Innovation 2014 Siemens zeichnet seine Erfinder des Jahres aus

Redakteur: Peter Koller

Früherkennung von Tumoren, Rettungswege für Datenpakete oder ein neuer Dreh für Gas- und Dampfturbinen: Zwölf Siemens-Forscher und -Entwickler wurden von Siemens als "Erfinder des Jahres" ausgezeichnet.

Firmen zum Thema

Zwölf Siemens-Mitarbeiter wurden als Erfinder des Jahres ausgezeichnet
Zwölf Siemens-Mitarbeiter wurden als Erfinder des Jahres ausgezeichnet
(Siemens)

Früherkennung von Tumoren, Rettungswege für Datenpakete oder ein neuer Dreh für Gas- und Dampfturbinen: Zwölf Siemens-Forscher und -Entwickler wurden nun von Siemens als Erfinder des Jahres 2014 ausgezeichnet.

„Innovation ist eine der tragenden Säulen der Siemens Vision 2020“, sagt Joe Kaeser, CEO der Siemens AG. „Grundlage unserer Innovationen sind kreative und wertvolle Ideen. Mit diesen Ideen und ihrem Streben nach neuen technologischen Lösungen haben diese zwölf Erfinder und ihre 30.000 Kollegen weltweit entscheidend dazu beigetragen, die technologische Zukunft und den Markterfolg unseres Unternehmens zu sichern.“

Bildergalerie
Bildergalerie mit 12 Bildern

Siemens meldete im Geschäftsjahr 2014 rund 4.300 Patente an – neun Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem will das Unternehmen rund 400 Millionen Euro zusätzlich für Forschung und Entwicklung (F&E) ausgeben. Im letzten Geschäftsjahr hat Siemens etwa vier Milliarden Euro in F&E investiert. Zum Erfolg beigetragen haben die zwölf ausgezeichneten Siemens-Forscher und -Entwickler, die zusammen für über 900 Erfindungen und 842 erteilte Einzelpatente verantwortlich sind. Das sind die ausgezeichneten Erfinder:

Liexiang Fan: Die Scherwellen-Elastographie ist ein Ultraschallverfahren, bei dem die Elastizität des Gewebes untersucht wird. Sie hilft, Tumore früher zu erkennen, insbesondere bei Brust, Prostata, Leber und Schilddrüse. Die Forschungsarbeiten von Liexiang Fan, 51, trugen maßgeblich dazu bei, dass Siemens Healthcare im Jahr 2008 als erstes Unternehmen diese neue Untersuchungsmethode auf den Markt brachte.

Ralf Beyer: Bei der Wartung von Schienenfahrzeugen haben es Techniker mit bis zu 200 untereinander vernetzten Steuerungsgeräten verschiedener Hersteller zu tun. Ralf Beyer (47), Systemarchitekt bei Siemens Mobility in Erlangen, hat einen webbasierten Service für Schienenfahrzeuge erfunden. Dadurch können sich Techniker von jedem internetfähigen Endgerät aus virtuell in die einzelnen Komponenten der Steuerung hineinbegeben und sich soweit in die Unterebenen "hineinbohren" ("drill down diagnostics"), bis sie die Ursache eines Problems entdeckt haben.

Jörg-Uwe Dahl: Überall, wo Strom in Niederspannungsnetzen verteilt werden muss, regeln Leistungsschalter, welche Netzteile im Falle eines Kurzschlusses in Betrieb bleiben. Damit diese Schalter zuverlässig arbeiten, ist ausgeklügelte Mechanik gefragt. Das ist die Spezialität von Jörg-Uwe Dahl (50). Der Erfinder aus Berlin, der für die Division Energy Management arbeitet, hat beispielsweise einen Schalter mit einem platzsparenden Rotor erfunden, der zuverlässig und mit sehr geringem Stromverlust Kontakte herstellt sowie robuster ist als Vorgängermodelle.

Uffe Eriksen: Längere Lebenszeit, niedrigere Kosten, weniger Umweltrisiken: Mit seinen Erfindungen will Uffe Eriksen (44) Windkraftanlagen zu einer echten Alternative zu fossilen Energiequellen machen. Der Däne hat Lösungen entwickelt, wie Generator und Hauptlager effizienter und umweltfreundlicher gekühlt werden können. Dabei vereinfachen die neuen Technologien die Konstruktion der Anlagen und sorgt für bessere Leistung.

