Smart Grid

Rückblick auf die European Utility Week

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Erste Erfahrungen von großen Zähler-Rollouts liegen vor

In den Fachvorträgen wurde sehr oft über die Erfahrungen beim Rollout von Smart Metern berichtet, seien es nun vernetzte Wasser-, Gas- oder Stromzähler. Aufgrund des in Italien gesetzlich vorgeschriebenen Einbaues von intelligenten Gaszählern für alle Verbrauchsstellen bis 2018, konnten vor allem die dortigen Versorger interessante Details dazu liefern.

So bereite oftmals die Kommunikation mit den Zählern nicht das größte Problem, sondern vielmehr vorzeitige Ausfälle der Zähler, ein ungewolltes Trennen der Versorgung oder auch Verbrauchsmessungen trotz Leerlaufs. Als hochproblematisch stellte sich in einigen Regionen zudem der Parallelbetrieb von Zählern mit unterschiedlichen Firmware-Revisionen heraus; ein Problem, das durch die in Italien geforderte Tauschbarkeit von Zählern unterschiedlicher Hersteller noch verschärft wird.

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Interessanterweise wurde von vielen Versorgern die bidirektionale Kommunikation über den wireless M-Bus (wM-Bus) mit 169 MHz als sehr robust angesehen und dabei wurden auch Reichweiten erzielt, die einer Kommunikation über die Stromleitung (PLC – Powerline Communication) ebenbürtig waren.

Lebt GPRS lange genug?

PLC selbst wurde von einigen Versorgern nicht unkritisch gesehen. Auch wenn es bei Stromzählern weiterhin der Kommunikationsweg erster Wahl ist, kann nicht immer eine hundertprozentige Erreichbarkeit der Zähler sichergestellt werden. Aus diesem Grund gehen einige Versorger dazu über, neben einem PLC-Modem zusätzlich eine Funkverbindung, sei es über wM-Bus oder GPRS, vorzusehen und damit ein RF-Mesh-Netzwerk aufzubauen, auf welches zurückgegriffen wird, falls die Verbindung über PLC für längere Zeit nicht aufgebaut werden kann.

Entsprechende Zähler mit Zwei-Wege-Kommunikation haben inzwischen etliche Hersteller im Angebot. Recht kontrovers diskutiert wurde dabei die Frage, ob das GPRS-Funknetz überhaupt noch über die gesamte Lebenszeit der Zähler zur Verfügung steht und daher entsprechende Modems verbaut werden sollten. Sah Steven Van den Berghe von Eandis in seiner Präsentation kein Ende von GPRS nicht vor Mitte oder Ende der 2020er-Jahre, so beklagte sich Vito Bisceglia von A.M.GAS in Bari, dass es sehr schwierig sei, von den Telekommunikationsunternehmen zuverlässige Auskünfte zum Ende von GPRS zu bekommen und bemängelte die damit fehlende Planungssicherheit. AT&T hat für Amerika bereits den Phase-Out beschlossen.

Aber selbst wenn GPRS lange genug leben sollte, könnte sich, bei durch das Internet der Dinge weiter anwachsendem Datenvolumen, die zur Verfügung stehende Bandbreite als problematisch herausstellen, da es dann zum Stau auf der (GPRS-) Datenautobahn kommen könnte.

Einig waren sich aber alle in einem Punkt: Die auf früheren Messen noch als große Neuerung herausgestellten intelligenten Stromzähler sind inzwischen zu Commodity-Produkten geworden, bei denen es mehr auf Evolution durch verbesserte Kommunikationsinterfaces oder Austauschbarkeit ankommt, als auf Revolution.

Neue Schwerpunkte für 2016

Die wohl größte Neuerung der Messe 2015 war, zumindest aus der Sicht der Veranstalter, die erstmalige Verleihung der European Utility Awards in den fünf Kategorien Sustainable Development (Gewinner: Schneider Electric), Smart Community (Vandebron), Young Innovator (Tobias Linnenberg, OEEX GmbH), Industry Innovation (UK Power Networks) und Utility Partnership (OVO Energy).

15 Firmen kamen vor der Messe in die engere Wahl aus denen ein unabhängiges Komitee von internationalen Industrieexperten die Gewinner auswählte. Die Preisverleihung fand dann am 4. November im Rahmen einer großen Party mit Live-Jazz-Musik und gutem Essen in Anwesenheit von rund 500 Fachleuten statt.

Von den meisten Teilnehmern, seien es Versorgungsbetriebe, Hersteller, Big-Data Analysten oder Startups wurde die Messe 2015 als voller Erfolg eingestuft. Und so freuen sie sich auch schon auf das nächste Jahr, wenn die European Utility Week in der Zeit vom 15. – 17. November 2016 in Barcelona stattfinden wird. Dort kommen dann weitere Themenschwerpunkte hinzu: Smart Generation und Intelligent Buildings.

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