SenSa: Innovative Sensoriklösungen gemeinsam auf den Weg bringen

| Redakteur: Michael Eckstein

Reinraum: Ein Sensorik-Akteur in Sachsen ist First Sensor in Dresden. Das Unternehmen entwickelt und produziert innovative Drucksensoren und Kamerasysteme für den Mobilitätsbereich.
Reinraum: Ein Sensorik-Akteur in Sachsen ist First Sensor in Dresden. Das Unternehmen entwickelt und produziert innovative Drucksensoren und Kamerasysteme für den Mobilitätsbereich. (Bild: First Sensor AG)

Neuer Innovationscluster Sensorik Sachsen: Branchen- und technologieübergreifend gebündelte Sensorikkompetenz soll Unternehmen beim Entwickeln international führender Produkte unterstützen. Kick-off am heutigen Dienstag.

Intelligente Sensorik ist der Schlüssel für eine funktionierende Digitalisierung und Vernetzung in nahezu allen Arbeits- und Lebensbereichen. Das Wachstumspotenzial dieser Querschnittstechnologie ist enorm. Damit die mehr als 200 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleister, die allein im Freistaat Sachsen auf diesem Feld tätig sind, dieses Potenzial bestmöglich erschließen können, haben die Akteure mit Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr den Innovationsclusters Sensorik Sachsen (SenSa) gegründet. Auf der Kick-off-Veranstaltung in Dresden am heutigen Dienstag stellt der seit Juli 2018 arbeitende Cluster Inhalte und Ziele seiner Tätigkeit erstmals öffentlich vor. Neben Vorträgen und einer Podiumsdiskussion gibt es auch eine Projektwerkstatt, in der die Teilnehmer mögliche Innovations- und Kooperationsansätze erörtern.

Sensoren sind vergleichbar mit Sinnesorganen. Sie „erfühlen“ physikalische oder chemische Größen wie Druck, Temperatur, Feuchtigkeit, Helligkeit, pH-Wert oder Beschleunigung und wandeln diese in elektrische Signale um. „Ob das automatisierte Fahren, vernetzt arbeitende Industrieanlagen, die intelligente Heizungssteuerung in der Wohnung oder die Überwachung biologischer Funktionen – ohne Sensoren funktionieren solche Systeme nicht“, verweist AMZ-Netzwerkmanager Dirk Vogel auf die nahezu unbegrenzten Einsatzmöglichkeiten der Sensorik und damit auf eine wesentliche Aufgabe des neuen Clusters: Die Kooperation der Sensorik-Akteure in Sachsen fördern. Diese würden meist auf einem begrenzten Fachgebiet arbeiten. Sensorik werde jedoch immer komplexer und verlange daher nach interdisziplinärem Handeln. „Deshalb wollen wir über den Tellerrand schauen und eine branchen- und technologieübergreifende Zusammenarbeit fördern, bei der neue Sensorikkonzepte und -produkte entstehen, die der Markt nachfragt und die sächsischen Unternehmen Geschäft sichern.“

Gebündelte Sensorikkompetenz entlang der Wertschöpfungskette

Dafür bündeln die sächsischen Branchen- und Technologienetzwerke ihre Sensorik-Kompetenzen und vernetzen die Akteure entlang der Wertschöpfungskette – von den Halbleiterproduzenten über die Sensorhersteller, die Gerätebauer, die Serviceanbieter bis zu den Anwendern – und beziehen ebenso die Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet sensorischer Systeme ein. Konsortialführer von SenSa ist das Automobilzuliefernetzwerk AMZ. Partner sind die Technologieverbünde Organic Electronics Saxony und Silicon Saxony sowie die Branchennetzwerke Kompetenzzentrum Luft- und Raumfahrttechnik Sachsen/Thüringen, der Innovationsverbund Maschinenbau Sachsen VEMASinnovativ, biosaxony und BTS Bahntechnik Sachsen. Für die Projektwerkstatt zeichnet die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH verantwortlich.

Das Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr fördert SenSa im Rahmen des Förderwettbewerbs „Innovationscluster“. Laut Wirtschaftsminister Martin Dulig habe man mit dem 2017 gestarteten Förderwettbewerb ambitionierte Zukunftsvorhaben gesucht, die wissenschaftliche Kompetenzen und unternehmerischen Spürsinn zusammenbringen: „Gefunden haben wir eine breite Allianz unserer stärksten Clusterinitiativen, die gemeinsam daran arbeiten, dass moderne Sensorik noch effizienter und einfacher in die Produkte des sächsischen Mittelstandes eingebunden werden kann.“ Im Vordergrund stehe stets der Nutzer, man denke also von der industriellen Anwendung her. Mit diesem Ansatz gelinge es, Sachsen als Standort für zukunftsweisende Produkte zu stärken.

