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September 1980: Der „Volkscomputer“ VC 20 wird 40 Jahre

| Autor: Sebastian Gerstl

Ein aus der Not geborener „Brotkasten“ wurde zum weltweiten Verkaufshit: Mit dem 1980 erschienenen VC 20 setzte Commodore eine weltweite Rekordmarke. Speziell für den deutschen Markt musste der als „Volkscomputer“ beworbene Rechner extra umbenannt werden, um peinliche Assoziationen zu vermeiden.

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Der in Deutschland als VC20 populäre „Volkscomputer“ von Commodore (hier zu sehen in der amerikanischen Ausführung VIC 20) erschien im September 1980 noch unter der Bezeichnung VIC 1001 in Japan erstmals auf dem Weltmarkt. Er sollte der erste Computer werden, der sich weltweit über 1 Millionen mal verkaufte.
Der in Deutschland als VC20 populäre „Volkscomputer“ von Commodore (hier zu sehen in der amerikanischen Ausführung VIC 20) erschien im September 1980 noch unter der Bezeichnung VIC 1001 in Japan erstmals auf dem Weltmarkt. Er sollte der erste Computer werden, der sich weltweit über 1 Millionen mal verkaufte.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Als die Heimcomputer-Revolution anbrach, war Taschenrechnerhersteller Commodore ganz vorne mit dabei: 1977 war das Unternehmen unter den drei ersten, die ein komplettes, für Privatpersonen erschwingliches Heimcomputersystem. Anbieten konnten. Der PET 2001, in Europa unter dem Namen CBM 2001 bekannt, besaß zwar nur eine monochrome Bildschirmausgabe, und Grafik war ausschließlich in Form von Zeichen aus einem für den hauseigenen Bedarf angepassten ASCII-Zeichensatz – dem sogenannten PETSCII – möglich.

Dennoch wurde der Rechner ein Erfolg: Vor allem in Schulen, aber auch in zahlreichen Büros hielt ein Computer von Commodore Einzug. Während der US-Markt weitgehend von Apple mit dem Apple II und dem von der Elektronikkette Radio Shack vertriebenen TRS-80 dominiert wurde, war Commodore mit seinen Maschinen vor allem in Europa und in Japan erfolgreich. Dort etablierte er sich in der Regeln in Schulen oder kleinen bis mittelständischen Unternehmen - für Privatpersonen war der für mehrere tausend DM veranschlagte CBM hingegen meist zu teuer, wenn diese nicht gerade ein heimisches Büro damit betrieben.

40 Jahre VC 20
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Ein Pionier gerät ins Hintertreffen

Doch die Technologie entwickelte sich rasant weiter. 1979 hatten unter anderem Atari mit der Rechnerfamilie Atari 400/800 und Texas Instruments mit dem, in Ansätzen bereits 16-Bit-fähigen, TI-99/4 zwei Computersysteme auf dem Markt präsentiert, welche die bisherigen Heimcomputerpioniere in den Schatten stellten. Während ein Commodore PET etwa ausschließlich über eine monochrome Grafikdarstellung mit 40x25 Pixeln im Regelfall und 80x25 Pixeln im reinen Textmodus verfügte, konnte der TI-99/4 bereits mit deutlich mehr Darstellungsmodi aufwarten. Unter besaß der Rechner einen Text-Modus mit 40x24 Zeichen, aber noch viel wichtiger über zwei spezielle Grafik-Modi: Einen „Bitmap-Modus“ mit 256x192 Pixeln Auflösung mit 15 Farben plus Transparenten Pixeln, von denen allerdings nicht mehr als 2 Farben pro Zeile dargestellt werden können, und einen Multicolor-Modus mit 32 Farben, der immerhin eine Auflösung von 64x48 Zeichen bot. Hinzu kam ein Soundchip mit 4 Kanälen, während die CBM-Maschinen zuerst nur Pieptöne von sich geben konnten.

Commodore geriet mit seiner etwa zwei bis drei Jahre alten CBM-Reihe Reihe also technisch ins Hintertreffen. Auch wenn der japanische Ableger von Commodore zur Hannover Messe 1980 eiligst den Prototypen eines farbfähigen ColorPET zusammenstellen konnte, zeigte sich der überwiegende Teil der Besucher eher an den neuen Produkten von Atari oder Texas Instruments interessiert.

