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Gastkommentar von Margrit Harting Sieben Schritte in eine spannende Zukunft

Autor / Redakteur: Margrit Harting * / Kristin Rinortner

Entwicklungen und Herausforderungen der Informationsgesellschaft betreffen nicht nur Technik und Technologie. Auch der arbeitende Mensch muss sein Fachwissen mit emotionaler Intelligenz verbinden.

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Margrit Harting: Führt gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar und den Kindern Philip und Maresa das Familienunternehmen Harting in zweiter und dritter Generation.
Margrit Harting: Führt gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar und den Kindern Philip und Maresa das Familienunternehmen Harting in zweiter und dritter Generation.
(Bild: Harting)

Der technologische Wandel und der internationale Wettbewerb stellen hohe Herausforderungen an die heutigen Berufstätigen. Umso mehr kommt es darauf an, private und berufliche Veränderungen anzunehmen und sie positiv zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen. Wir sind Objekt und Subjekt der Informationsgesellschaft, und wir sollten uns stets fragen, ob und wie wir dieser doppelten Rolle gerecht werden.

Denn ohne die richtige Software bleibt die beste Hardware nutzlos. Berufstätige müssen ihren theoretischen Wissensfundus heute grundieren mit einer Kultur des Mit- und Füreinanders, der Empathie und Mit-Verantwortung. Das ist die Software, mit der wir unsere Hardware – unser erlerntes Wissen – in Bewegung setzen und steuern können. Ingenieure sollten also ihr Expertentum durch Überzeugungskraft, Kreativität und Inspiration ergänzen. Dies alles zusammen ergibt ein Kapital, das Rendite bringen kann!

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Aus meinem unternehmerischen Alltag von inzwischen fast 28 Jahren sind mir Einsichten und Erkenntnisse bewusst geworden, die ich in sieben Schritten zusammengefasst habe. Sieben Schritte, die Sie vielleicht ebenfalls leiten und voranbringen können. So wie sie prägend und bestimmend waren für unser Unternehmen, seine Gründer, die Philosophie unseres Hauses, seine Entwicklung.

Mein Schwiegervater – er hatte als Ingenieur während des Krieges in Berlin einen großen Betrieb geleitet und mit der Flucht in den Westen seine berufliche Existenz verloren – machte sich, mit Hilfe seiner Frau, nur wenige Monate nach der Rückkehr in seine Heimat, 1945, in unsicherer Zeit, mit einem kleinen Betrieb selbstständig – einem Start-up-Unternehmen in heutiger Diktion.

Die Anfänge 1945

Produziert wurden zu Anfang jene Waren und Produkte, die damals solide Absatzchancen und damit eine unternehmerische Perspektive versprachen. Wilhelm und Marie Harting besaßen nämlich eine optimistische Haltung, die ihre Bedeutung, ihren Wert nie verloren hat. Sie lautet: Sei MUTIG – sei KREATIV! Das ist mein erster Schritt.

Wilhelm Harting war innovativ, hatte Ideen, war ein mutiger, entschlossener Macher. Tugenden und Haltungen, die heute unverzichtbarer sind denn je. Einmal Erreichtes konservieren, Erfolge schützen, abwarten, wie es weitergehen könnte? Das war seine Sache nicht. Wissen und Können sind wichtig! Aber sie müssen ergänzt werden durch Mut, Tatendrang und Inspiration, den Willen zum Handeln und aktives Gestalten.

Die Zeit von Marie Harting

Als Wilhelm Harting starb, 17 Jahre nach Gründung seiner Firma, hatte sein Unternehmen bereits 900 Mitarbeitende und einen Umsatz von knapp 19 Millionen Mark. Danach stand seine Frau alleine da. Führung war gefragt. Interessenten gab es genug in den Reihen der leitenden Mitarbeiter. Erwartungen wurden geäußert und Wetten abgeschlossen, wer an die Spitze berufen würde. Dass es ein Fachmann sein müsse, stand für die allermeisten außer Frage.

