Sensoren im Alltag: Wie ein vernetzter Gehstock Senioren im Alltag unterstützt

| Autor / Redakteur: Katja Deichl* / Hendrik Härter

Sicherheit im Alter: Für Personen mit besonderer Schutzbedürftigkeit bietet der vernetzte Gehstock „Smartstick“ die Möglichkeit, über ein Portal eine persönliche Sicherheitszone rund um ein Pflegeheim zu definieren.
Sicherheit im Alter: Für Personen mit besonderer Schutzbedürftigkeit bietet der vernetzte Gehstock „Smartstick“ die Möglichkeit, über ein Portal eine persönliche Sicherheitszone rund um ein Pflegeheim zu definieren. (Bild: cibX; ©Sandor Kacso - stock.adobe.com)

Mit einem vernetzten Gehstock ist es körperlich eingeschränkten oder dementen Menschen wieder sicherer möglich, mobil zu sein. Denn er ist mobiler Notfallknopf und Personenortung in einem.

Das Internet der Dinge ist noch längst nicht ausgewachsen: Die Marktforscher von Zion rechnen für den Markt mit vernetzten Geräten mit einer Wachstumsrate von 5,3 Prozent auf gut 25 Mrd. US-Dollar im Jahr 2022. Sie betonen, dass besonders durch das Engagement von Telekommunikationsanbietern im Gesundheitswesen der europäische Machine-to-Machine-Markt (M2M) weiter wächst. Hier mischt seit 2012 auch cibX mit.

Das Unternehmen mit Standorten in München und Greven bei Münster bietet seit mehr als fünf Jahren Softwarelösungen für die Ortung von Objekten in Echtzeit. Fokus des Mittelständlers ist der Krankenhaus- und Pflegebereich. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom und Ossenberg, einem der führenden deutschen Hersteller von Gehhilfen und Stöcken, hat cibX jetzt ein neues Produkt entwickelt: den via Mobilfunk vernetzten Gehstock Smartstick. Verbaut sind ein GSM-Modem, eine GPS-Antenne und eine SIM-Karte von der Deutschen Telekom.

Ein diskreter Schutz orientierungsloser Menschen

Die Zielgruppe sind vorwiegend ältere Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung, leichter Demenz oder Orientierungslosigkeit. Sie nutzen die smarte Gehhilfe in erster Linie als praktischen Begleiter im Alltag. Tatsächlich unterscheidet er sich von einem gewöhnlichen Gehstock nur durch den seitlich angebrachten Taster. Der Vorteil: Er ähnelt jenem Alarmknopf, der vielen Senioren vom Hausnotruf am Handgelenk oder an einer Kette um den Hals bereits vertraut ist. Drücken sie diesen Alarmknopf für mindestens fünf Sekunden, sendet der Smartstick ein Signal aus. Dass ihr Hilferuf erfolgreich war, erkennen Nutzer an einem gut hörbaren Piepen sowie dem schnellen Blinken der roten LEDs am Taster.

Umgehend erhalten alle zuvor festgelegten Kontaktpersonen eine E-Mail, die sie via Link direkt ins angebundene Webportal führt. Hier wird ihnen auf einer Karte der Standort bis auf zehn Meter genau angezeigt – und die Angehörigen oder Pflegepersonen können sofort zur Hilfe eilen oder den Rettungsdienst rufen. Damit der Hilferuf keinesfalls ins Leere läuft, lassen sich im Portal beliebig viele E-Mail-Adressen hinterlegen.

Die Entwicklung von cibX hilft den Patienten im Notfall und ermöglicht es zugleich den Betreuern, ihre Schützlinge jederzeit über das browserbasierte Webportal zu lokalisieren. Dafür übermittelt der Smartstick alle fünf Minuten seine Positionsdaten. Nach dem Login ins Webportal sehen Angehörige oder Betreuer die momentane Position der Gehhilfe und wann sie zuletzt aktualisiert wurde. Zusätzlich können Nutzer eine Historie der letzten sieben Tage aufrufen – eine hilfreiche Funktion, wenn der Stock beispielsweise verloren geht und der Akku leer ist. Nicht zuletzt können sie im klar strukturierten, intuitiv bedienbaren Portal Gerätenamen ändern oder Meldungen löschen.

