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Sigfox verkauft sein deutsches IoT-Netz

| Redakteur: Michael Eckstein

Sigfox verkauft sein deutsches Low-Power-Wide-Area-Netz für industrielle IoT-Anwendungen („0G“) an den Fondsmanager Cube Infrastructure Managers. Dadurch soll das größte zusammenhängende 0G-Netz Europas entstehen.

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Sigfox-0G-IoT-Netze vernetzten energieeffiziente Sensoren in vielen Ländern der Erde.
Sigfox-0G-IoT-Netze vernetzten energieeffiziente Sensoren in vielen Ländern der Erde.
(Bild: Nasa)

Das französische Unternehmen Sigfox geht mit Cube Infrastructure Managers (Cube) eine strategische Allianz ein. Diese umfasst neben der Übernahme von Sigfox Germany inklusive des hiesigen Low-Power-Wide-Area-Netz (LPWAN, „0G“) für industrielle IoT-Anwendungen auch eine Mehrheitsbeteiligung an Heliot Europe. Heliot ist bereits Eigentümer und Betreiber der Sigfox-Netzwerke in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein.

Durch das Zusammenführen der bisher separat in den vier Nachbarländern betriebenen Netze soll das größte zusammenhängende 0G-Netz Europas entstehen – „von der Adria bis zur Nordsee“. Nach eigenen Angaben verfolgt Cube das Ziel, „das Wachstum dieser essentiellen und exklusiven IoT-Infrastruktur in der DACH-Region im Rahmen eines Joint Ventures zusammen mit dem bisherigen Betreiber der Netze zu beschleunigen“. Sigfox wird demnach eine Minderheitsbeteiligung an Heliot Europe behalten.

„Größtes 0G-Netz Europas“ soll entstehen

Nach Lesart der Geschäftspartner beschleunigt die Transaktion den „Komplettausbau der IoT-Infrastruktur“ in Europa. Dieser sei für die Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Entwicklung der deutschen und europäischen Wirtschaft wichtig.

Über den Wert des Geschäfts halten sich die Geschäftspartner bedeckt. Mit dem Geld will Sigfox seine „kontinuierlichen Innovationsinitiativen im Bereich der Datenwert-Extraktion und der Verbesserung der Cloud-Algorithmen schneller finanzieren“. Ziel sei es, den Energieverbrauch der Geräte und Sensoren weiter zu senken und diese zu geringeren Preisen und schneller auf den Markt bringen zu können.

Verkauf beendet bisherigen Sonderweg der deutschen Sigfox-Niederlassung

Die 0G-Infrastruktur von Sigfox erstreckt sich mittlerweile über 72 Ländern und Regionen. Die meisten der Netzwerke sind im Besitz von „Sigfox Operators“, also Partnern wie Heliot. Nur in wenigen Ländern war Sigfox selbst Netzbetreiber – zum Beispiel in Deutschland. Die Eigentümer betreiben die 0G-Netze und bieten darüber exklusiv Konnektivität für Sigfox-IoT-Dienste an.  

Nach Ansicht von Sigfox markieren die Übernahmen von Sigfox Deutschland und Heliot Europe durch Cube einen Meilenstein in der Entwicklung der 0G-Technologie – schließlich setze „Cube mit diesem Investment klar auf das langfristige Wachstumspotential dieses IoT-Infrastrukturnetzes“.

„Als ein Pionier unter den Infrastrukturfonds sind wir dafür bekannt, dass wir früh in Glasfaserinfrastrukturunternehmen in Europa investiert haben – noch lange bevor Glasfaser zum ‚vierten Versorgungsunternehmen‘ wurde“, sagt Henri Piganeau, Managing Partner bei Cube Infrastructure Managers. Man habe in den letzten zehn Jahren das Wachstum mehrerer europäischer Infrastrukturbetreiber erfolgreich begleitet.

Überall verfügbares IoT ist entscheidende Voraussetzung für Europas Fortschritt

Im Zuge der digitalen Transformation der Volkswirtschaften sehe Cube heute die Entwicklung eines breit verfügbaren IoT als entscheidende Voraussetzung und Triebkraft für den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Fortschritt Europas an. „Mit der Investition in die Heliot-Plattform und unserer strategischen Allianz mit Sigfox zielen wir nun darauf ab, eine neue Kommunikationsinfrastruktur zu konsolidieren, ihr Potenzial zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Zielmärkte und Territorien zu nutzen und zur effizienten Nutzung öffentlich verfügbarer Dienstleistungen und knapper Ressourcen beizutragen – ganz im Einklang mit unseren ESG-Zielen zur Nachhaltigkeit.“

Die Übernahme von Sigfox Germany sei „ein wichtiger Meilenstein in unserer Entwicklung“, sagt Heliots CEO Thomas Scheibel. Sein Unternehmen werde die bereits von Sigfox Germany begonnenen Projekte und Partnerschaften mit namhaften deutschen und internationalen Industriekunden fortsetzen. „Das neue kombinierte 0G-Netz von der Adria bis zur Nordsee aus einer Hand entspricht den Erwartungen unserer Kunden und kommt unseren operativen Stärken zugute.“

0G soll Mobilfunk-IoT dort ergänzen, wo es sinnvoll ist

Zugleich werde man damit konkrete Nutzen des IoT im Herzen der europäischen Industrie weiter beschleunigen und fördern. Die starke finanzielle Unterstützung und die Erfahrung der Cube Infrastructure Managers seien dabei ein Garant für nachhaltiges Wachstum.

Ziel von Sigfox sei nie gewesen, mit der Mobilfunktechnik und darauf aufsetzenden IoT-Netzen zu konkurrieren, sondern diese vielmehr zu ergänzen – dort, wo Mobilfunk ungeeignet ist. Etwa, wenn nur sehr geringe Datenmengen mit erschwinglichen, autonomen und langlebigen Sensoren übertragen werden sollen. Möglich hätten dies Geräte gemacht, „die sehr wenig Energie und Funkspektrum verbrauchen und sehr günstig sind“, sagt Ludovic Le Moan, CEO und Mitbegründer von Sigfox. „Das gemeinsame Nutzen der Infrastruktur ist hierbei ein erster bedeutender Schritt hin zu wirklich niedrigeren Gesamtbetriebskosten und zu höherer Zuverlässigkeit und Interoperabilität.“

Der Verkauf von Sigfox Germany fällt zeitlich zusammen mit der Eröffnung des eigenen Webshops unter „shop.sigfox.de“. Hier steht der Onlinevertrieb smarter 0G-Sensoren bereits ab Losgröße 1 im Fokus. „Es war uns wichtig, ein niedrigschwelliges und von Sigfox Germany autorisiertes Angebot zum Stöbern und Shoppen zu schaffen“, erklärt Elena Sztochay, Director Solution Sales bei Sigfox Germany. Kunden erhielten damit einen schnellen Zugang zu qualitativ hochwertigen und sofort einsatzbereiten Lösungsangeboten zu Digitalisierung und IoT-Anbindung von Dingen aller Art. Gleichzeitig liefert der Shop auch Antworten auf viele kleine Detailfragen, wenn Kunden nach Produkten zur 0G-basierter Digitalisierung suchen.“

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