Marie Harting galt schließlich bloß als die Ehefrau des Chefs, eine gelernte Einzelhandelskauffrau, die zwar an der Seite ihres Mannes mitgearbeitet, aber keine besondere spezifische Qualifikation aufzuweisen hatte, geschweige denn eine akademische Ausbildung.

Bild 6: Die Firmengründer Wilhelm (1908 - 1962) und Marie (1912 - 1989) Harting
Bild 6: Die Firmengründer Wilhelm (1908 - 1962) und Marie (1912 - 1989) Harting
(Bild: Harting)

Doch sie übernahm wie selbstverständlich Leitung und Verantwortung und steuerte das Unternehmen, erst alleine, dann mit ihren beiden Söhnen, rund zweieinhalb Jahrzehnte. Erfolgreich, bestimmt, klug und souverän.

Deshalb lautet mein 2. Schritt: TRAUE DICH – VERTRAUE ANDEREN!

So hat sie es gemacht. Sie hat keinen Moment gezögert, das Erbe anzutreten. Ihre wichtigsten Manager, jene, denen sie vertraute, wurden stets zu Rate gezogen, ihre Meinungen, ihre Empfehlungen erfragt, zur Kenntnis genommen. Und dann entschied sie. Klar und eindeutig und durchaus mitunter gegen deren Expertise.

Praktizierte Führung

Das war praktizierte Führung. Und deren Grundsätze beanspruchen uneingeschränkt Geltung – bis heute. Dieses Selbstvertrauen, die Überzeugung, es zu können, muss jede Führungspersönlichkeit entwickeln und vorweisen. Aber jeder muss sich auch des Risikos bewusst sein, der Gefahr zu scheitern, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

Dabei sind Einzelkämpfer nicht gefragt! Führungskräfte arbeiten mit Menschen unterschiedlicher Biographien und kultureller Prägungen zusammen. Sie benötigen deren Vertrauen und diese Mitarbeitenden erwarten Vertrauen, Respekt, Achtung von Ihnen. Achtung ihrer Person, Anerkennung ihrer Leistung, Respekt vor ihrem Alter.

Ohne die Mitwirkung, die Impulse, die Leidenschaft der Kollegen und Kolleginnen wird einem selbst wenig gelingen. Deswegen motivieren Sie, ermuntern Sie, trauen und vertrauen Sie dem Anderen, schaffen Sie eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens.

Ergänzendes zum Thema
Die sieben Schritte von Margrit Harting
  • Sei MUTIG – sei KREATIV !
  • TRAUE DICH – VERTRAUE ANDEREN !
  • Liebe die VERÄNDERUNG !
  • Sei ACHTSAM mit DEINEN RESSOURCEN !
  • FORDERE DICH – FÖRDERE ANDERE !
  • Übernimm VERANTWORTUNG für DICH und ANDERE !
  • Was DU auch MACHST, MACH’ es mit FREUDE!

Marie Harting hat sich nach dem Tod ihres Mannes nicht nur die Übernahme der Unternehmensleitung getraut, zugetraut, sie hat auch das Produktsortiment in den Jahren ihrer Verantwortung weiterentwickelt, modifiziert, modernisiert.

Altes wurde abgeräumt, Neues aufgenommen und die Firma so technologisch auf die Anforderungen des Weltmarktes ausgerichtet. Ihre Führungspraxis und strategische Maxime ist mein 3. Schritt: Liebe die VERÄNDERUNG!

Eine Herausforderung der sich ständig verändernden Welt ist die Ungewissheit des Erfolgs. Bindungen sind meist nur von begrenzter Dauer. Verabschieden Sie sich von der Hoffnung oder dem Glauben an einen lebenslangen Job im erlernten Beruf oder mit den trainierten Fertigkeiten.

Dann gelingt es schneller, sich auf Umbrüche, welcher Art auch immer, nicht nur einzustellen, sondern sie offen und aktiv anzunehmen und mit Freude unbekanntes Terrain zu erkunden.

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