Suchen

Big Data Scheitert die Digitalisierung am Fachkräftemangel?

| Autor / Redakteur: Ulfert Rotermund / Nico Litzel

Ohne Big Data wird die Digitalisierung der Industrie voraussichtlich scheitern, warnt Ulfert Rotermund, Geschäftsbereichsleiter IT bei Goetzfried Professionals. Ein zentrales Hindernis ist jedoch der eklatante Fachkräftemangel.

Firmen zum Thema

Der Autor: Ulfert Rotermund ist Geschäftsbereichsleiter IT bei Goetzfried Professionals
Der Autor: Ulfert Rotermund ist Geschäftsbereichsleiter IT bei Goetzfried Professionals
(Bild: Goetzfried Professionals)

Die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft ist in vollem Gange. Es gibt kaum noch Bereiche oder Branchen, die von der rasanten technologischen Entwicklung nicht maßgeblich betroffen sind. Für viele Unternehmen bieten sich ganz neue Geschäftsmodelle und lukrative Marktchancen.

Ein Schlüssel zum Erfolg liegt in Big Data. Doch nicht zuletzt aufgrund des akuten Fachkräftemangels fehlt es vielerorts in den IT-Abteilungen an den nötigen Skills und Ressourcen, um die vorhandenen Daten effektiv auszuwerten und für die eigenen Geschäftszwecke gezielt einzusetzen.

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft sind schon heute in unterschiedlichsten Branchen unverkennbar. Immer mehr Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen tauchen auf und bedrängen die etablierten Player am Markt. Aber auch diese entdecken längst die vor ihnen liegenden Möglichkeiten.

Ein gutes Beispiel ist etwa General Electric (GE). In der Vergangenheit verkaufte das Unternehmen Triebwerke als Zulieferer an Flugzeughersteller. Nun kann GE infolge der Digitalisierung seiner Triebwerkskomponenten Nutzungsdaten auswerten und mit den Flugzeuggesellschaften direkt Wartungsaufträge „as a Service“ abschließen.

Immer mehr Daten ...

Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Auswertung von Daten, die, angefangen bei der Fertigung bis hin zur Nutzung des Produktes, anfallen. Dadurch lassen sich beispielsweise Produktionsausfälle vorausschauend vermeiden und Produkteigenschaften optimieren. Aufgrund des riesigen Datenumfangs setzt das den Einsatz von Big-Data-Lösungen voraus, die von entsprechenden Experten bedient werden können.

... und immer weniger IT-Fachkräfte

Gleichzeitig fehlen aber 43.000 IT-Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt, wie der Branchenverband Bitkom vermeldet. Und nicht nur das: Eine repräsentative Befragung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) kommt zu dem Ergebnis, dass 85 Prozent der Befragten mit einer weiteren Verschärfung des IT-Fachkräftemangels in den kommenden drei Jahren rechnen. Scheitert die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft letztlich am Mangel an Fachkräften? Das wäre sicherlich zu drastisch formuliert. Aber der „War for Talents“ ist gerade im IT-Bereich in vollem Gang, zusätzlich verschärft durch die Tatsache, dass es den klassischen „IT-Experten“ so nicht mehr gibt. Die Vielfalt der Kompetenzen, die heute gerade in hochkomplexen Modernisierungsprojekten benötigt werden, lassen sich kaum noch in internen IT-Abteilungen abdecken, geschweige denn vorhalten.

Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau

Dies gilt insbesondere im Bereich von Big Data: Die Bandbreite reicht von Skills in Frameworks wie Apache Hadoop oder Spark, Exadata oder HANA, über Verständnis für Themen wie Machine Learning und Data Mining, bis hin zu statistischen und analytischen Fähigkeiten und der adäquaten Aufbereitung von Ergebnissen (Data Visualization).

Um die vorhandene Datenflut effektiv einsetzen zu können, bedarf es einer Vielzahl unterschiedlicher Fähigkeiten. Längst ist daraus ein eigenes Berufsbild entstanden, jenes des Data Scientists. Doch nur die wenigsten erfüllen diese Anforderungen. Immer mehr Unternehmen setzen aufgrund des fehlenden Spezialwissens in der eigenen IT-Abteilung auf externe Dienstleister. Dies verdeutlicht auch die aktuelle Sourcing-Studie von IDG Research Services: Dort gab jeder Dritte IT-Entscheider „mangelndes internes Know-How“ als größten Outsourcing-Grund an.

Externes Wissen nutzen und eigenes aufbauen

Outsourcing kann viele Gesichter haben: Dass ein ganzer Aufgabenbereich extern betrieben wird, geschieht immer seltener. Vermehrt werden einzelne Aufgaben in externe Hände gegeben („Outtasking“), oder aber Projektmitarbeiter temporär ins Unternehmen eingebunden. Für die Mehrheit der Unternehmen, die outsourcen, ist die Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Service-Providern heute bereits gängige Praxis und Teil der eigenen Unternehmensstrategie und -Philosophie.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Anbieter liefern nicht nur das benötigte Know-How und Personal zur passenden Zeit; sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, die komplette Wertschöpfungstiefe und Service-Bandbreite zu bedienen. Diese umfasst die Auswahl oder bedarfsgerechte Entwicklung der benötigten Big-Data-Tools, deren Betrieb, Wartung und Optimierung, die Vernetzung aller internen Prozesse sowie die fachmännische Datenanalyse. Hinzu kommt, dass sich die interne IT-Abteilung mit ihren begrenzten eigenen Ressourcen auf die für ihr Unternehmen wichtigen Kernthemen fokussieren und dennoch durch den entstehenden Wissenstransfer auf lange Sicht eigene Kompetenzen in den entsprechenden Bereichen aufbauen kann.

Digitalisierung erfordert neue Wege

Das Thema Digitalisierung ist nach langer Anlaufzeit endlich in den deutschen Unternehmen angekommen und verändert unsere Wirtschaft nachhaltig. Um nicht den Anschluss zu verlieren, bedarf es jedoch vielerorts neuer Wege. Die große Bandbreite der IT-Aufgaben lässt sich in dieser Form alleine nicht mehr bewältigen. Diese Situation wird durch den Mangel an Fachkräften weiter verschärft. Die strategische Einbindung externer Partner kann helfen, die eigenen Ressourcen auf spezifische Kernthemen zu fokussieren, den nötigten Personalbedarf für Digitalisierungsprojekte zu decken, Wissenslücken zu schließen und dadurch die eigenen Fachkompetenzen auszubauen.

Das Interview erschien zuerst bei unserem Partnerportal Big Data Insider.

(ID:44188411)