ISO 9001:2015

Schwierige Neuausrichtung für eine zukunftssichere Basis

| Autor / Redakteur: Wolfram Ziehfuss * / Dr. Anna-Lena Gutberlet

Wolfram Ziehfuss, FBDi
Wolfram Ziehfuss, FBDi (Bild: FBDi)

Handlungsbedarf bei sieben Bereichen: Die ISO 9001:2015 bietet mehr unternehmerische Freiräume – gleichzeitig steigt die Selbstverantwortung der Unternehmen.

Im Herbst 2015 wurde die Revision der ISO Norm 9001:2015 veröffentlicht. Nach den ersten Schockwellen einer „neuen, erweiterten mit weitreichenden Konsequenzen versehenen Norm“ haben sich die Gemüter mittlerweile beruhigt. Die nüchterne Betrachtung zeigt zwar noch immer einige schwierige Neuausrichtungen, aber diese sind wichtig und bilden eine zukunftssichere Basis für die nächsten Jahre.

Die fortschreitende Digitalisierung ist ebenso berücksichtigt wie die wichtiger werdenden Dienstleistungsprozesse Interessant ist: In dem Maße, wie die ISO 9001:2015 unternehmerischer wird und mehr Freiräume bietet, steigt auch die Selbstverantwortung der Unternehmen. Es gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren zur Einführung der neuen Regelungen.

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Die aktuelle Revision ISO 9001:2015 ist eine konsequente, logische Fortführung der bisherigen ISO-Regelungen und vertieft bestehende Anforderungen, insbesondere zur Prozessorientierung. Neu sind die Forderungen zum Risiko- und Wissensmanagement und eine Gliederung in künftig zehn Kapitel. Im Wesentlichen müssen sieben Bereiche von den Qualitätsverantwortlichen neu überdacht und angepasst werden. Hier folgt eine Zusammenfassung:

  • Strategische Ausrichtung der Organisation: Ab sofort muss das Qualitätsmanagementsystem in die strategische Ausrichtung der Organisation eingebunden werden. Die Qualitätspolitik und -ziele müssen also mit deren strategischen Ausrichtung vereinbar sein, zudem sind Unternehmen aufgefordert, interne und externe Belange mit Einfluss auf Ziele und Ergebnis des QM-Systems zu erfassen.
  • Erweiterung der Zielgruppen: Nach der ISO 9001:2015 müssen für das QM-System relevante interessierte Parteien (z.B. Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner) und deren Anforderungen definiert werden. Die neue Norm erweitert die Kundenorientierung um weitere Zielgruppen, die in den Fokus des Qualitätsmanagements rücken sollen. Dazu soll die Organisation berücksichtigen, welche Auswirkungen die Marktteilnehmer auf die Konformität von Produkten und Dienstleistungen haben.
  • Prozessmanagement wird wichtiger: ISO 9001:2015 legt größeres Gewicht auf den prozessorientierten Ansatz und fordert ein umfassendes und systematisches Prozessmanagement. Bei der Festlegung der Prozesse muss bestimmt werden: erwartete Ergebnisse der Prozesse, Leistungsindikatoren zur Prozesslenkung, Verantwortungen und Befugnisse sowie Risiken und Chancen, die die Zielerreichung der Prozesse beeinflussen könnten.
  • Verteilung der Verantwortlichkeiten: Neu ist, dass die oberste Leitung größere Verantwortung für Effektivität und Wirksamkeit des QM-Systems trägt, und auch Mitarbeiter dazu beitragen können. Ein expliziter QM-Beauftragter ist nicht länger erforderlich. Dadurch erhalten Unternehmen größeren Spielraum, um die mit dem QM verbundenen Aufgaben flexibel zu verteilen. Bestehende Strukturen (z.B. QM-Verantwortlicher) können beibehalten werden.
  • Risikomanagement: Dieser Bereich ist in der ISO 9001:2015 neu dazu gekommen – er fordert den systematischen Umgang mit Risiken und Chancen, also deren Identifizierung, Analyse, Bewertung, Planung und Umsetzung von Gegenmaßnahmen sowie Überprüfung der Wirksamkeit.
  • Wissensmanagement: Nach dem Motto „Wissen als Erfolgsfaktor“ verlangt die ISO 9001:2015 einen systematischen Umgang mit Wissen, z.B. sollen Vorgänge zur Durchführung von Prozessen niedergeschrieben und für alle Mitarbeiter verfügbar gemacht werden. Wichtig ist, ein individuelles Wissensmanagement aufzubauen – wie, bleibt jedem Unternehmen selbst überlassen.
  • Dokumentation – Papier-QM-Handbuch war gestern: Viel größeren Spielraum erhält die Dokumentation – sie kann EDV- oder Webbasiert erfolgen. Das alte QM-Handbuch ist damit passé. Wurde in der früheren Version noch zwischen Dokumenten und Aufzeichnungen unterschieden, spricht die neue Norm nun von dokumentierter Information, die in der EDV hinterlegt werden soll.

Der Text basiert auf Unterlagen der Certqua GmbH. Weitere Information zu den Änderungen der Norm beschreibt auch der TÜV Rheinland.

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* Wolfram Ziehfuss ist Geschäftsführer des FBDi e.V.

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