Le Bourget Siemens und EADS fliegen gemeinsam elektrisch

Redakteur: Peter Koller

EADS und Siemens gehen eine langfristige Forschungspartnerschaft zur Einführung neuer Elektroantriebssysteme für Flugzeuge ein. Gemeinsam mit Partner Diamond Aircraft zeigen die Unternehmen auf der Paris Air Show in Le Bourget die zweite Generation eines Flugzeugs mit seriell-hybridem Elektroantrieb – und andere Projekte für elektrisches Fliegen.

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Die DA 36 E-Star 2 landet nach einem einstündigen Jungfernflug auf dem Diamond-Aircraft-Werksflugplatz Wiener Neustadt. Die Siemens-Division Drive Technologies lieferte ein integriertes Antriebssystem aus Motor, Umrichter, Getriebe und Steuerungselektronik und wendet dabei ihr Antriebsund Engineering-Know-how aus dem industriellen Bereich an.
Die DA 36 E-Star 2 landet nach einem einstündigen Jungfernflug auf dem Diamond-Aircraft-Werksflugplatz Wiener Neustadt. Die Siemens-Division Drive Technologies lieferte ein integriertes Antriebssystem aus Motor, Umrichter, Getriebe und Steuerungselektronik und wendet dabei ihr Antriebsund Engineering-Know-how aus dem industriellen Bereich an.
(Siemens)

Tom Enders, Chief Executive Officer (CEO) von EADS, Peter Löscher, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG, und Christian Dries, Inhaber von Diamond Aircraft, unterzeichneten in Le Bourget eine Absichtserklärung, die den Kurs für ihre künftige Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Elektroflugzeugen vorgibt.

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"Heute elektrifizieren wir die Luftfahrt und begeben uns auf die Reise zu den Antrieben der Zukunft. Elektroflugzeuge sind ein zentrales Element unserer Forschung für die Zukunft der Luftfahrt", sagte EADS-CEO Tom Enders.

"Wir stecken in einer Zwickmühle: immer mehr Menschen fliegen, die Passagierzahlen steigen. Gleichzeitig steigt der Kerosinpreis und wir müssen strengere Umweltauflagen erfüllen. Einen Ausweg bietet nur unser Erfindungsreichtum", sagte Peter Löscher, Vorstandschef von Siemens.

Nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) werden die Treibstoffkosten in diesem Jahr ein Drittel der Betriebsausgaben der Fluggesellschaften ausmachen. Nach Angaben des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) ist der Luftverkehr aktuell für zwei Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen verantwortlich, wobei sich dieser Anteil bis 2050 voraussichtlich auf drei Prozent erhöhen wird.

Ziel der Forschungspartnerschaft ist letztendlich die Einführung von hybriden Antriebssystemen sowohl für Hubschrauber also auch für Großflugzeuge, wobei die Musterzulassung für Luftfahrzeuge mit reinem Elektroantrieb und mit Hybridantrieb in der Kategorie Allgemeine Luftfahrt in den nächsten drei bis fünf Jahre erreicht werden soll.

Siemens hat für die zweite Generation der DA36 E-Star 2 einen integrierten Antriebsstrang entwickelt. Dieser besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Elektroantrieb und einem Generator, der von einem kleinen Wankelmotor angetrieben wird. Der Hybrid-Motorsegler absolvierte am 1. Juni 2013 auf dem Flugplatz Wiener Neustadt in Österreich erfolgreich einen einstündigen Erstflug.

"Der serielle Elektroantrieb erlaubt uns, Flugzeuge zu konstruieren, die völlig andere Eigenschaften haben als heutige Maschinen. Senkrechtstarts und hohe Reisegeschwindigkeiten können viel effizienter erreicht werden. Die DA36 E-Star 2 war der nächste Schritt zur Erprobung dieser Technologie, und angesichts der positiven Ergebnisse kann die Entwicklung weitergehen", sagte Christian Dries, Inhaber von Diamond Aircraft, in Le Bourget.

Die neue Antriebstechnologie ermöglicht eine drastische Reduzierung der Lärmemissionen beim Start; Treibstoffverbrauch und Gesamtemissionen werden um rund 25 Prozent unter denen der effizientesten heutigen Antriebstechnologien liegen. Diese erste von den drei Unternehmen unterzeichnete Absichtserklärung ist eine Bestätigung der seit 2011 laufenden Zusammenarbeit bei diesem Projekt.

Elektrisch angetriebenes Trainingsflugzeug für die allgemeine Luftfahrt: E-Fan von EADS und Aero Composites Saintonge (ACS)
Elektrisch angetriebenes Trainingsflugzeug für die allgemeine Luftfahrt: E-Fan von EADS und Aero Composites Saintonge (ACS)
(EADS)
Vollelektrisch ist ein anderes Flugzeug, das EADS in Le Bourget ausstellt. E-Fan nennt sich ein Schulungsflugzeug für die allgemeine Luftfahrt, das EADS in Zusammenarbeit mit Aero Composites Saintonge (ACS) entwickelt hat. Es ist laut EADS das erste Elektroflugzeuge mit ummantelten Propellern für eine möglichste geringe Geräuschentwicklung und erhöhrte Sicherheit.

„Die Einführung des Elektroflugzeugs E-Fan ist für die Luftfahrtforschung von EADS ein weiterer strategischer Schritt nach vorn. Wir erforschen Spitzentechnologien, die unseren zivilen und militärischen Produkten in Zukunft Vorteile verschaffen“, sagt Jean Botti, Chief Technical Officer (CTO) von EADS.

Nur acht Monate Entwicklungszeit

Der zweisitzige E-Fan hat eine sehr intensive Entwicklungsphase von gerade einmal acht Monaten durchlaufen. Das Flugzeug besitzt zwei Elektromotoren für den Antrieb der Mantelpropeller. Der Standschub der Triebwerke beträgt insgesamt ca. 1,5 kN, die Leistung dafür wird von den zwei in den Flügeln untergebrachten Lithium-Ionen-Akkupacks bereitgestellt. Das Flugzeug ist 6,7 Meter lang und hat eine Spannweite von 9,5 Metern und soll rund eine Stunde elektrisch betrieben fliegen können.

EineBesonderheit ist das Hauptfahrwerk. Es ermöglicht elektrisch angetriebenes Rollen am Boden ohne den Einsatz der Haupttriebwerke und übernimmt außerdem die Startbeschleunigung bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h.

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