Angemerkt Sekundäre Rohstoffe 4.0 bringen Europa den Kurzschluss

Redakteur: Kristin Rinortner

Es gibt ganze Dörfer in Fernost, die von unserem Elektronikschrott leben. Dort werden Komponenten über einer Kohlepfanne von der Leiterplatte entfernt, auf dem Gehsteig gesäubert und in der Sonne getrocknet, abgeschliffen, gerade gebogen und neu etikettiert. Schließlich werden die Bauelemente oder Module in großen Elektronik-Einkaufszentren oder über Online-Broker als neuwertig verkauft.

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Kristin Rinortner, Elektronikpraxis: „Gefälschte Bauteile aus Elektronikschrott, den wir in Fernost entsorgen lassen, könnten sich zum Problem ausweiten.“
Kristin Rinortner, Elektronikpraxis: „Gefälschte Bauteile aus Elektronikschrott, den wir in Fernost entsorgen lassen, könnten sich zum Problem ausweiten.“
(Bild: Elektronikpraxis)

Da auch Produktdatenblätter kopiert und Prüfsiegel gefälscht werden, entsteht schnell der Eindruck eines hochwertigen Original-Bauteils. Zumal bei langen Fertigungsketten die Rückverfolgbarkeit ein Problem ist. Darüber hinaus zeigt der entsprechende Code nur, woher ein Produkt kommt, ist aber kein Indiz dafür, dass es sich um originale Bauteile des Herstellers handelt.

Das betrifft bei Weitem nicht nur Halbleiterbauelemente. Minderwertige Kabel, bei denen das UL-Prüfsiegel gefälscht wurde, sind beispielsweise ein Dauerthema. Auch Photovoltaik-Steckverbinder sind mit Plagiaten in die Schlagzeilen geraten. Minderwertige Legierungen für die Kontakte und unzureichender Kunststoff für die Gehäuse gepaart mit verbogenen Pins und fehlerhafter Montage führen hier zu Sicherheitsrisiken durch Kurzschlüsse, Brände oder elektrische Schläge.

Auch Halbleitermodule sind durch gefälschte passive Komponenten risikobehaftet. Schlecht funktionierende oder defekte Widerstände, Kondensatoren oder Steckverbinder können den Mikroprozessor oder die Leistungskomponente dauerhaft schädigen.

Gefälschte Markenartikel sind längst in der Elektronikindustrie angekommen. Beliebte Objekte sind vor allem Produkte, die am Markt begehrt sind, abgekündigt wurden, eine lange Lieferzeit haben oder hohe Margenversprechen. Man sollte daher immer hellhörig werden, wenn etwas deutlich unter dem Marktpreis angeboten wird, und ausschließlich bei autorisierten Distributoren kaufen.

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