Vernetzter Scheinwerfer beleuchtet genau das, was wichtig ist

| Redakteur: Hendrik Härter

Der Camouflage-Effekt (links) lässt Fußgänger trotz guter Beleuchtung für Autofahrer unsichtbar werden. Intelligent vernetzte Auto- und Straßenbeleuchtung kann den Effekt aufheben (rechts) und mehr Sicherheit bringen.
Der Camouflage-Effekt (links) lässt Fußgänger trotz guter Beleuchtung für Autofahrer unsichtbar werden. Intelligent vernetzte Auto- und Straßenbeleuchtung kann den Effekt aufheben (rechts) und mehr Sicherheit bringen. (Bild: Markus Breig, KIT)

Eine optimal ausgeleuchtete Straße verhindert Unfälle. Dabei hilft ein spezieller Auto-Scheinwerfer, der mit verschiedenen Sensoren im Fahrzeug und auch mit Sensoren in der Umgebung vernetzt ist.

Wenn aus dem dunklen Bereich zwischen zwei Straßenlaternen oder dem Schatten geparkter Autos plötzlich Fußgänger auf die Straße treten, kann das schnell zu einer gefährlichen Situation führen. Verwischen schlechte Lichtverhältnisse den Kontrast zwischen einem Objekt mit dessen Umgebung spricht man von einem Camouflage-Effekt. Unsere Augen können das nicht wahrnehmen. Gleiches gilt auch für Kameras in autonomen Fahrzeugen.

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) arbeiten Wissenschaftler an einer Methode, das Scheinwerferlicht mit externen Sensoren, die sich etwa am Straßenrand oder in anderen Fahrzeugen befinden, an die jeweiligen Ortsverhältnisse anzupassen. Grundlage ist ein spezieller Scheinwerfer, der bereits von einigen Jahren am Lichttechnischen Institut des KIT (LTI) entwickelt wurde. Propix, so der Name des Scheinwerfers, was für Projektor-Pixellicht steht, kann seine Lichtverteilung der Umgebung anpassen. So lassen sich bestimmte Bereiche der Umgebung komplett ausblenden, während andere hell erleuchtet sind.

Scheinwerfer sind mit Sensoren vernetzt

Cornelius Neumann forscht am KIT zur intelligenten Straßenbeleuchtung.
Cornelius Neumann forscht am KIT zur intelligenten Straßenbeleuchtung. (Bild: Markus Breig, KIT)

Die Forscher wollen den Scheinwerfer mit weiteren Sensoren des Fahrzeugs vernetzen. Unter anderem mit Ultraschall, Radar oder Lidar – hier werden statt Radiowellen wie beim Radar Laserstrahlen verwendet. Erfassen die Sensoren ein Hindernis, das sich auf einem für Auge oder Kamera blinden Fleck befindet, soll der Scheinwerfer künftig selbst reagieren und ihn ausleuchten oder abblenden. „In der Kombination von ortsfester Straßenbeleuchtung mit variabler Scheinwerferbeleuchtung wird dann optimale Sichtbarkeit erzielt“, sagt Professor Cornelius Neumann, Leiter des LTI.

Die Steuerung des Propix soll nicht nur mit Informationen von Sensoren des eigenen Fahrzeugs gefüttert werden, sondern auch von solchen an Bord anderer Fahrzeuge oder am Straßenrand. „Die Herausforderung besteht insbesondere im Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen Sensoren auf der einen Seite und der Scheinwerfertechnik auf der anderen Seite“, sagt Neumann. Auf den Menschen übertragen gehe es darum, das Auto mit weiteren Sinnesorganen auszustatten. „Egal, ob wir sehen, dass eine Person auf uns zukommt, oder wir nur ihre Schritte hören, wir erhalten beide Male die gleiche Information: nämlich, dass sich jemand nähert“, erläutert Neumann. „Wenn wir das auch beim Auto schaffen, können wir den Straßenverkehr sicherer machen.“

Ihre neue Technik wollen die Wissenschaftler auf dem im Mai eröffneten Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg in Karlsruhe erproben. Das Projekt OpEr (Optimierung der visuellen Erkennbarkeit von Fußgängern auf Basis vernetzter Infrastruktur) gehört damit zu den ersten Forschungsvorhaben, die dort laufen. In diesem Rahmen wird es von der Landesregierung gefördert.

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