Siemens ist Patent-Europameister und überholt Huawei

| Redakteur: Julia Schmidt

Siemens ist, laut Jahresbericht 2018 des Europäischen Patentamts, „Europameister“ bei den Patentanmeldungen 2018 und hat Huawei damit von der Spitze verdrängt.
Siemens ist, laut Jahresbericht 2018 des Europäischen Patentamts, „Europameister“ bei den Patentanmeldungen 2018 und hat Huawei damit von der Spitze verdrängt. (Bild: EPA)

Deutschland ist bei Patentanmeldungen aus Europa Spitzenreiter, was insbesondere Siemens zu verdanken ist. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht 2018 des Europäischen Patentamts (EPA).

Insgesamt stiegen, laut EPA- Jahresbericht 2018, die Patentanmeldungen 2018 um 4,6% auf einen neuen Höchstwert von insgesamt 174 317. Deutschland ist dabei maßgeblich für den stärksten Zuwachs aus den 38 EPO-Mitgliedstaaten seit 2010 (+3,8%) verantwortlich.

Dies ist vor allem auf den Aufwärtstrend im Fahrzeugsektor und in angrenzenden Bereichen wie Sensoren und andere Messgeräte zurückzuführen. Im Bereich Elektrofahrzeuge gab es gar 71% mehr Patentanmeldungen. Daneben verzeichneten auch die Anmeldungen in der Computertechnik (mit einem Schwerpunkt im Bereich Digitale Datenübertragung) und der Biotechnologie eine starke Zunahme aus Deutschland. Im Unternehmensranking der Top-Patentanmelder steht Siemens nach 2011 wieder an Platz 1, gefolgt von Huawei und Samsung.

Im Vergleich der europäischen Technologieregionen steht Bayern mit fast doppeltem Anmeldewachstum (+8,8%) gegenüber 2017 das dritte Jahr in Folge an erster Stelle und hält bei den patentaktivsten Bundesländern bereits seit 2015 die Führungsposition inne. Das anmeldestärkste Land war wie im Jahr 2017 die USA, gefolgt von Deutschland, Japan, Frankreich sowie China.

Europäer im eigenen Markt gut positioniert

„Die Zunahme der Patentanmeldungen ist eine sehr positive Botschaft für die europäische Wirtschaft. Die Zahlen belegen, dass sich Innovation in Europa auf ein konkurrenzfähiges und wirksames Patentsystem stützen kann. Das ist für Unternehmen entscheidend, um wirklich gewichtige Patentportfolios aufzubauen – was wiederum der europäischen Wirtschaft zugutekommt“, sagt António Campinos, Präsident des EPA. „Als Wachstumstreiber bei europäischen Patentanmeldungen hatte Deutschland 2018 maßgeblich Anteil am stärksten Anmeldezuwachs seit 2010. In der EU beschäftigen Branchen mit einer hohen Nutzung von Patenten, Marken und Designrechten etwa 60 Millionen Menschen. Sie erbringen rund 42% Wirtschaftsleistung und zeichnen für mehr als 90% der Exporte verantwortlich.“

Patentanmeldungen aus China legten zwar um 8,8% zu, dies war jedoch die niedrigste Rate seit fünf Jahren. Dafür ist hauptsächlich ein langsameres Wachstum in einigen der patentintensiven Technologiefelder des Landes verantwortlich, wie Computertechnik, Elektrische Maschinen, Geräte und Energie sowie Audiovisuelle Technologie. Die meisten europäischen Länder, die USA und Japan weisen ein breit abgestütztes Patentportfolio auf. China und Südkorea dagegen wachsen besonders stark in ihren Spezialgebieten der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT).

Hidden Champions: Digitale Datenübertragung und Elektrofahrzeuge

In den meisten der zehn anmeldestärksten Technologiefelder waren deutsche Firmen führend. Dabei entfielen die meisten Anmeldungen auf die Technologiefelder Transport (+15%), Elektrische Maschinen, Geräte und Energie (+4,8%) sowie Messtechnik (+15,1%). Transport umfasst Straßen-, Schienen-, Luft- und Wasserverkehr und zeigte erstmals seit 2014 wieder ein deutliches Plus. Die Zuwächse in diesem Segment lagen hauptsächlich in den Bereichen Bremssteuerung, Reifen und Elektrofahrzeuge, die gar einen Sprung von 71% machten. In der Computertechnik (+18,6%) erfolgten zwei Drittel der deutschen Anmeldungen im Bereich Digitale Datenübertragung.

Unter den Top 10 der Unternehmen im Technologiefeld Transport sind Continental (3.), Siemens (5.) und Robert Bosch (8.) vertreten. Sechs weitere deutsche Firmen befinden sich unter den Top 25. Insgesamt kommen 59% der europäischen Patentanmeldungen im Technologiefeld Transport aus europäischen Ländern. Das spiegeln auch die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten EPA-Studie über die Patentlandschaft bei selbstfahrenden Fahrzeugen wider. Die Studie ergab, dass Europa neben den USA hier führend ist. Weiterhin zeigte die Untersuchung, dass die Patentanmeldestrategien klassischer Automobil- und Transportunternehmen zunehmend denen von IKT-Unternehmen ähneln und viele der Top-25-Patentanmelder in diesem Bereich tatsächlich IKT- oder gar reine Telekommunikationsunternehmen sind.

Siemens führt bei den Patentanmeldern

Nach 2011 steht Siemens wieder an der Spitze des Anmelder-Rankings beim EPA. Mit 2 493 Patentanmeldungen platzierte sich das Münchner Unternehmen knapp vor dem „Vorjahressieger“ Huawei (2.). Es folgten Samsung auf Position 3 vor LG und United Technologies. Im innerdeutschen Ranking lag Robert Bosch auf Rang 2 vor BASF; auf den Plätzen 4 und 5 positionierten sich Continental und Bayer. Siemens ist in vier der wichtigsten Technologiefeldern beim EPA unter den ersten zehn Patentanmeldern vertreten.

Warum das Einheitspatent dem deutschen Mittelstand nichts nutzt

Warum das Einheitspatent dem deutschen Mittelstand nichts nutzt

17.07.18 - Mit dem europäischen Einheitspatent will die EU das europäische Patentwesen vereinfachen. Doch gerade der Mittelstand hätte mehr Nachteile, sagt Heiner Flocke vom Patentverein e.V. lesen

Chinesischer Huawei-Konzern reicht europaweit die meisten Patente ein

Chinesischer Huawei-Konzern reicht europaweit die meisten Patente ein

09.03.18 - Der chinesische Mobilfunkriese Huawei hat 2017 im Vergleich mit anderen Unternehmen die meisten Patente am Europäischen Patentamt eingereicht. Damit steckt das Unternehmen schon einmal den Claim für den Mobilfunk der nächsten Generation ab. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45800431 / Recht)