Puls Schaltznetzteilhersteller eröffnet Entwicklungs- und Fertigungsstandort in Tschechien

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Wenn ein Jubiläum und die Einweihung einer neuen Fabrik zusammentreffen, ist das gleich ein doppelter Grund zum Feiern – so etwa beim Schaltnetzteilhersteller Puls: Etwa 600 Gäste kamen zur offiziellen Eröffnung eines neuen Entwicklungs- und Fertigungsstandortes ins tschechische Chomutov und konnten gleichzeitig das 25-jährige Bestehen des Unternehmens begehen.

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Die futuristische Architektur der neuen Power-Fabrik soll die Fortschrittlichkeit und Innovationsstärke der Firma Puls und ihrer Produkte signalisieren
Die futuristische Architektur der neuen Power-Fabrik soll die Fortschrittlichkeit und Innovationsstärke der Firma Puls und ihrer Produkte signalisieren
( Archiv: Vogel Business Media )

Ist da etwa ein UFO gelandet? Weit gefehlt – bei dem futuristischen Objekt, das im Industriegebiet der tschechischen Königsstadt Chomutov ins Auge sticht, handelt es sich um das neue Entwicklungs- und Fertigungsgebäude der Puls GmbH. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern, Vertretern aus Politik und Wirtschaft sowie Geschäftspartnern feierte Unternehmensgründer und Inhaber Bernhard Erdl die offizielle Eröffnung der neuen Fabrik.

Der Pionier, der schon 1973 mit der Entwicklung getakteter Stromversorgungen begann und vor 25 Jahren die Puls GmbH gründete, lässt bereits seit 1999 in Tschechien fertigen. Aufgrund starker Expansion wurde eine höhere Produktionskapazität erforderlich, die jetzt der neue Standort mit 6.200 qm Produktionsfläche sowie einer Gesamtgrundstücksfläche von rund 60.000 qm bietet. Insgesamt Investierte Puls 17 Mio. € in den neuen Standort, 8 Mio. € für Maschinen und Einrichtungen sowie 9 Mio. € für Gebäude und Grundstück.

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Extravagantes Design

Erdl wollte sich in Chomutov nicht mit einem 08/15-Gebäude zufrieden geben, wie er stolz erklärt: „Das Gebäudedesign soll die Mitarbeiter motivieren, sie sollen stolz darauf sein und sich mit ihrem Unternehmen identifizieren.“ Daneben hatte Erdl weitere Gründe, das renommierte Münchner Architekturbüro Koch und Partner mit der Planung zu beauftragen: „Ich lege schon bei unseren Stromversorgungen Wert auf gute Form und lasse sie deshalb von Industriedesignern gestalten. Und so soll auch die neue Power-Fabrik in Chomutov hochqualitativ, zukunftsorientiert, dauerhaft und beständig, eigenständig, kreativ und innovativ sein. Auch findet sich die Verbindung zu den Puls-Produkten wieder in der Form und im Material Aluminium.“

Der Verwaltungs- und Lagertrakt ist seitlich mit einer Metallhaut aus großformatigen eloxierten Alublechen eingefasst, die an den Gebäudeenden halbkreisförmig gekrümmt sind. Die restlichen Fassadenflächen sind mit dunkel emaillierten Glaspaneelen verkleidet.

Das Gebäude ist bereits für die Prämierung des besten Industriebaus in Tschechien nominiert. Diese Nominierung wurde nicht nur für das ausgefallene Design, sondern auch für hervorragend geplante Arbeitsbedingungen für die 350 Mitarbeiter sowie eine ökologisch und umweltschonende Bauplanung ausgesprochen.

Der Umwelt zuliebe

Die Liste der Umweltschutzmaßnahmen ist lang, wie Erdl betont: „Von Anfang an war ein Spezialberater damit beauftragt, alle Materialien im Hinblick auf ihre Umweltverträglichkeit auszuwählen. Darüber hinaus haben wir hier keine energiefressende Klimaanlage, sondern wir setzen auf außenliegende Jalousien und Glaslamellenfelder zur nächtlichen Auskühlung der Räume. Auch nutzen wir möglichst viel natürliches Tageslicht, da alle Türen zu den Korridoren aus Glas oder Milchglas bestehen und damit keine künstliche Beleuchtung der Gänge notwendig ist und die Arbeitsplätze liegen bevorzugt an Fensterflächen.“

Burn-In mit Energierückspeisung

Eine Energiesparmaßnahme besonderer Art hat der Schaltnetzteil-Pionier in der Burn-In-Anlage vorgesehen: „Alle unsere Stromversorgungen werden einem sechsstündigen Dauertest unterzogen, bevor sie das Werk verlassen. Bislang wurden Lastwiderstände eingesetzt, um die elektrische Energie zu ‚verbraten’. Die dabei entstehende Hitze muss aufwändig abgeführt werden und auf diese Weise geht viel Energie verloren. In unserer neuen Burn-In-Anlage setzen wir erstmalig elektronische Lasten ein, welche die Energie wieder ins Netz rückspeisen. Auf diese Weise reduzieren wir den Energiebedarf auf 16 Prozent.“

Tschechien statt China

Warum die Wahl für die Fertigungserweiterung auf Tschechien fiel erklärt Erdl so: „1998 habe ich das tschechische Werk des amerikanischen Stromversorgungshersteller Artesyn mit damals 85 Mitarbeitern übernommen, sodass Puls also schon viele Jahre in Tschechien fertigt. Zudem ist Tschechien im Gegensatz zu Ungarn, Polen und Rumänien ein traditionelles Industrieland, in dem qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sprach die räumliche Nähe für den Standort, denn von Chomutov sind es nur etwa 20 Kilometer bis zur deutschen Grenze und nach München braucht man mit dem Auto gerade einmal dreieinviertel Stunden.“

Nähe, und zwar nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich und mental, ist laut Erdl ein wichtiger Grund, der gegen Asien sprach: „Puls ist ein europäisches Unternehmen und setzt auf die Sicherheit, die uns die EU bietet. Das beginnt schon beim Know-how-Schutz, der in China absolut nicht gegeben ist! Ein extremes Beispiel ist, dass in China nicht nur unsere Schaltnetzteile gefälscht werden, sondern sogar von unserem neuen Gebäude steht mittlerweile eine – wenn auch recht schlechte – Kopie im Industriepark Suzhou bei Shanghai.“

Dennoch ist das Thema China nicht ganz vom Tisch, wie Erdl betont: „Puls ist in China ja bereits mit einer kleinen Fertigung mit eigener Mannschaft in gemieteten Räumen vertreten und das wollen wir ausbauen.“ Konkret plant Puls 2008 einen Neubau für 10 Mio. € für eine Fertigung in Suzhou in China mit 10.000 qm Produktionsfläche und 500 Mitarbeitern. „Wir folgen ganz einfach unseren Kunden, die ebenfalls nach Asien gehen, wir nutzen die Kostenvorteile, die sich bieten und wollen zudem den lokalen Markt erschließen.“

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