Lithium-Ionen-Technologie Schon wieder ein Akku-Zwischenfall bei Boeings Dreamliner

Redakteur: Peter Koller

Das ist bitter für Boeing: Schon wieder hat es ein ernstes Problem mit den Lithium-Ionen-Akkus beim Modell 787 Dreamliner gegeben – fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem die 787 nach zwei Zwischenfällen weltweit mit Startverbot belegt worden war.

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(Bild: Boeing Graphics)

Das aktuelle Problem betrifft eine 787 der Japan Airlines. Während geplanter Wartungsarbeiten gestern auf dem Flughafen von Tokyo bemerkten Techniker aus dem Cockpit heraus Qualm an der Außenseite des Flugzeuges, gefolgt von einer Batterie-Warnmeldung im Cockpit.

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Bei der Überprüfung der Hauptbatterie – sie garantiert die Notfall-Stromversorgung der Avionik-Systeme – zeigte sich, dass das Überdruckventil einer Batteriezelle sich geöffnet hatte und Flüssigkeit ausgetreten war. Das Ventil soll bei der Überhitzung von Zellen entstehendes Gas und Flüssigkeit kontrolliert nach Außen leiten.

Das betroffenen Flugzeug wurde von Japan Airlines außer Dienst genommen und eine Untersuchung eingeleitet. Vor fast exakt einem Jahr, am 16. Januar 2013, war die gesamte 787-Flotte weltweit gegroundet worden, nachdem sich zwei ernsthafte Zwischenfälle durch Probleme mit der Lithium-Ionen-Batterie ergeben hatten: Auf dem Boston Logan Airport hatte eine überhitzte Batterie am Boden einen Brand in einer 787 der Japan Airlines ausgelöst, wenige Tage später musste eine 787 der All Nippon Airways wegen Batterieproblemen eine Sicherheitslandung vornehmen.

Trotz des Startverbots hatte sich Boeing geweigert, von der erstmals in einem Passagierjet verwendeten Lithium-Ionen-Technologie zu traditionellen Nickel-Cadmium-Akkus zurückzukehren. Statt dessen wurde das verwendete Lithium-Ionen-Akkupack, das auf acht großen 32V-Zellen mit Lithium-Kobalt-Dioxid-Chemie basiert, massiv nachgebessert. So wurde der interne Abstand der Zellen erhöht, zusätzliche keramische Hitzeschilde integriert, das System in einen Stahlcontainer gepackt und das Überdrucksystem installiert. Auch die Software zur Überwachung der Zellen wurde überarbeitet.

Nach dem Redesign war das Flugverbot im Mai 2013 aufgehoben worden. Wie der aktuelle Zwischenfall in Japan nahelegt, scheinen die Sicherheitsmaßnahmen wie geplant funktioniert zu haben. Er ruft aber auch in Erinnerung, dass die eigentlich Ursache der Batterieprobleme des Dreamliner bis heute ungeklärt sind. Die US-Flugaufsichtsbehörde NTSB will bis zum Jahresende einen entsprechenden Untersuchungsbericht mit Ursachenforschung vorlegen.

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