„Sicherheitsbedenken“: USA verhängen Sanktionen gegen chinesischen DRAM-Hersteller

| Redakteur: Michael Eckstein

Vorwurf IP-Diebstahl: USA verhängen Handelssanktionen gegen chinesischen DRAM-Fertiger Fujian Jinhua Integrated Circuit Company (JHICC).
Vorwurf IP-Diebstahl: USA verhängen Handelssanktionen gegen chinesischen DRAM-Fertiger Fujian Jinhua Integrated Circuit Company (JHICC). (Bild: Clipdealer)

Das US-Handelsministerium heizt den Streit mit China durch Sanktionen gegen den DRAM-Hersteller Fujian Jinhua weiter an. Der steht kurz davor, sein neues, mit Hilfe des chinesischen Staats gebautes Werk in Betrieb zu nehmen – in dem möglicherweise gestohlenes Know-how von US-Hersteller Micron zum Einsatz kommt.

„Mit Wirkung zum 30. Oktober 2018 hat das Handelsministerium Maßnahmen ergriffen, um die Exporte an Fujian Jinhua Integrated Circuit Company, Ltd. zu beschränken.“ Mit diesen Worten beginnt eine offizielle Mitteilung der US-Behörde über Sanktionen gegen den staatlich kontrollierten Chiphersteller Jinhua – die nicht dazu beitragen dürften, die Spannungen zwischen den USA und China zu lockern.

Hilfe vom Staat – und UMC-Mitarbeitern?

Stein des Anstoßes ist ein riesiges Werk für die Fertigung von DRAM-Chips auf 300-mm-Wafern, das Fujian Jinhua Integrated Circuit Company (JHICC) mit einer milliardenschweren Förderung des chinesischen Staats baut. Das nötige technische Wissen dafür – unter anderem geistiges Eigentum und Patente von US-Speicherhersteller Micron – sollen Mitarbeiter des taiwanesischen Chipsfertigers UMC (United Microelectronics Corporation) durchgestochen haben. Gegen diese laufen ebenso wie gegen JHICC und UMC Zivilklagen. Im Gegenzug hatte China Micron-Tochterunternehmen im Reich der Mitte vorläufig untersagt, bestimmte DRAM- und NAND-Module sowie SSDs zu verkaufen.

Laut US-Ministerium steht Jinhua „kurz vor der Fertigstellung dieser umfangreichen Produktionskapazität für integrierte DRAM-Schaltungen“. Auf lange Sicht sei dadurch das wirtschaftliche Überleben der US-Hersteller gefährdet, die „diese für US-amerikanische Militärsysteme essenziellen Komponenten liefern“. In den Augen des US-Ministeriums besteht ein erhebliches Risiko, dass Jinhua an Aktivitäten beteiligt werden könnte, die den nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten widersprechen. „Wenn ein ausländisches Unternehmen Aktivitäten ausführt, die unseren nationalen Sicherheitsinteressen zuwiderlaufen, werden wir energische Maßnahmen zum Schutz unserer nationalen Sicherheit ergreifen“, erklärt Handelsminister Ross.

China will unabhängiger von ausländischen Lieferanten werden

Sicher spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung. Seit Jahren investiert China massiv in den Aufbau eigener Speicherwerke, die ab 2019 NAND- und DRAM-Chips in hohen Stückzahlen produzieren sollen. Damit sollen heimische Hersteller wie Huawei, Xiaomi , ZTE oder auch BBK Electronics unabhängiger von ausländischen Herstellern werden. Bislang decken praktisch alle ihren enormen Bedarf an Speicherchips im Ausland. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn die chinesischen Produzenten keine ausländischen Chips mehr benötigen, bricht für Hersteller wie Micron ein wichtiger Markt weg.

Die Aufnahme von Jinhua in die sogenannte „Entity List“ soll dessen Fähigkeit einschränken, die Lieferkette für wichtige Komponenten für US-amerikanische Militärsysteme zu gefährden. Firmen, die auf dieser Liste stehen, dürfen „aus Gründen der nationalen Sicherheit“ nicht ohne weiteres mit US-Firmen Geschäfte machen. So ist eine Lizenz für alle Exporte, Wiederausfuhren und Transfers von Waren, Software und Technologien, die der Export Administration Regulations (EAR) unterliegen, erforderlich. Solche Lizenzanträge würden „mit der Annahme der Ablehnung geprüft“.

Erinnerungen an Sanktionen gegen ZTE

Der Vorgang erinnert an den US-Bann gegen den chinesischen Netzwerkausrüster und Smartphone-Hersteller ZTE. Dessen Geschäfte brachen nach Inkrafttreten der Sanktionen so dramatisch ein, dass das Unternehmen Mitte 2018 zeitweise den Betrieb einstellen musste. Erst nach Verhandlungen auf höchster Administrationsebene und einer Strafzahlung in Milliardenhöhe hob das US-Handelsministerium die Sanktionen wieder auf.

Die nun angekündigten Maßnahmen gegen Jinhua werden das angespannte Verhältnis zwischen den USA und China voraussichtlich weiter verschlechtern. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg plant die US-Administration zudem, ab Dezember sämtliche chinesischen Produktimporte mit Strafzöllen zu belegen. Einzig ein Treffen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping beim G20-Gipfel in Buenos Aires könne dies noch verhindern. Offiziell bestätigt sind diese Angaben bislang nicht, Bloomberg beruft sich auf „drei mit der Angelegenheit vertraute Personen“.

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China ist ein Thema für sich. Ich habe mehrere Monate dort gearbeitet - mit ziemlicher Sicherheit...  lesen
posted am 03.11.2018 um 21:05 von Unregistriert

Dann sind eben die Gelben vorne. Und das finden Sie gut?  lesen
posted am 02.11.2018 um 04:48 von Unregistriert

letztlich werden Sanktionen verpuffen. Vielleicht tut das den amerikanischen Unternehmen mal ganz...  lesen
posted am 31.10.2018 um 18:11 von Unregistriert


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