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Angemerkt Sie relaxen, während Kollege Roboter für Sie Geld verdient

| Autor: Margit Kuther

Ein ganz normaler Werktag - die Vögel zwitschern in der Morgensonne und der Duft frischen Kaffees umhüllt den Frühstückstisch auf der Terrasse.

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Margith Kuther, Redakteurin ELEKTRONIKPRAXIS: "Roboter-Steuern und bedingungsloses Grundeinkommen eignen sich für Diskussionen, sind aber noch nicht ausgereift."
Margith Kuther, Redakteurin ELEKTRONIKPRAXIS: "Roboter-Steuern und bedingungsloses Grundeinkommen eignen sich für Diskussionen, sind aber noch nicht ausgereift."
(Bild: VBM)

Etwas stöhnend erheben Sie sich aus Ihrem Sessel, doch nicht um in die Arbeit zu gehen, sondern um den Sonnenschirm zurecht zu rücken. Denn Kollege Roboter werkelt für Sie nun 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und zahlt zudem Ihr Gehalt in Form von Roboter-Steuern. Ein schöner Traum?

Microsoft-Gründer Bill Gates befeuerte die Diskussion um Roboter-Steuern. Aber auch andere, wie z. B. der Philosoph Richard David Precht, sehen in der fortschreitenden Digitalisierung eine Bedrohung von Millionen von Arbeitsplätzen mit Auswirkungen auf Lohnsteuer und Sozialabgaben, weil ein Roboter sich nicht um die Solidargemeinschaft kümmern muss.

Doch Gates und seine Mitstreiter ernten auch Widerspruch: So sehen etwa der Weltroboterverband IFR aber auch das Europäische Parlament eine Besteuerung von Robotern eher als Innovationsblockierer. Ebenfalls in der Diskussion ist ein bedingungsloses Grundeinkommen von rd. 1000 €, um Menschen zukünftig abzusichern.

Dieses Modell favorisieren etwa Siemens-Chef Joe Kaeser, Telekom-Chef Timotheus Höttges, Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm und Ökonom Thomas Straubhaar. Kritiker fürchten hier ein neoliberales Modell, das Arbeitseinkommen und Konsum besteuert, staatliche Sozialleistungen streicht und Unternehmen von der Sozialfinanzierung befreit.

Ich jedenfalls bin froh, meinen Kaffee werktags im Büro trinken zu können, denn mir scheinen beide Modelle unausgegoren: Eine Roboter-Steuer finde ich kontraproduktiv. Sinn macht jedoch eine Besteuerung der Roboter-Nutznießer - vorausgesetzt, sie wird aufgrund globaler Abkommen weltweit erhoben.

Und beim bedingungslosen Grundeinkommen fürchte ich als Verfechter der sozialen Marktwirtschaft, dass es sozialer Kälte Tür und Tor öffnet - und mit rd. 1000 € komme ich in München eh nicht weit.

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