Elektromobilität Schaltag AG: Elektrolastwagen nimmt Fahrt auf

Redakteur: Susanne Reinshagen

>> Die Elektromobilität hat auch die Lkws erreicht. Die Schaltag AG in Effretikon, eine Tochtergesellschaft von Rieter, hat Batteriemodule für den, nach eigenen Angaben, weltweit ersten 18-Tonnen-Elektrolastwagen gefertigt. Der E-Force-One-Elektrolastwagen ist kürzlich auf dem Gelände der Schaltag vorgefahren.

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E-Force One ist, gemäss Firmenangaben der weltweit erste Elektro-Lkw, der wirtschaftlich betrieben werden kann.
E-Force One ist, gemäss Firmenangaben der weltweit erste Elektro-Lkw, der wirtschaftlich betrieben werden kann.
(Bild: Tobi Stiller)

Die Freude der Mitarbeitenden war spürbar, als der E-Force-One-Elektrolastwagen auf dem Schaltag-Gelände in Effretikon vorfuhr. Wer es schaffte und auf eine kurze Testfahrt mitdurfte, dem schlug das Herz etwas höher. Man erlebt dabei ein völlig neues Fahrgefühl, denn der 18-Tonnen-Lkw fährt nicht nur geräusch- und emissionslos, er überrascht zusätzlich mit einer ungeheuren Beschleunigung.

Pionierleistung

In weniger als zwei Jahren haben die Ingenieure von E-Force One und Designwerk in Fehraltorf den gemäss Firmeninformation ersten rein batterieelektrisch betriebenen Lastwagen entwickelt, welcher wirtschaftlich betrieben werden kann. Diese Weltsensation hat dem innovativen Schweizer Hightech-Unternehmen bereits eine Auszeichnung in Deutschland eingebracht. Mit einem Energieverbrauch von weniger als 100 kWh pro 100 km auf der Autobahn, respektive 60–80 kWh in urbanen Zonen, wird eine Reichweite von 250–350 km pro Batterieladung erreicht. Laut Hersteller entspricht dies einem Dieselverbrauch von 6 bis 9 Litern je 100 km. Neben dem geringen Energieverbrauch sind niedrige Wartungs- und Reparaturkosten sowie der Wegfall von Steuern und Abgaben weitere markante Vorteile.

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Fokus auf Gesamtkonzept

Zwei Lithium-Eisenphosphat-Batteriemodule liefern den Strom für die beiden wassergekühlten Synchron-Elektromotoren. Für die Herstellung der Batteriemodule suchte Roger Miauton, CEO von Lithium Storage sowie CFO von E-Force One, einen geeigneten Partner. «Wir lassen komplette Baugruppen von spezialisierten Firmen herstellen, damit wir uns auf das Gesamtkonzept konzentrieren können. Wir haben mit Schaltag in Effretikon ein etabliertes Unternehmen mit grossem Erfahrungsschatz in den Bereichen Steuerungsbau, Kabelkonfektion und Mechatronik gefunden. Die geografische Nähe beider Firmen ist ein weiterer Vorteil unserer Zusammenarbeit.»

Power Pack

Inzwischen begleitet Schaltag E-Force One von der Entwicklungsphase bis zur erfolgreichen Industrialisierung. Schaltag fertigt für jeden Elektrolastwagen zwei Batteriemodule mit einer Gesamtkapazität von 240 kWh. Jedes Modul besteht aus zwei übereinander angeordneten Frames, welche mit je 60 Akkuzellen bestückt sind. Zusätzlich werden Litzen, Kabel und Überwachungsgeräte mechanisch montiert. Ein besonderes Augenmerk fällt auf die Qualität, die genaue Rückverfolgbarkeit und die besonderen Vorsichtsmassnahmen bei Arbeiten im Gleichspannungsbereich von mehreren hundert Volt.

Erfreuliche Perspektiven

«Das Interesse am E-Force-One-Lastwagen ist sehr gross. Die Lkw-Produktion muss so sicher und schnell wie möglich von 2 auf 100 pro Jahr hochgefahren werden. Dies ist nötig, damit E-Force One den Technologievorsprung nutzen kann, um sich möglichst rasch am Markt zu etablieren.»

Für Hansjörg Cueni, CEO von E-Force One in Fehraltorf, sind gute Partner für ein derart ehrgeiziges Projekt unabdingbar: «Schaltag passt einwandfrei zu uns. Für unsere ambitiösen Ziele haben wir einen starken Outsourcing-Partner mit viel Erfahrung und entsprechender Kapazität gefunden.»

Spannend ist dieses Projekt allemal. Die neuen Technologien werfen aber auch Fragen auf. Wie verändern emissionsfreie Nutzfahrzeuge unseren Alltag? Ist die Elektromobilität die alleinige Antwort auf die steigenden Umweltanforderungen? Feststeht: Alle Beteiligten leisten einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung unseres Ökosystems. <<

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