Die „Billig-Computer“ halten Einzug

Gleichzeitig drohte neue Konkurrenz, diesmal aus dem Vereinigten Königreich. Clive Sinclair begann, Heimcomputersysteme zum billigst möglichen Preis anzubieten. Der im Januar 1980 erscheinende ZX80 war zwar mit 4 KByte RAM, einer billigen Gummimembran.Tastatur und einer maximalen 64×48 Blockgrafik mit Grafikzeichen technisch auch für damalige Verhältnisse nicht sehr beeindruckend. Doch mit dem Kampfpreis von damals gerade einmal 598 DM - oder weniger als 100 Pfund auf den britischen Inseln - konnte auch keiner der anderen Anbieter auf dem Markt mithalten. Ein CBM 4032 von Commodore, der seit Oktober 1979 in Deutschland erhältlich war, kostete dagegen etwa stolze 4000 DM Neupreis.

Preis war grundsätzlich ein Thema, das Commodore-Chef Jack Tramiel immens wichtig wurde. Auch in Japan begannen lokale Unternehmen, eigene Computersysteme zu entwerfen und auf den Markt zu bringen. Diese Systeme wurden zu diesem Zeitpunkt zwar kaum in den Rest der Welt exportiert. Doch lokal konnte der japanische Markt mit billigen, inländisch bezogenen Bauteilen schnell die Kosten der Konkurrenz aus den USA unterlaufen.

Für Tramiel war klar: Wenn er den Massenmarkt erobern wollte, musste ein konkurrenzfähiges, aber vor allem günstiges Produkt her. Da Commodore mit MOS Technologies über ein eigenes Halbleiterunternehmen verfügte sowie als Schreibmaschinenhersteller eigene Tastaturen herstellte und Tramiel auf vertikale Integration setzte, konnten durch überwiegende Verwendung eigener Bauteile die Kosten grundsätzlich niedrig gehalten werden. Im Frühjahr 1980 setzte er ein Meeting der Führungsspitze an, in dem er Commodores Plan für das laufende Jahr festlegte: Um „den Japanern zuvorzukommen" musste ein Computer her, der nicht mehr als 300 US-$ kosten durfte (auch wenn der direkte Wechselkurs höher lag galt es indirekt für den deutschen Markt, unter 1000 DM bleiben zu können). Es fehlte nur an einem geeigneten Produkt, um die vorhandenen Bauteile möglichst gewinnbringend einzusetzen.

Sternstunde eines Video-Ausgabechips

Die Grafikeigenschaften des Video Interface Controller (VIC) genannten Chips, intern auch MOS 6560 (in der Pal-Version 6561) bezeichnet, sollte als Herzstück des VC 20 maßgeblich zu dessen Erfolg beitragen.
Die Grafikeigenschaften des Video Interface Controller (VIC) genannten Chips, intern auch MOS 6560 (in der Pal-Version 6561) bezeichnet, sollte als Herzstück des VC 20 maßgeblich zu dessen Erfolg beitragen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Bereits 1976 hatte ein bei MOS Technologies angestellter Ingenieur namens Albert Charpentier ein Konzept für einen dedizierten Video Interface Controller, kurz VIC, vorgelegt. Zusammen mit Bill Mensch, einem der führenden Köpfe bei der Entwicklung des MOS 6502 Prozessors, legte er im Jahr darauf den Prototypen für einen dedizierten Grafikchip vor, der intern die Kennung MOS 6560 erhielt. Der Chip war in der Lage, bis zu acht Farben darzustellen – schwarz, weiß, rot, cyan, lila, grün, blau und gelb. Stand ein dedizierter Video-Speicher von 8 KByte zur Verfügung, konnte er auch Bitmap-Grafiken abrufen und über die zuvor dargestellten Grafiken legen – das, was in der Computerterminologie auch als „Sprites“ bezeichnet wurde. Zudem konnte der VIC auch mit Lichtgriffel oder mit sogenannten Light-Guns, die bereits in Spielhallen für digitale Schießstände verwendet wurden, zusammenarbeiten.

Auch wenn Charpentier und Mensch an das Produkt glaubten, waren viele Ingenieure bei Commodore der Ansicht, dass sich der VIC nie vernünftig für einen Computer eignen würde – als „zu beschränkt“ schätzte man seine Eigenschaften ein. Das lag überwiegend daran, dass der VIC trotz einer ordentlichen Bildauflösung im Textmodus nur 22 Zeichen Text pro Zeile darstellen könnte – die PET-Reihe brachte es bereits von Beginn an auf 40, in auf Grafik verzichtenden Modi sogar auf 80. MOS überlegte daher, den Chip in erster Linie für Spielautomaten anzubieten. Dort zeigte sich allerdings kaum jemand an dem VIC interessiert.