Für Personen mit besonderer Schutzbedürftigkeit gibt es die Möglichkeit, über das Portal eine persönliche Sicherheitszone wie rund um das Pflegeheim zu definieren. Bewegt sich der Nutzer mit dem Smartstick aus diesem Radius heraus, erhalten die Kontaktpersonen ebenfalls eine Warn-E-Mail. Diese Funktion unterstützt besonders Angehörige und Pfleger dementer oder orientierungsloser Menschen, die sich leicht auch in vertrauter Umgebung verirren. Für die Entwickler war es besonders wichtig, dass sich niemand mit komplizierter Technik auseinandersetzen muss. Der Smartstick begleitet Personen selbstverständlich durch den Alltag und sorgt in einem Notfall für Hilfe.

Ein Blick in das Innere des vernetzten Gehstocks

Das Innenleben des Smartstick besteht aus einem Mikrocontroller mit Ortungs- und Alarmmodul, einem Bewegungssensor sowie einer M2M-SIM-Karte. Diese übermittelt die Daten in die Cloud der Dinge der Telekom. Die Lösung wertet die Informationen aus und bereitet sie in nahezu Echtzeit für das Webportal auf. Damit genau diese sensiblen Daten nicht in die falschen Hände gelangen, hat sich cibX für die Zusammenarbeit mit der Telekom entschieden. Das Unternehmen speichert und verarbeitet alle Daten auf Servern in Deutschland und nach deutschem Datenschutzgesetz.

Zudem sorgt die Telekom mit ihrem Mobilfunknetz für die Konnektivität. Das ist nicht nur entscheidend für einen verlässlichen Betrieb. „Erste Prototypen der Gehhilfe aus Carbon mussten wir aufgrund der hohen Leitfähigkeit verwerfen“, sagt Ralf Drüge, Gründer und Geschäftsführer von cibX. „Durch die hohe Leitfähigkeit wurden die Signale des Mobilfunks gedämpft, was zu sporadischen Verbindungsabbrüchen führte.

Heute wird der Smartstick aus Kunststoff und überzogen mit einer Carbon-Folie produziert.“ Betrieben wird der Smartstick über einen Lithium-Akku, der, wenn er täglich zwei bis drei Stunden genutzt wird, bis zu einer Woche hält. Anschließend muss er für vier Stunden per USB-Kabel geladen werden. Wird er längere Zeit nicht benutzt, schaltet er sich automatisch in den Standby-Modus. Die Reaktivierung erfolgt über den integrierten Bewegungssensor. Bei einem Akkustand von unter 20 Prozent blinkt ein Lämpchen am Taster und zusätzlich geht im Portal eine Warnung ein.

Zu bestellen ist der Smartstick von cibX zu einem Preis von 395 Euro über die Firma Ossenberg, zwei Jahre europaweite (Ländergruppe 1) Nutzung und die App für iOS und Android inklusive. Es lassen sich mehrere Geräte über eine Oberfläche verwalten. Die Gerätekonfiguration erfolgt direkt im Portal. So lassen sich beispielsweise Gerätenamen ändern, Meldungen löschen oder Kontaktpersonen hinterlegen. Die Anzahl der Kontaktpersonen ist nicht limitiert. Gemeinsam mit der Telekom arbeitet cibX parallel an weiteren IoT-Lösungen für die Produktserie „Sichere Mobilität im Alter“. So wird es mit MOBI ab Frühjahr 2018 eine vernetzte mobile Einheit für Rollatoren, Rollstühle und E-Scooter geben.

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* Katja Deichl arbeitet bei Palmer Hargreaves und ist für IT-Themen verantwortlich.

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