternehmen nicht mehr als Tochtergesellschaft, sondern nur noch als Lizenznehmer von Arm-Produkten gelten. Das dürfte auch schwere Auswirkungen auf den angedachten Börsenwert von Arm haben, wenn die IPO erfolgt: Eindeutige Zahlen liegen zwar nicht vor, es wird allerdings angenommen, dass Arm China aktuell etwa ein Viertel der Einnahmen von Arm beisteuert. Ein solcher möglicher Verlust wird sich sicherlich auf die Erlöse aus dem Börsengang auswirken.

Mehr Stimmen sprechen sich für Konsortiumsbildung aus

Ob 2023 auch wirklich ein Börsengang von ARM erfolgt ist indes noch ungewiss. Aus der Industrie selbst melden sich immer mehr Stimmen, die sich für die Bildung eines Konsortiums bilden, dass ARM übernehmen und somit die Unabhängigkeit der Prozessor-IP für alle sicherstellen soll.

Überlegungen dieser Art sind nichts Neues. Bereits im Februar hatte Intel-CEO Pat Gelsinger gesagt, dass sein Unternehmen daran interessiert sei, sich an einem solchen Konsortium zu beteiligen. „Wir sind keine großen Nutzer von Arm, aber wir verwenden Arm“, sagte Gelsinger gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, „und wir werden zu größeren Nutzern von Arm werden, wenn wir es auch zu einem Teil unserer IFS-Agenda machen. Wenn sich also ein Konsortium bilden würde, wären wir wahrscheinlich sehr daran interessiert, in irgendeiner Form daran teilzunehmen.“

Die geplante Übernahme von Arm durch Nvidia hatte für massive Kritk aus der Industrie gesorgt, da Nvidia selbst Arm-Kunde ist. Es bestand ernsthafte Sorge, dass Nvidia auf diesem Weg nicht nur Einblicke in die Verwendungspläne der Arm-Architektur von Konkurrenten erhalten, sondern auch Innovationen ausbremsen könnte, indem etwa die beste Arm-Technologie potenziellen Lizenznehmen vorenthalten werden würde. Die Bildung eines Konsortiums, dass sich eigens für den Zweck einer Übernahme von Arm bildet und aus unterschiedlichen Unternehmen zusammengesetzt ist, könnte eine solche einseitige Einflussnahme besser verhindern.

Auch Speicherhersteller SK Hynix hat nun die Möglichkeit einer Beteiligung an einem solchen Industriekonsortiums ins Spiel gebracht.fIch möchte Arm kaufen,“ sagte Hynix-CEO Park Jung-ho sagte am Mittwoch auf der Jahreshauptversammlung, „wenn auch nicht ganz. [...] Wir prüfen die Möglichkeit, zusammen mit strategischen Partnern ein Konsortium zu bilden, um gemeinsam zu übernehmen“. Park fügte hinzu: „ich glaube nicht, dass Arm ein Unternehmen ist, das von einem einzigen Unternehmen gekauft werden könnte.“

In der Tat könnte ein Börsengang von ARM schwierig sein: Softbank hatte ARM 2017 für umgerechnet 29 Mrd. Euro bzw. 32 Mrd. US-$ erworben, verschiedenen Analysten zufolge macht das Unternehmen allerdings nur einen Umsatz von 2 Mrd. US-$ im Jahr. Ein hoher Wert, der die ursprüngliche Einkaufssumme rechtfertigt, dürfte Börseninvestoren schwer zu vermitteln sein. Dagegen hatte Nvidia für den Erwerb von Arm 54 Mrd. US-$ geboten; die Summe war im Laufe der Zeit im Wert sogar auf über 80 Mrd. US-$ gestiegen, da Nvidia den größten Teil der Transaktion aus eigenen Aktienanteilen begleichen wollte, die im verlauf stark angestiegen waren.

Aber auch eine Konsortiumsbildung wäre nicht ohne Tücken. Das Scheitern des Nvidia-Arm-Deals lag unter anderem am Widerstand von Kartellbehörden, die eine zu starke Einflussnahme auf den Markt befürchteten, da Nvidia selbst Kunde von Arm ist. Wenn also einem solchen Konsortium Kunden von Arm angehören, dann könnte dies den Regulierungsbehörden ebenso missfallen, wenn es darum geht, die Lizenzneutralität von Arm zu wahren. Aufgrund der Marktdurchdringung der ARM-Prozessorachitektur dürfte es allerdings schwierig sein, ein solches komplett neutrales Konsortium zu bilden. Der Einstieg eines Speicherherstellers wie SK Hynix könnte hier allerdings durchaus für Bewegung sorgen.

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