Einer der wenigen Entwickler bei Commodore und MOS, der an die Eigenschaften des VIC als Computerchip glaubte, war der damals 22-jährige Bob Yannes. Er hatte sich bereits früh mit dem ZX80 von Sinclair auseinandergesetzt und war wenig beeindruckt. Vor allem das niedrig aufgelöste Schwarz-weiß-Bild fand er unzumutbar. Yannes war der Überzeugung, dass er ein besseres Produkt entwerfen könnte - mit Farbdarstellung, einer vernünftigen Tastatur, und zu geringeren Kosten. Es gab nur ein Hindernis: „Wir mussten diese Mentalität überwinden, dass ein 22-Zeichen-Display nicht gut genug sei", erinnert sich Yannes in Brian Bagnalls Buch „Volkscomputer - Aufstieg und Fall des Computer-Pioniers Commodore".

Da seine Kollegen und Vorgesetzten nicht so recht an das Projekt glaubten, baute der junge Ingenieur den Prototypen des von ihm angedachten Rechners in seiner Freizeit zu Hause. Aus herumliegenden PET-Ersatzteilen konstruierte er um den VIC-Chip herum einen funktionalen Computer. „Es geht das Gerücht herum, dass ich den VC-20-Prototypen in meiner Garage gebaut hätte," scherzte Yannes. „Es war nicht in der Garage - es war in meinem Schlafzimmer. Ich hatte gar keine Garage."

Yannes' Vorgesetzte Charles Winterble und Albert Chapelier wussten, dass Jack Tramiel auf der Suche nach einem billigen Computer war. Als der Ingenieur ihnen seinen fertigen Prototypen zeigte, erkannten sie, dass das das Produkt war nach dem sie suchten. Ende Mai 1980, zwei Wochen vor der Sommer-CES des Jahres, stellten Winterble und Chapelier Commodore-Chef Tramiel den Prototypen, dem noch diverse Peripherie-Schnittstellen fehlten, vor. Tramiel war beeindruckt und sagte nach nur kurzer Bedenkzeit: „In Ordnung. Liefert das aus!"

Commodore hatte ursprünglich vor, auf der renommierten Sommer-CES 1980 den Commodore TOI, einen farbfähigen Nachfolger der PET-Reihe, zu präsentieren. Doch dieses Projekt war von Entwicklungsschwierigkeiten geplagt, so dass der Prototyp nicht rechtzeitig zur Messe fertig wurde. Um nicht mit leeren Händen dazustehen beschloss Commodore daher kurzfristig, Yannes' Prototypen auf der CES zeigen. Dort stieß das System auf großes Interesse beim Publikum - was vor allem am angekündigten Preis von 300 US-$ lag. Da der Rechner noch keinen Namen hatte, wurde er kurzerhand nach dem Video Interface Controller ebenfalls VIC genannt - für Video Interface Computer. Tramiel war endgültig überzeugt: Er gab seinen Ingenieuren einen Monat Zeit, um noch Anschlussmöglichkeiten für Peripheriegeräte zu entwickeln. Im September 1980 sollte das Gerät erstmals auf dem Markt erscheinen - zuallererst in Japan, um von der dort noch bestehenden Rest-Popularität der PET-Reihe zu profitieren. Das TOI-Projekt, indes, wurde eingestellt und sollte nie auf dem Markt erscheinen.

Technische Ausstattung des VC 20

Das Mainboard eines VIC 20 (amerikanische Ausgabe).
Das Mainboard eines VIC 20 (amerikanische Ausgabe).
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ein Großteil des Designs des VC 20 erklärt sich aus der Kürze der Zeit, in der der Rechner entwickelt worden war, und dem Drang danach, Kosten zu sparen. Der Prototyp war noch behelfsmäßig in einer ausgedienten PET-Tastatur untergebracht worden. Da sich der Tastaturrechner als zweckdienlich erwies, wurde ein eigenes Gehäuse aus Spritzplastik in Auftrag gegeben. Die Gehäuseform - die später auch für den Nachfolger C64 übernommen wurde - erhielt Deutschland aufgrund ihres Aussehens meist den liebevollen Spitznamen „Brotkasten".

