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Schnell wie ein Blitz: Europäischer Erfinderpreis für MRT-Entwickler

Autor / Redakteur: Mit Material der dpa / Sebastian Gerstl

Früher mussten Patienten endlos in der Röhre liegen. Dank Jens Frahm geht es im MRT heute blitzschnell. Dafür wurde dem Forscher jetzt mit dem Europäischen Erfinderpreis eine hohe Ehre zuteil. Auch die Erfinder der Extrem UV-Lithografie (EUV) wurden ausgezeichnet, und eine Laserphysikerin erhielt den Preis für ihr Lebenswerk.

Die Mitarbeiter von Preisträger Jens Frahm, Volkert Roeloffs (l) und Kurt Böhm, legen eine Kopfspule, mit der sie Gewebeeigenschaften simulieren, in ein Magnetresonanztomograph (MRT). Frahm ist am 07.06.2018 in Paris mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet worden.
Die Mitarbeiter von Preisträger Jens Frahm, Volkert Roeloffs (l) und Kurt Böhm, legen eine Kopfspule, mit der sie Gewebeeigenschaften simulieren, in ein Magnetresonanztomograph (MRT). Frahm ist am 07.06.2018 in Paris mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet worden.
(Bild: Swen Pförtner/dpa)

Seine wahre Leidenschaft gilt dem Basketball. Jens Frahm ist nicht nur begeisterter Zuschauer. Wann immer möglich, geht der 67-Jährige Göttinger Biophysiker mit Ehrgeiz und Engagement auch selbst auf Korbjagd. Seine großen Erfolge hat der gebürtige Oldenburger allerdings nicht im Sport, sondern im Beruf erzielt und sich dabei um Millionen Patienten verdient gemacht: Sie müssen heute nicht mehr so wie früher scheinbar endlos in den engen und lauten Röhren von Magnetresonanz-Tomographen (MRT) liegen.

Dank der von Frahm stets weiter entwickelten Erfindung, der sogenannten Flash-Technologie, dauert die Untersuchung in diesen medizinischen High-Tech-Diagnosegeräten heute nur noch Sekunden oder Minuten. Mit dem Verfahren, das weltweit jährlich rund 100 Millionen mal genutzt wird, lassen sich beliebige Vorgänge im Körper in hochauflösenden dreidimensionalen Bildern direkt beobachten: Das schlagende Herz, sich bewegende Gelenke oder komplexe Abläufe beim Sprechen oder Schlucken.

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MRT 10.000-fach beschleunigt

Für diese Innovationen, die das MRT um das bis zu 10.000-fache beschleunigt haben, hat Frahm in Paris den Europäischen Erfinderpreis 2018 des Europäischen Patentamts (EPA) erhalten. Die undotierte Auszeichnung gilt als einer der europaweit wichtigsten Innovations-Preise.

Als Frahms Ehrung am Donnerstagvormittag bekannt wurde, gab es im Göttinger Max-Planck-Institut für biophysialische Chemie kein Halten mehr. "Wir jubeln und feiern hier, was das Zeug hält", sagte Frahms persönliche Mitarbeiterin Sylke Walbrecht. Denn der 67-Jährige ist nicht nur bei seinen Basketball-Kumpeln beliebt, sondern auch bei seinem Forscher-Team.

"Forschung, die den Menschen zugute kommt"

Frahm selbst war nicht in Göttingen, sondern in der französischen Hauptstadt, wo er die Auszeichnung persönlich entgegennahm. Sein Institut zitierte ihn mit den Worten: "Der Europäische Erfinderpreis ist eine große Ehre und eine wundervolle Anerkennung der innovativen Arbeit unseres ganzen Forschungsteams. Ich bin herzlich den vielen fantastischen Mitarbeitern dankbar, die über die Jahre daran gemeinsam gewirkt haben."

Der Erfinderpreis werde seine und die Motivation seines Teams weiter stärken, "wissenschaftliche Forschung zu betreiben, die unmittelbar Menschen zugute kommt", sagte Frahm.

Für die Max-Planck-Gesellschaft ist der persönlich stets bescheiden auftretende Preisträger im übrigen auch finanziell ein Glücksfall. Das Patent auf Frahms Flash-Entwicklung, das von führenden MRT-Herstellern übernommen wurde, hat der Forschungsgesellschaft bis heute rund 155 Millionen Euro an Lizenzeinnahmen eingebracht.

Auch Erfinder der EUV-Technik geehrt

Zu den weiteren Preisträgern des Europäischen Erfinderpreises zählen Erik Loopstra und Vadim Banine, die den Publikumspreis gewannen. Sie erhielten die meisten unter den Tausenden online abgegebenen Stimmen. Das Erfinderteam entwickelte bei ASML und mit dem deutschen Optikunternehmen ZEISS die Extrem UV-Lithografie (EUVL) zur Herstellung schnellerer und leistungsstärkerer Chips.

Der Award für das Lebenswerk ging an eine Frau: die Schweizer Physikerin Ursula Keller wurde für ihre Entwicklung der maßgeblichen Technologie für ultraschnelle Pulslaser in zahlreichen industriellen und medizinischen Anwendungen ausgezeichnet.

Insgesamt wurden sechs Preisträger aus sieben Ländern ausgezeichnet, darunter vier Erfinderinnen. Seit der erstmaligen Vergabe im Jahr 2006 wurden noch nie so viele Frauen wie in diesem Jahr geehrt.

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