Dr. Peter Faubel: Um in großen Rangieranlagen den Überblick zu behalten, wo sich welche Güterwagen befinden, hat Dr. Peter Faubel (59) Radsensoren so weiter entwickelt, dass sie die Messdaten der Züge drahtlos funken können. Dadurch entfällt die aufwendige Verkabelung der Sensoren. Das neue Gerät wird gerade auf dem Gleisnetz des Rheinhafens in Karlsruhe getestet. Der Erfinder hat in der Division Mobility in Braunschweig gearbeitet und ist im Herbst 2014 in den Vorruhestand gegangen.

Dr. Kevin Zhou: Siemens-Forscher Kevin Zhou aus Princeton, USA, hat eine neue Software entwickelt, die den Brustkorb auf Computertomographie-Bildern selbstständig erkennen, in eine 2-D-Ansicht umwandeln und alle 24 Rippen automatisch kennzeichnen kann. Damit erleichtert sie dem Radiologen die Arbeit und reduziert die Befundungszeit um die Hälfte. Gleichzeitig können bei geringerem Fehlerrisiko Brüche und Metastasen besser und schneller erkannt werden. Die Software wurde 2013 auf den Markt gebracht und wird bereits in 116 Krankenhäusern und radiologischen Praxen in 23 Ländern eingesetzt.

Dr. Christoph Lehmann: Erhebliches Einsparpotenzial bei der Herstellung von Gas- und Dampfturbinen könnte die Erfindung von Dr. Christoph Lehmann (59) bedeuten. Der Drehwerksantrieb (Turn-Motor), der den Turbinen-Generator-Wellenstrang während der Abkühlungsphase antreibt, wird nach seinen Berechnungen überflüssig: Seine Aufgabe könnte einer der beiden Hilfsgeneratoren, die bei Betriebsdrehzahl den Generatorrotor mit Strom versorgen, übernehmen, indem er auf Motorbetrieb umgeschaltet wird. Der Erfinder arbeitet in der Siemens-Division Power and Gas in Mülheim an der Ruhr.

Joachim Lohmeyer: Ausfallsicherheit ist bei der Energieübertragung von größter Bedeutung. Joachim Lohmeyer (55) hat in der Division Process Industries and Drives in Nürnberg eine Lösung für die automatisierte Energieübertragung entwickelt, um auch bei Störungsfällen Daten ohne Zeitverzögerung an die richtigen Stellen zu leiten.

Dr. Hubert Schierling: Die "Digitale Fabrik", in der Produktionsprozesse immer präziser geplant und ausgeführt werden, braucht hoch moderne Antriebstechnik. Dr. Hubert Schierling (57), der in der Siemens-Division Digitale Fabrik in Erlangen arbeitet, hat die Regelung der Drehzahleinstellung von Elektromotoren so weiterentwickelt, dass ihre Nennleistung wesentlich besser ausgenutzt werden kann. So wird ein größerer Motor, der bisher häufig eingesetzt werden muss, überflüssig.

Dr. Christian Schröter: Was für die Fotografie die Erfindung des Farbfilms war, ist für die Computertomographie der "zählende Detektor". Bislang war die Technologie nicht marktreif. Die Detektoren zeigten Instabilitäten, die Bildstörungen verursachten. Christian Schröter (37) von Siemens Healthcare in Nürnberg und seinem Team ist es gelungen, dieses Problem weitgehend zu lösen. Seine Technologie ermöglicht bessere Bildqualität bei geringerer Strahlenbelastung für die Patienten und erschließt wesentlich verbesserte Diagnosemöglichkeiten für Mediziner.

Dr. Klaus Wendelberger: Wenn die Leittechnik eines Kraftwerkes ausgetauscht werden soll, steht zunächst ein mühseliger Prozess an: Zehntausende Unterlagen, die Aufschluss über sämtliche Funktionen der alten Anlage geben, müssen analysiert, übersetzt und ins neue System übertragen werden. Was bisher zeit- und kostenintensiv manuell erledigt wurde, geschieht nun dank Dr. Klaus Wendelberger (49) von der Division Power and Gas in Karlsruhe automatisch und wesentlich schneller.

Dr. Yue Zhuo: Smart Grids brauchen andere Schutzvorkehrungen als konventionelle Stromnetze. Für den Bereich der Niederspannungsnetze entwickelt Dr. Yue Zhuo (44) von Corporate Technology in Peking, China, neue Schutzkonzepte: Sie sorgen dafür, dass sich beispielsweise nach einem Kurzschluss nur die betroffenen Leitungsabschnitte abschalten. So werden automatische Kettenreaktionen, die zu einem flächendeckenden Stromausfall führen könnten, verhindert.

(ID:43109683)