Projekt Sensindoor

Sensorsystem für Schadstoffe lüftet energieeffizient

| Redakteur: Peter Koller

Andreas Schütze (rechts) ist Spezialist für Gassensoren. Seine Sensorsysteme haben ein weites Anwendungsfeld. Sie können Ausdünstungen einzelner Produkte ebenso messen wie die Qualität der Raumluft.
Andreas Schütze (rechts) ist Spezialist für Gassensoren. Seine Sensorsysteme haben ein weites Anwendungsfeld. Sie können Ausdünstungen einzelner Produkte ebenso messen wie die Qualität der Raumluft. (dasbilderwerk)

Ein neuartiges Sensorsystem für Luftschadstoffe soll in Gebäuden für gute Atemluft sorgen, ohne dass beim Lüften unnötig Energie verloren geht. Auf diese Weise kann der Energieverbrauch halbiert werden.

Der Gassensor-Experte Andreas Schütze von der Saar-Universität koordiniert hierzu das europaweite Forschungsprojekt „Sensindoor“. Die Forscher entwickeln ein kostengünstiges, intelligentes Lüftungssystem, das Räume automatisch nach Bedarf mit Frischluft versorgt. Gassensoren erfassen die Schadstoffbelastung der Raumluft mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Anhand der Messdaten und Informationen, wann und wie Räume genutzt werden, passt das System Lüftungsintensität und -dauer an. Am 22. und 23. Januar treffen sich die Projektpartner auf dem Campus der Universität des Saarlandes zum offiziellen Projektauftakt.

Formaldehyd aus Möbeln, Lösemittel aus Teppichkleber, chemische Ausdünstungen aus Reinigungsmitteln, Benzol, Xylol… Bei geschlossenem Fenster kann sich in Räumen ein höchst ungesundes Gemisch zusammenbrauen. Erst recht, wenn Gebäude gut isoliert und abgedichtet sind. Was für die Energieeffizienz gut ist, kann für die Gesundheit folgenreich sein. Andererseits schlägt ein Zuviel an Lüften in hohen Energiekosten zu Buche, was sich in Summe auf Wirtschaft und Umwelt auswirkt.

„Mit dem Sensorsystem, das wir jetzt entwickeln, können wir beides gewährleisten: Gute Raumluft mit so geringer Schadstoffbelastung wie möglich und Energieeffizienz durch gezieltes, passgenaues automatisches Lüften“, erklärt Professor Schütze. „Auf diese Weise lassen sich Gesundheitsschäden durch hohe Schadstoffkonzentrationen vermeiden und der Energieverbrauch von Gebäuden etwa um die Hälfte senken, was auch mit Blick auf die CO2-Ziele interessant ist“, sagt der Saarbrücker Messtechniker.

Schütze ist Spezialist für Gassensoren. Diese hochempfindlichen künstlichen Sinnesorgane können Gase aller Art – von giftigem Kohlenmonoxid bis hin zu krebserregenden organischen Verbindungen – zuverlässig erschnuppern und ihre Konzentration messen. Auch kleinste Mengen entgehen den Sensoren nicht. Schon bei einer Konzentration von deutlich unter einem Millionstel können die neuartigen Halbleiter-Gassensoren auf Metalloxid-Basis und so genannte gassensitive Feldeffektsensoren, die Schütze im Projekt mit Partnern in Schweden, Finnland und der Schweiz weiterentwickelt, Luftschadstoffe wie Formaldehyd, Benzol oder Xylol aufspüren. Für die Anwendung wird sogar eine noch höhere Empfindlichkeit benötigt. Daher sammeln die Sensorsysteme zunächst über einen bestimmten Zeitraum Moleküle, um deren Menge anschließend zu messen, was die Nachweisgrenze nochmals deutlich reduziert.

Forschungsinstitute und industrielle Partner aus Schweden (Universität Linköping und Sensic AB), Finnland (Universität Oulu und Picodeon LTD OY), der Schweiz (SGX Sensortech SA), Frankreich (SARL Nanosense) und Deutschland (Saar-Uni, Fraunhofer-Institut für chemische Technologien, 3S GmbH und Eurice GmbH) arbeiten im Projekt zusammen. Das Vorhaben ist auf drei Jahre angelegt und hat ein Volumen von 4,6 Millionen Euro. Die EU fördert das Projekt im siebten Forschungsrahmenprogramm mit 3,4 Millionen Euro.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 42488725 / Sensorik)