Siglent will in Europa auch die Industrie-Kunden bedienen

| Redakteur: Hendrik Härter

CEO und Gründer von Siglent Eric Qin gründete das Unternehmen im Jahr 2002. Jetzt will Siglent auch die Industrie-Kunden in Europa bedienen.
CEO und Gründer von Siglent Eric Qin gründete das Unternehmen im Jahr 2002. Jetzt will Siglent auch die Industrie-Kunden in Europa bedienen. (Bild: Siglent)

Einen stärkeren Fokus auf die Industrie: das ist das Ziel von Siglent. Seit Herbst 2018 hat der Messtechnik-Hersteller in Deutschland seine Europa-Niederlassung und will durchstarten. Im Interview spricht Thomas Rottach über Partner, Projekte und Perspektiven.

Siglent ist aktuell in einer ähnlichen Ausgangssituation wie Rigol 2012: Ein chinesisches Messtechnik-Unternehmen betritt den europäischen und speziell den deutschen Markt. Den Produkten haftet der Charme des Billigen an. Das will Thomas Rottach ändern. Er hat in seiner beruflichen Karriere schon einige Erfahrungen bei anderen Messtechnik-Unternehmen sammeln können. Jetzt schickt er sich an, Siglent bekannt zu machen und auch von der Qualität der Geräte zu überzeugen.

Welche Strategie verfolgt Siglent in den nächsten Jahren in Deutschland und Europa?

Unser langfristiges Ziel ist es, am Markt als zuverlässiger und vertrauenswürdiger Partner für Messtechnik gesehen zu werden. Dieses Ziel bestimmt unsere Strategie für die nächsten Jahre. Als Marke ist Siglent noch nicht sehr bekannt, jedoch bieten wir bereits leistungsfähige und qualitativ hochwertige Messtechnik im unteren Segment an. Noch sind unsere Produkte überwiegend in der Einstiegsklasse angesiedelt. Ein Teil unserer Strategie ist, das Portfolio Stück für Stück mit Produkten der mittleren Leistungsklasse zu erweitern. Damit werden wir dann auch komplexere Anwendungen mit höheren Anforderungen an die Messtechnik bedienen können. Schon 2019 werden wir entsprechende Produkte auf den Markt bringen.

Der zweite Teil der Strategie ist, unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Wir haben beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass viele unserer Kunden, welche unsere Produkte ausprobiert haben, schnell von der Qualität und der Wertigkeit überzeugt waren und sich zum Kauf entschieden haben. Jetzt ist es unser Ziel, mehr Kunden auf uns und unsere Produkte aufmerksam zu machen. Unsere größten Wachstumschancen liegen in der Industrie. Wir als Siglent wissen aber auch, dass der Industrie-Markt sehr anspruchsvoll ist. Neben Service und Support vor Ort, Kalibrierung und anwendungsspezifischer Beratung, kommt es nicht mehr allein auf die Messgeräte an, sondern auf komplette Lösungen. Unsere Kunden haben oft ein spezifisches Problem, das gelöst werden muss. Es ist unsere Aufgabe, zuzuhören, die Problematik zu verstehen und unsere Produkte in passende Lösungen zu verwandeln. Ein Schritt war, dass wir im Herbst 2018 in Deutschland ein lokales EU-Team aufgebaut haben. Anfang 2019 werden wir mit drei Mitarbeitern starten und uns um Service, Support und Marketing kümmern.

Wie will sich Siglent in Bezug auf die Distribution aufstellen – welche Partner und Projekte sind geplant?

Ich möchte vorausschicken, dass wir bereits ein sehr gut funktionierendes Netz an Vertriebspartnern haben. Trotzdem sehe ich aktuell noch die eine oder andere Lücke auf der Europakarte, die geschlossen werden muss. Für die geplante, stärkere Fokussierung auf Industriekunden benötigen wir zusätzliche Vertriebspartner, welche exakt diesen Fokus mitbringen. Auch hier haben wir bereits erste Gespräche aufgenommen. Das mittelfristige Ziel ist, ein flächendeckendes Netzwerk aus Online-Resellern, industrie-fokussierten, technischen Vertriebspartnern und dem einen oder anderen Katalog-Distributor zu haben.

Welche Produkte bieten Sie an und welche Zielgruppen adressieren Sie?

In unserem Produkt-Portfolio sind bereits Oszilloskope mit einer Bandbreite von bis 350 MHz, arbiträre Funktionsgeneratoren bis 500 MHz, Spektrum-Analysatoren bis 3,2 GHz, HF-Signalgeneratoren bis 3,2 GHz, Labornetzteile mit einer Leistung bis 200 W und Multimeter mit Anzeigen 4,5/5,5/6,5 Stellen. Aus der Historie heraus sind Kunden der Maker- und Amateurfunkszene eine für uns wichtige Kundengruppe. Ebenso Anwender von Hochschulen und Universitäten. Bei den Industrie-Kunden fokussieren wir uns derzeit auf kleine und mittlere Unternehmen.

Auf welchen Märkten wollen Sie künftig auftreten und mit welchen Anwendungen?

Schaut man sich unser aktuelles Produktspektrum an, so ist primär kein dedizierter Fokus auf einen bestimmten Markt ersichtlich. General-Purpose-Messtechnik wird überall benötigt. Schaut man sich jedoch die Märkte genauer an, so ist Automotive mit den Themen autonomes Fahren, Konnektivität und Elektrifizierung des Antriebs ein wichtiger Ansatz für unsere Messgeräte. Aber auch 5G, die Leistungselektronik und das Themenfeld Embedded Design mit IoT bzw. IIoT. Aktuelle sehen wir als einen guten Einstieg in die Industrie das Thema Emdedded Desing/IoT. In den anderen Märkten sind wir aktuell noch nicht so stark, aber auch dort können wir Lösungen für verschiedenste Anwendungen bieten. Folglich liegt unser aktueller Fokus auf Embedded Design und IoT. Unsere Ausrichtung werden wir mit unserer weiteren Entwicklung immer wieder hinterfragen und parallel mit unserem wachsenden Portfolio anpassen.

Wie grenzen Sie sich von Ihren direkten Mitbewerbern ab?

Ich sprach davon, Siglent zu einem zuverlässigen und vertrauenswürdigen Partner auf dem Messtechnikmarkt zu etablieren. Deshalb muss unser Fokus auf Qualität, Service und Kundenorientierung liegen. Die Qualität der Produkte ist unsere Basis, denn der Kunde erwartet Messtechnik, die verlässlich funktioniert und hilft die Projekte in der vorgegebenen Zeit abschließen zu können. Falls aber doch einmal etwas nicht funktioniert, muss unser Service das Problem schnell und zuverlässig beheben. Ein weiterer wichtiger Baustein ist, dem Kunden zuhören und Feedback ernst nehmen, Anforderungen verstehen und zum Beispiel fehlende Funktionalitäten ergänzen, so dass unser Kunde auch zukünftig, bei geänderten Aufgabenstellungen mit unserem Equipment arbeiten kann und nicht in neues Equipment investieren muss. Hier hilft uns, dass wir flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege haben und damit in der Lage sind sehr schnell und flexibel zu reagieren. Wir bieten Produkte mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis, welches das Budget unserer Kunden schont.

Einsteiger-Oszilloskope mit Bandbreiten von 100 bis 200 MHz

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15.10.18 - Der chinesische Messtechnik-Hersteller Siglent bietet mit der Oszilloskop-Familie SDS1000X/SDS1000X+ günstige Geräte für den Entwickler aber auch Hobbyisten. lesen

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