Ähnlich wie die PET-Reihe basiert der VC 20 auf dem hauseigenen 8-Bit-Mikroprozessor, MOS 6502, der auf 1,10 MhZ (in PAL-Regionen) bzw. 1,02 MhZ (NTSC) getaktet wurde. Die CPU kann auf einen Adressraum von 65536 Byte zugreifen. Dies ergibt eine theoretische Obergrenze von 64 KByte Arbeitsspeicher - aus Kostengründen wurde der Rechner ab Werk aber nur mit 5 KByte ausgeliefert, von denen knapp 1024 Byte vom internen Commodore Basic V2 belegt wurden. Tramiel hatte 1977 für die PET-Reihe eine zeitlich unbefristete Lizenz für die BASIC-Programmiersprache bekommen, die er trotz ihres Alters beharrlich in allen weiteren Commodore-Rechnern einsetzte, da sie keine zusätzlichen Kosten verursachte. Andere Speicheradressen sind für die Peripherien und die Grafikausgabe reserviert. Daher begrüßt der Computer einen Nutzer nach dem Start auch mit der Ankündigung „3583 Bytes free": Dem Rest an frei zur Verfügung stehenden Arbeitsspeicher.

Der Heimcomputer erschien zuerst im September 1980 in Japan unter dem Namen VIC 1001 auf dem Weltmarkt. Technisch sind VIC 1001, VIC 20 und VC 20, bis auf einige Anpassungen an PAL- und NTSC-Regionen, identisch.
Der Heimcomputer erschien zuerst im September 1980 in Japan unter dem Namen VIC 1001 auf dem Weltmarkt. Technisch sind VIC 1001, VIC 20 und VC 20, bis auf einige Anpassungen an PAL- und NTSC-Regionen, identisch.
(Bild: Commodore VIC-1001 / Commodore VIC-1001 / Thomas Conté / CC BY-SA 2.0 / CC BY-SA 2.0)

Für die erwähnten Peripheriegeräte besitzt der Computer einen Controller-Port zum Anschluss diverser Eingabegeräte - überwiegend Joystick, doch es existiert unter anderem auch ein Trackball-Controller und von diversen Herstellern sogenannte Lichtgriffel oder Lichtstifte für eine Bedienung direkt am Monitor. Hinzu kommen ein Ausgang für den Monitor oder RF-Modulator zum Fernseher, der Commodore-eigene User-Port für Drucker und ähnliche Geräte, ein Datassetten-Anschluss, der Erweiterungsschacht etwa zur Verwendung von Steckmodulen sowie eine Buchse der proprietären seriellen Schnittstelle (Serial Input Output, kurz SIO) zur Verfügung. Kurz vor Auslieferung erhielt der VC auch einen sogenannten Cartridge-Slot verpasst. Dieses diente in der Regel zum direkten Starten von Programmen nach Einschalten des Rechners mit direktem Zugriff auf die vollen 5 KByte Arbeitsspeicher. Es konnten aber auch Erweiterungen, wie beispielsweise zusätzlicher Arbeitsspeicher, über diesen Port bereitgestellt werden. Ein Diskettenlaufwerk, das VC1540, stand aufgrund technischer Probleme bei der Entwicklung erst ab 1982 zur Verfügung.

Theoretisch ist der im VC20 verbaute Grafik-Controller VIC alias MOS 6560 in der Lage, eine Auflösung von 200x192 Pixeln auf einem Fernseher bzw. geeigneten Monitor darzustellen. Da allerdings 1980 nur Röhrenfernseher im Einsatz waren und das Bild am Bildschirmrand eine Wölbung verzerrt wurde, wurde in der Regel auf die volle Darstellung verzichtet. Aus diesem Grund unterstützt die Systemsoftware des Computers lediglich einen kleineren ausgeschnittenen Bildbereich von 176x184 Pixeln, der von einem farbigen Rand umgeben ist. Text konnte, wie bereits erwähnt, in maximal 22 Zeilen innerhalb dieser Auflösung dargestellt werden. Unter anderem aus diesem Grund wurde der VC 20 auch stark als „Spielecomputer" beworben und wahrgenommen, auch wenn es durchaus professionelle Anwendungssoftware für das Gerät gibt.

Zur Erzeugung und Ausgabe von Tönen verfügt der VIC-Chip über drei separate Tongeneratoren: Einen für tiefen, einen für mittlere und einen für hohe Töne. Hinzu kommt ein Kanal für weißes Rauschen. Dadurch verfügte der VC 20 über mit dem Atari 400 oder dem TI 99/4 vergleichbare Soundeigenschaften.

