LED-Retrofit-Lampen

Sind LED-Retrofit eine Alternative zur Glühlampe?

| Autor / Redakteur: Tom Reichelt * / Hendrik Härter

LED-Retrofits sollen neben den Energiesparlampen die klassischen Beleuchtungen ablösen. Ist nach dem schrittweisen Verbot der Glühlampe ein Wechsel problemlos möglich?

Die LED in der Beleuchtungstechnik wird immer beliebter. Hört man sich allerdings bei den Anwendern um, so sind deren Meinungen und Erfahrungen oft widersprüchlich. Von Aussagen wie „absolut zufrieden” über „unsicher, abwartend und doch neugierig” bis hin zu „sehr unzufrieden”.

Sind es die Produkte, unzureichende oder irreführende Produktbeschreibungen oder die unterschiedlichen Erwartungen der Käufer, welches dieses breite Qualitätsurteil beschreiben? Mit diesem Artikel wollen wir Ihnen einen Überblick über die LED-Retrofit-Lampen geben und bei der Auswahl der LED-Produkte helfen. Die EU-Richtlinie 244/2009 verbietet das Inverkehrbringen ineffizienter Leuchtmittel, darunter die Glühlampe. Die Verbraucher sind somit gezwungen, auf alternative Leuchtmittel, also auf Retrofit Lampen, umzusteigen. Hat der Verbraucher in den letzten Jahren gemischte Erfahrungen mit den teueren Energiespar-Lampen machen können, so ist er jetzt mit der Vielzahl an LED-Lampen überfordert.

Ergänzendes zum Thema
 
Leuchtdioden in klassischer Fassung

Der oft nochmal höhere Preis sorgt für zusätzliche Verunsicherung. Setzt dich die Glühlampe aus Sockel, Glaskolben und Glühdraht zusammen, so sieht das bei der LED etwas komplexer aus: Die LED-Lampe besteht aus mehreren elektronischen und mechanischen Bauteilen und die eigentliche LED ist nur ein kleiner Teil davon. Und das hat alles seinen Preis.

Qualität in Bezug auf LEDs beschreibt den Erfüllungsgrad der Anforderungen. Erwartet der Käufer einer 3-W-LED-Lampe für 10 Euro, dass damit seine 60-W-Glühlampe in vollem Umfang ersetzt werden kann, wird er enttäuscht. Nimmt er jedoch ein Defizit in der Helligkeit in Kauf, so sind seine Qualitätsansprüche möglicherweise erfüllt. Ob die Anforderungen an die Qualität erfüllt wurden, kann der Käufer nur subjektiv beurteilen. Wichtige Parameter wie Lichtfarbe, Farbwiedergabe, abgegebene Lichtmenge kann der Käufer nicht nachmessen.

Bei den Autos unterscheidet man grob in drei Klassen: Kleinwagen, Mittelklasse und Exklusiv. Ähnlich lassen sich die LEDs in verschiedene Klassen einteilen.

  • Niedrig-Preis-Klasse: wenige Euros, meist nur als Deko-Beleuchtung verwendbar
  • Gut und doch günstig: meist zwischen 10 und 20 Euro und für viele Anwendungen einsetzbar, jedoch mit Einschränkungen in den lichttechnischen Eigenschaften – kein vollwertiger Ersatz
  • Exklusive LED-Produkte: vollwertiger Ersatz der herkömmlichen Leuchtmittel; entspricht Retrofit

LED-Retrofits im Niedrigpreis-Bereich

Für viele ist der Preis das ausschlaggebende Argument. Alle reden von LED und für ein paar Euro kann man doch gerne mal etwas Neues ausprobieren. Die LED-Technik soll ja sparsam sein. Da wird für wenige Euro oft viel versprochen. Nicht informiert über die Kenngrößen einer guten LED-Lampe wird den Marketingversprechen der Anbieter geglaubt und eine LED-Lampe billig gekauft.

So erfreute sich eine Kundin über den Kauf von drei LED-Lampen zum Einzelpreis von 7 Euro, welche angeblich ihre 35-W-Halogenstrahler (MR16) durch 3-W-LED ersetzen kann. Bereits nach einer Stunde ging die erste Lampe kaputt. Die abgestrahlte Lichtmenge war zudem unzureichend. Die Kundin verwendet heute wieder Halogen-Spots. Ein anderes Produkt wurde beworben mit dem Aufdruck "Sehr effiziente LED-Lampe. Leistungsaufnahme nur 2 W". Auf der Rückseite war sogar der Lichtstrom mit 10 lm angegeben. Damit ist diese Lampe mit 5 lm/W noch weniger effizient als die verbotene Glühlampe mit ungefähr 10 lm/W.

Mit viel Phantasie und geringen Lohnkosten entsteht in Billiglohnländer eine Vielzahl von LED-Produkten. Allein in Shenzhen, der LED-Hochburg in China, sind in den letzten Jahren mehrere hundert LED-Firmen entstanden. Der Preis- und Konkurrenzkampf ist hart. Das erklärt, warum der Ramsch-Anteil an LED-Produkten so groß ist. Einige Importeure wollen nur billig einkaufen. Durch diesen Preisdruck werden billigste Bauteile, wie unspezifizierte Kondensatoren, LEDs mit geringer Effizienz und schlechter Verarbeitung, verwendet. Resultat: LED-Niedrig-Preis-Produkte oder einfach bezeichnet als billiger Ramsch oder Elektronikschrott.

Die Gefahr der billigen LED-Importe

Inzwischen ist es zum Beispiel trotz Portokosten für den Privatmann möglich, günstig LED-Produkte direkt aus Asien zu importieren und das ungeachtet der europäischen Richtlinien wie CE-Kennzeichnung, sowie der Elektroschrottverordnung.

Der Käufer darf sich nicht wundern, wenn nach dem Einschalten der LED-Lampen der Empfang seines Lieblingsradio-Senders nicht mehr möglich ist.

Die Marktaufsichtsbehörde hat das bereits erkannt und prüft verstärkt die Einfuhr von LED-Lampen. Vielen Kunden fällt es jedoch schwer, die viele Spreu vom seltenen Weizen zu trennen. Einige Unternehmen haben bereits begonnen mit Gütesiegel für die angebotenen Produkte zu werben. Es ist somit nur noch eine Frage der Zeit, bis unabhängige Prüf-Institute hierzu Kriterien festlegen.

Geringfügig teurer als die Energiesparlampen finden sich LED-Retrofit-Lampen im Preissegment von 10 bis ungefähr 20 Euro. Das ist für viele Kunden gerade unterhalb der Schmerzgrenze und die erworbenen LED-Lampen sind meist durchaus vielfach einsetzbar.

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Ein wesentlicher Teil des Effizienzgewinns bei LEDs liegt auch in der gerichteten...  lesen
posted am 10.01.2014 um 14:39 von ibw-oberhaching

Das Problem und auch das Risiko bei den Retrofit-Lösungen liegt zumeist in der ungünstigen...  lesen
posted am 09.01.2014 um 08:49 von Unregistriert

LEDs als Lampen. Eine Lampen-LED (bis. max. 5W) ist nichts anderes als eine Anzeige-LED (bis...  lesen
posted am 06.01.2014 um 15:06 von Unregistriert

LED Lampen allgemein es ist noch nicht all zu lange her und ich entschloss mich alles an Lampen...  lesen
posted am 02.01.2014 um 14:43 von Unregistriert


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