Shell steigt ins Geschäft mit Elektromobilität ein

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Shell übernimmt die niederländische Firma NewMotion, einen der derzeit größten Anbieter von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge.
Shell übernimmt die niederländische Firma NewMotion, einen der derzeit größten Anbieter von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. (Bild: dpa - Bildfunk)

Bislang hielten sich die großen Ölkonzerne beim Aufbau der Infrastruktur für E-Fahrzeuge zurück. Shell unternimmt nun einen ersten größeren Aufschlag, um Autos auch mit Strom zu versorgen.

Shell will künftig nicht nur Benzin und Diesel verkaufen, sondern auch Strom für Elektroautos. Man habe mit der niederländischen Firma NewMotion einen der großen Anbieter von Ladestationen in Europa übernommen, teilte der Ölkonzern am Donnerstag in London und Den Haag mit. Der Kaufpreis sei vertraulich.

Das Unternehmen NewMotion mit Sitz in Amsterdam bietet mehr als 30.000 Ladestationen für Zuhause oder in Unternehmen an - außerdem Zugang zu über 50.000 öffentlichen Ladesäulen in 25 Ländern, davon 10.000 in Deutschland. Rund 100.000 Kunden besitzen eine Kundenkarte von NewMotion, mit der sie die Dienstleistungen des Unternehmens nutzen können, davon 39 Prozent in Deutschland. Bislang können auch schon die Firmenkunden von Shell und Total auf die Ladeinfrastruktur von NewMotion im Rahmen einer Kooperation zugreifen.

Der Kauf unterstreiche die Strategie, Kunden Lösungen für ihre Fahrzeuge und deren Nutzung zu bieten, sagte der Chef von Shell Deutschland, Stijn van Els: "Wir wollen unseren Kunden ein passendes Angebot machen." NewMotion werde als 100-prozentige Shell-Tochter ihr Geschäft eigenständig betreiben, jedoch sollen Synergien mit Shell aus der Kombination von Services und Produkten genutzt werden.

Zum Jahresbeginn gab es in Deutschland lediglich 34.000 E-Autos sowie weitere 165.000 Hybrid-Fahrzeuge. Der hohe Kaufpreis, die begrenzte Reichweite sowie die unzureichende Ladeinfrastruktur gelten als die wesentlichen Hürden für die massenhafte Verbreitung des Elektroautos.

Gleichzeitig sind viele Experten überzeugt, dass sich die Technologie letztlich durchsetzen wird. Angesichts von heute 45 Millionen Pkw mit Benzin- und Dieselmotoren wird es jedoch noch sehr lange dauern, bis die deutsche Autoflotte eines Tages elektrisch fährt.

Öl- und Gaskonzerne wie Shell, ExxonMobil, Total und Aral/BP haben bislang nur zögerlich in den Aufbau der Infrastruktur für Elektroautos investiert, weil es sich für sie wirtschaftlich nicht lohnte. Die fünf größten Tankstellen-Konzerne in Deutschland betreiben an ihren 7200 Stationen nach einer Recherche der Welt gerade einmal 60 Ladesäulen. Bei den insgesamt 14.500 Tankstellen in Deutschland dürften es kaum mehr sein.

Das liegt auch daran, dass die Logistik eine ganz andere ist. Benzin-Tankstellen sind auf einen hohen Durchsatz und viele Kunden ausgelegt. E-Autos werden dagegen über Nacht zu Hause, tagsüber auf dem Firmenparkplatz oder zum Beispiel in Hotels, Supermärkten und Parkhäusern aufgeladen. Selbst der kürzeste Ladevorgang an einer Schnellladesäule dauert derzeit noch eine halbe Stunde.

Da Strom - im Gegensatz zu Benzin und Diesel - im Prinzip an jedem Ort verfügbar ist, wird sich die Infrastruktur für Elektroautos voraussichtlich unabhängig vom bestehenden Tankstellennetz entwickeln. Bislang engagieren sich auf diesem Gebiet vor allem Energiekonzerne wie Innogy und EnBW sowie die Autohersteller selbst, die ein Gemeinschaftsunternehmen zum Aufbau eines öffentlichen Ladesäulen-Netzes entlang der Hauptverkehrsachsen gegründet haben.

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