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Siemens baut Deutschlands größte „Schiffsteckdose“

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Der Seehafen Kiel hat Siemens mit dem Bau der bisher größten Landstromanlage Deutschlands beauftragt.

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Auch während ihrer Liegezeit im Hafen verbrennen Schiffe Treibstoff, um Bord- oder Klimaanlagen zu betreiben.
Auch während ihrer Liegezeit im Hafen verbrennen Schiffe Treibstoff, um Bord- oder Klimaanlagen zu betreiben.
(Bild: Siemens)

Mit einer Leistung von 16 Megavoltampere wird die Siharbor-Lösung erstmalig zwei Schiffe parallel mit zertifiziertem Ökostrom versorgen. Dies ermöglicht eine Einsparung von jährlich über 8000 t CO2. Die Anlage soll in der Kreuzfahrtsaison 2020 den Testbetrieb aufnehmen. Die Seeschifffahrt spielt in Kiel eine besondere Rolle. Der Hafen ist Ausgangspunkt für Kreuzfahrten und verfügt über Fährverbindungen ins Baltikum sowie nach Skandinavien. Im Jahr 2018 liefen 32 verschiedene Kreuzfahrtschiffe den Kieler Hafen 174-mal an.

„Mit dem Bau dieser neuen Landstromanlage unterstützen wir aktiv die Klimaziele der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt,“ so Port of Kiel-Geschäftsführer Dr. Dirk Claus. „Mit der Landstromanlage können wir Strom aus erneuerbaren Energiequellen sowohl zu den Kreuzfahrtschiffen am Ostseekai sowie dem Fährverkehr am Schwedenkai liefern. Wir nehmen damit eine Vorreiterrolle ein und setzen unser Blue Port-Konzept für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung des Kieler Hafens konsequent um. Künftig werden 60 Prozent des Energiebedarfs der Kiel anlaufenden Schiffe klimafreundlich mit Landstrom gedeckt. Denn die Dieselgeneratoren werden dann während der Liegezeit abgeschaltet.“

Die Siemens-Anlage besteht aus vier Geafol Gießharztransformatoren, vier luftisolierten Mittelspannungs-Schaltanlagen vom Typ Nxair sowie einem 16 MVA Frequenzumrichter. Die Gießharztransformatoren mit Bemessungsleistungen von sechs und 16 MVA sind besonders für herausfordernde Umgebungsbedingungen wie der salzhaltigen Atmosphäre am Hafen geeignet. Die Schaltanlage kommt ebenfalls auf Grund ihrer Robustheit und kompakten Bauweise zum Einsatz.

Für eine unterbrechungsfreie und effiziente Stromversorgung der anlegenden Schiffe sorgt das Siemens Umrichtersystem „Siplink“, bestehend aus einem Frequenzumrichter sowie einer Software zur zentralen Steuerung der beiden Liegeplätze. Damit können zwei Mittelspannungs-Netze unterschiedlicher Frequenz miteinander verbunden werden – nämlich das örtliche Verteilnetz mit 50 Hz sowie das Bordnetz mit 60 Hz. Das System synchronisiert beide Netze und übernimmt die Stromversorgung automatisch innerhalb weniger Minuten. Zudem wird die Energieversorgung der beiden voneinander getrennten Schiffsnetze koordiniert, so dass eine parallele Versorgung stattfinden kann.

„Mit dieser Installation können erstmalig durch eine Landstromanlage zwei Schiffe parallel mit der notwendigen 60 Hz-Bordfrequenz versorgt werden“, erklärte Axel Mohr, Vertriebsleiter für Distribution Systems, Region Nord bei Siemens Smart Infrastructure. „Wir freuen uns, den Seehafen Kiel mit dieser nachhaltigen Lösung unterstützen zu können. Zusammen nehmen wir damit eine bedeutende Vorreiterrolle in Europa ein. Denn solche Systeme werden im Rahmen der Umsetzung der Klimaschutzziele auch über Deutschland hinaus künftig weiter an Bedeutung gewinnen.“

Die Stadt Kiel gibt mit dem „Masterplan 100 % Klimaschutz“ einen ambitionierten Leitfaden für ein CO2-neutrales Kiel im Jahr 2050 vor. Durch die möglichen CO2-Einsparungen soll die neue Landstromversorgung am Seehafen Kiel einen Beitrag zum Erreichen dieses Ziels leisten. Bereits im Frühjahr 2019 wurde die ebenfalls von Siemens errichtete Landstromversorgung am Norwegenkai in Betrieb genommen. Bislang konnten dadurch rund 1000 t CO2 eingespart werden.

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