Ideen in konkrete Produkte umsetzen

Projektleiter von SenSa ist André Knabe. Er erläutert: „Mit dem Know-how und den Erfahrungen aller Partner streben wir Lösungen gleich auf mehreren Zukunftsfeldern an.“ Dazu würden digitale Kommunikation, Energie, Umwelt und Ressourcen, Mobilität ebenso gehören wie Medizin und Gesundheit. Das Vernetzen der Experten-Community erfolge in erster Linie auf einer digitalen Plattform. Open Innovation werde groß geschrieben, das Initiieren von F&E-Projekten stehe im Vordergrund. 20 Innovations- und 30 Projektworkshops bis Juli 2022 sollen dazu beitragen, Ideen in konkrete Produkte umzusetzen. „Außerdem werden wir eine Übersicht zu vorhandenen Kompetenzen und Technologien sowie zu Trends erarbeiten und damit die sächsischen Sensorik-Stärken über den Standort hinaus sichtbar machen.“

AMZ hat bereits 2016 das Sensorik-Potenzial in Sachsen für den Automotive-Bereich analysiert und den Anstoß für ein branchenübergreifend arbeitendes Innovationscluster gegeben. Damals wurden 72 Unternehmen, 63 Forschungsinstitute und 40 Zielkunden im Bereich Automobilsensorik identifiziert, die vor allem in den Themen Sensorintegration, Hochvolttechnik und Rechenleistung wesentliche Herausforderungen sehen und Unterstützung für eine stärkere Vernetzung zwischen Forschung und Industrie, den Zugang zu Kunden und der generellen Marktarbeit als notwendig erachten.

Laut Dirk Vogel, Netzwerkmanager des AMZ, ist Sachsen mit über 100 Jahren Geschichte im Maschinenbau und der Automobilindustrie heute ein wichtiger Innovationstandort in Deutschland. Im „Autoland Sachsen“ fertigen Automobilhersteller wie Volkswagen, BMW und Porsche einen großen Teil ihrer Zukunfts- und Highend-Modelle: Jedes achte in Deutschland gebaute Auto kommt aus dem Freistaat. Zeitgleich habe sich die sächsische Mobilitätsindustrie zu einem Innovationstreiber entwickelt, der sich besonders auf die Felder Elektromobilität sowie Leichtbau für Transportwesen (Bahn, Luft- und Raumfahrt, Automotive) konzentriert und dort weltweit führend ist.

„Sachsen ist der fünftgrößte Standort für Mikroelektronik und Chipfertigung weltweit“

„Im Innovationscluster Sensorik Sachsen geht es jedoch nicht nur um Sensortechnologien für Autos im Zusammenhang mit autonomen Fahren und den Herausforderungen der Elektromobilität“, sagt Vogel, „sondern um das Etablieren eines leistungsfähigen Wertschöpfungsnetzwerkes“. Ein hohes Ingenieurpotenzial, viele Anwendungsfelder und eine enge Vernetzung würden den Innovationsstandort Sachsen prägen. Über 200 Unternehmen und Forschungseinrichtungen würden in Sachsen an neuen sensorischen Prinzipien wie batterielosem Betrieb, Miniaturisierung, digitaler Vernetzung und neuen Materialien arbeiten. „Mit SenSa schaffen wir ein europaweit einzigartiges Kompetenznetzwerk, das über alle Branchen und Technologien hinweg sensorische Lösungen erarbeiten wird“, ist Vogel überzeugt.

Jeder zweite in Europa gefertigte Chip ist „Made in Silicon Saxony“, erklärt Stefan Uhlig, Projektleiter Silicon Saxony. Sachsen sei heute der fünftgrößte Standort für Mikroelektronik und Chipfertigung weltweit. Doch nicht nur Prozessoren und Speicherbausteine kämen aus Sachsen, sondern auch Sensoriklösungen in Form von MEMS und Software für Auswertung und Weiterverarbeitung von Messdaten. „Die Kombination der sieben beteiligten Netzwerke ermöglicht eine verdichtete Abbildung der Wertschöpfungskette“, sagt Uhlig, „ausgehend von neuen Materialien über fortgeschrittene Herstellungstechnologien bis hin zu neuartigen Auswertealgorithmen unter Berücksichtigung der Belange zukünftiger Anwendungen in den Bereichen Transport, Logistik und Industrieanlagen mit dem Schwerpunkt auf automatisierten Prozessen und Vorgängen.“

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