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Bestechungsskandal Samsung-Chef wegen Betrug und Bestechung angeklagt

| Redakteur: Sebastian Gerstl

Dem inhaftierten Erben des Samsung-Imperiums, Lee Jae Yong, soll in Südkorea wegen Korruption und anderer Vorwürfe der Prozess gemacht werden. Lee, offiziell Vize-Vorsitzender, aber de facto Chef des Elektronikkonzerns, steht im Zentrum eines Korruptionsskandals um Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye.

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Polizisten führen den Konzernerben von Samsung, Lee Jae-yong, zum Büro des Sonderermittlers. Dem inhaftierten Erben des Samsung-Imperiums soll in Südkorea wegen Korruption und anderer Vorwürfe der Prozess gemacht werden.
Polizisten führen den Konzernerben von Samsung, Lee Jae-yong, zum Büro des Sonderermittlers. Dem inhaftierten Erben des Samsung-Imperiums soll in Südkorea wegen Korruption und anderer Vorwürfe der Prozess gemacht werden.
(Bild: Ahn Young-Joon/STF/dpa)

Ein Sonderermittlerteam kündigte zum Abschluss der Untersuchungen zur Korruptionsaffäre um eine Vertraute der vorläufig entmachteten Präsidentin Park Geun Hye am Dienstag an, gegen den Vize-Vorsitzenden des Smartphone-Marktführers Samsung Electronics, Lee Jae Yong, und weitere Konzernmanager Anklage zu erheben. Samsung soll Organisationen der umstrittenen Park-Freundin Choi Soon Sil gefördert und im Gegenzug politische Unterstützung für die Fusion zweier Konzerntöchter erhalten haben.

Lee ist seit dem 17. Februar diesen Jahres auf Anordung des Central District Court in Seoul in Untersuchungshaft. Lee, der dem Elektronikkonzern Samsung in dritter Familiengeneration vorsteht und seit dem Tod seines Vaters de facto der Geschätfsführer des Konzerns ist, und anderen hochrangigen Samsung-Managern wird Bestechung, Veruntreuung und das Verstecken von Vermögensanteilen in Übersee vorgeworfen. Gegenüber Lee besteht zusätzlich noch eine Anklage wegen Meineids: Im Januar war der Manager bereits von südkoreanischen Ermittlungsbehörden verhört worden.

Kurz vor der Verhaftung Lees wies der Elektronikkonzern Samsung noch sämtliche Vorwürfe von sich: "Samsung hat absolut niemals die Präsidentin bestochen, um Gegenleistungen oder gesetzwidrige Gefallen zu erhalten", hieß es in einer offiziellen Verlautbarung Anfang Februar. Seit der Verhaftung hielt sich der Konzern mit Aussagen bezüglich der Affäre zurück. Eine Sprecherin deutete jedoch an, dass auch andere südkoreanische Unternehmen von den derzeit laufenden Ermittlungen betroffen seien.

Südkoreas größter Konzern soll als Gegenleistung für die Förderung von Unternehmen und Stiftungen von Choi Soon Sil, einer engen Vertrauten der südkoreanischen Regierungschefin Park Geun-hye politische Unterstützung für die Fusion zweier Firmentöchter erhalten haben. Die Freundin ist die Schlüsselfigur in einem Korruptionsskandal, der Park das Amt kosten könnte. Choi soll unter anderem dank ihrer Beziehungen zur Präsidentin Sponsorengelder für ihre Stiftungen eingetrieben und sich persönlich bereichert haben.

Park selbst wird verdächtigt, direkt oder indirekt auf den staatlichen Pensionsfonds eingewirkt zu haben, damit dieser die Übernahme des Bauunternehmens Samsung C&T durch Cheil Industries im Jahr 2015 bewilligt. Kritiker sahen in der Fusion eine Stärkung der Gründerfamilie des Konzerns. Gegen die 65-jährige vorläufig entmachtete Präsidentin läuft seit Dezember 2016 in der Affäre ein Amtsenthebungsverfahren.

Es wird erwartet, dass das südkoreanische Verfassungsgericht hinsichtlich nächsten Monat eine Entscheidung trifft. Sollte das Impeachment aufrecht erhalten werden wäre es das erste Mal, dass ein demokratisch gewählter Vertreter des südostasiatischen LAndes seines Amtes enthoben wird.

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