Zurück in die Gewinnzone Siemens Energy will 7800 Stellen abbauen

Autor / Redakteur: Mit Material von dpa / Sebastian Gerstl

Siemens Energy ist zurück in den schwarzen Zahlen. Die Notwendigkeit zu einem tiefgreifenden Umbau sieht das Unternehmen dennoch und will 7800 Jobs im Geschäft mit fossiler Energie abbauen – 3000 davon in Deutschland. Derweil verklagt Rivale General Electric das Unternehmen wegen unfairer Geschäftspraktiken.

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Siemens Energy konnte eine Rückkehr in die Schwarzen Zahlen vermelden. Dennoch mache der strukturelle Wandel einen geplanten Abbau von 7800 Stellen im Bereich der fossilen Brennstoffe nötig, kündigte das Unternehmen an.
Siemens Energy konnte eine Rückkehr in die Schwarzen Zahlen vermelden. Dennoch mache der strukturelle Wandel einen geplanten Abbau von 7800 Stellen im Bereich der fossilen Brennstoffe nötig, kündigte das Unternehmen an.
(Bild: Frank Rumpenhorst/dpa)

Siemens Energy will weltweit 7800 Stellen abbauen – 3000 davon in Deutschland. Bis 2025 könnte damit jeder zwölfte Job in dem vergangenes Jahr von Siemens an die Börse gebrachten Unternehmen wegfallen. Betroffen ist die Sparte Gas and Power, wie Siemens Energy am Dienstag bei der Vorlage der Ergebnisse für das erste Geschäftsquartal erklärte.

Die Zahlen fielen dabei gut aus: Von Oktober bis Dezember verdiente das Unternehmen unter dem Strich 99 Millionen Euro und kehrte damit in die Gewinnzone zurück. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Energy noch einen Milliardenverlust gemacht.

Struktureller Wandel bringt Stellenabbau mit sich

„Der Energiemarkt verändert sich rasant. Das bietet uns Chancen, stellt uns aber gleichzeitig vor große Herausforderungen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Bruch. Mit dem Sparprogramm will er die Wettbewerbsfähigkeit steigern. „Wir sind uns bewusst, dass unsere Pläne Teilen der Belegschaft viel abverlangen. Daher ist es unser Ziel, diese Maßnahmen so sozialverträglich wie möglich durchzuführen.“

Zudem sollen keine ganzen Standorte geschlossen werden. Sitz des Unternehmens ist München, das Hauptquartier soll in Berlin angesiedelt werden.

Einigung mit Arbeitnehmerverbänden– Umbau „notwendig“

Erst vor wenigen Tagen hatte Siemens Energy mit den Arbeitnehmervertretern eine Vereinbarung zum Umbau des Unternehmens geschlossen, die unter anderem vorsieht, möglichst ohne Kündigungen auszukommen. Zahlen hatte das Unternehmen damals aber noch nicht genannt.

IG Metall-Hauptkassierer Jürgen Kerner sagte, er erwarte, „dass wir die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen im Sinne der Beschäftigten und einer nachhaltigen Zukunftsperspektive ohne Kündigungen gestalten“. Die Zukunftsvereinbarung sei „eine solide Grundlage für die Transformation von Siemens Energy in Deutschland“.

Dass die Geschäfte im ersten Quartal gut liefen, ändere nichts an der Notwendigkeit des Umbaus, hieß es von Siemens Energy. Das Ergebnis wurde zum einen von operativen Verbesserungen bei Gas and Power und der Windkrafttochter Siemens Gamesa getragen.

Zum anderen halfen Sondereffekte: So sparte das Unternehmen durch Homeoffice und wegfallende Dienstreisen in der Corona-Pandemie.

General Electric verklagt Siemens Energy

Derweil hat US-Industriekonzern General Electric hat den deutschen Rivalen Siemens Energy wegen unfairer Wettbewerbspraktiken verklagt. Die Amerikaner werfen dem Kontrahenten in dem Rechtsstreit vor, mit verbotenen Methoden mehrere lukrative Gasturbinen-Aufträge ergattert zu haben, um die sich beide Unternehmen bewarben.

Nach der am Donnerstag bei einem Bundesbezirksgericht in Virginia eingereichten Klageschrift soll ein Siemens-Mitarbeiter vertrauliche Informationen von General Electric erlangt haben, die Siemens angeblich für seine Angebote nutzte. Dadurch habe der Rivale Aufträge im Volumen von „Milliarden an Dollar“ an Land ziehen können.

Ein Sprecher von Siemens Energy sagte am Freitag, noch sei die Klage nicht zugestellt worden. Sobald die Klageschrift vorliege, werde der Konzern sie „mit der gebotenen Sorgfalt“ prüfen. Dabei bestätigte der Sprecher einen Fall aus dem Jahr 2019, bei dem wettbewerbsrelevante Daten zwischen Siemens Energy und einem potenziellen Kunden ausgetauscht worden seien. Siemens Energy habe den Fall damals durch die eigene Compliance-Abteilung und mithilfe einer externen Kanzlei aufgedeckt und seine Erkenntnisse sowohl gegenüber dem Kunden als auch den Wettbewerbern offengelegt, hieß es weiter.

Als Reaktion habe Siemens Energy unter anderem Disziplinarmaßnahmen gegenüber betroffenen Mitarbeitern vorgenommen, bis hin zur Trennung vom Unternehmen. Die vertraulichen Informationen seien zudem aus allen internen Systemen gelöscht worden, einschließlich Datenbanken und Preismodellen. Integrität sei „die Grundlage unserer Geschäftsprinzipien“ und dürfe „unter keinen Umständen“ in Frage gestellt werden, erklärte Siemens Energy.

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