Der VC 20 durchbricht eine Meilenstein-Grenze

In Deutschland erhielt der Rechner das Kürzel VC 20 verpasst - die deutsche Commodore-Belegschaft war der Ansicht, dass sich VIC zu sehr nach einem deutschen Kraftausdruck anhörte. Aufgrund des Kürzels wurde der Rechner in der Werbung auch als Volkscomputer populär.
In Deutschland erhielt der Rechner das Kürzel VC 20 verpasst - die deutsche Commodore-Belegschaft war der Ansicht, dass sich VIC zu sehr nach einem deutschen Kraftausdruck anhörte. Aufgrund des Kürzels wurde der Rechner in der Werbung auch als Volkscomputer populär.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Je nach Region erhielt der Rechner einen leicht anderen Namen. In Japan entschied man sich, in Anspielung an den ursprünglichen Namen des ersten Commodore Rechners PET 2001, für den Namen VIC 1001. In den USA entschied man sich für den Namen VIC-20, in Anlehnung an die Zahl der Zeilen, die der Grafikchip darstellen konnte. Der äußerst günstige Preis von 69.800 Yen, in Kombination mit einem bereits ab Start zur Verfügung stehenden, umfangreichen Softwareangebot, machte den Rechner schnell zum Verkaufsschlager. Noch am Tag der Premiere in Japan gingen bereits in einem Tokioter Kaufhaus 1200 Bestellungen ein - eine, wie es heißt, in dieser Größenordnung nie dagewesene Mege.

In Deutschland, wo der Rechner im Oktober 1981 zum damaligen „Schnäppchenpreis" von 899 DM erschien, wurde der Name hingegen auf VC-20 verkürzt. Man befürchtete, das die Aussprache von „Vic" im Deutschen lautsprachlich zu sehr an einen bestimmten deutschen Kraftausdruck mit sexueller Konnotation erinnern würde. Aus der Not machte das deutsche Commodore-Marketing eine Tugend: Schon bald wurde der Rechner bei Discountern wie Aldi angeboten, wo das VC groß als für „Volkscomputer" stehend beworben wurde - in Anlehnung an das für Volkswagen stehende VW. Dies sorgte hierzulande für einen gigantischen Popularitätsschub.

Michael Tomczyk (rechts), Koordinator des VC-20-Werbeshootings, und William Shatner (links).Dies ist das erste Mal, dass Shatner tatsächlich einen echten Computer verwendete.
Michael Tomczyk (rechts), Koordinator des VC-20-Werbeshootings, und William Shatner (links).Dies ist das erste Mal, dass Shatner tatsächlich einen echten Computer verwendete.
(Bild: Michael Tomczyk / CC BY-SA 4.0 / CC BY-SA 4.0)

Auch in den USA wurde der Computer ein Verkaufshit. Das lag nicht zuletzt an einer gelungenen Werbekampagne: Als Gesicht des VIC 20 konnte Commodore William Shatner gewinnen. Da der Schauspieler dem Publikum in erster Linie aus seiner Rolle als James T. Kirk, Kommandant des Raumschiffs Enterprise, bekannt war, half dies dem kleinen Heimcomputer, trotz seines günstigen Preises das Ansehen eines High-Tech-Produkts zu erlangen.

Wie es bei den ersten Heimcomputern häufig der Fall war, wiesen die ersten ausgelieferten Produkte aufgrund der eiligen Produktion einige Mängel auf, was sich in erster Linie in Überhitzungen des Systems äußerte. Die Konkurrenz schlief außerdem nicht: Texas Instruments brachte etwa 1981 mit dem TI 99/4A eine günstiger, überarbeitete Version seines Heimcomputers auf den Markt. Commodore konterte sofort und senkte den Preis des VIC-20 auf unter 200 US-$.

Auf der Winter CES Anfang 1983 brüstete sich Commodore schließlich damit, als erster Computerhersteller der Welt 1 Millionen Exemplare desselben Produkts verkauft zu haben. Allein in (West-)Deutschland waren davon 60.000 Rechner abgesetzt worden. Diese Marke konnte bis Anfang 1984 sogar noch auf zwei Millionen weltweit angehoben werden. Insgesamt wurden in der Lebensspanne des VIC 101 bzw. VIC 20 alias VC 20 vermutlich 2,5 Millionen VIC-Computer weltweit verkauft; davon entfielen 1,5 Millionen auf die US und etwa 250.000 in Westdeutschland. Der nächste Rechner, der diese Erfolgsmarken überbot, sollte der Nachfolger des VC 20 sein: Der legendäre Commodore 64.

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