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Weltraumforschung Rosetta schlägt planmäßig auf Komet „Tschuri“ auf

| Redakteur: Franz Graser

Die ESA-Sonde Rosetta hat ihre historische Mission nach mehr als zweijähriger Beobachtungstätigkeit mit einem kontrollierten Aufprall auf ihrem Kometen abgeschlossen.

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Der Komet Tschurjumow-Gerasimenko aus 8,9 Kilometern Höhe. Diese Aufnahme schoss „Rosetta“ während ihres Abstiegs zur Kometenoberfläche.
Der Komet Tschurjumow-Gerasimenko aus 8,9 Kilometern Höhe. Diese Aufnahme schoss „Rosetta“ während ihres Abstiegs zur Kometenoberfläche.
(Bild: ESA)

Der durch den Aufschlag bedingte Verlust des Rosetta-Signals wurde vom ESA-Bodenkontrollzentrum in Darmstadt am Freitag um 13.19 Uhr MESZ festgestellt. Damit ist die Mission definitiv zu Ende.

Ihr letztes Manöver, mit dem sich die Sonde aus einer Höhe von 19 Kilometern auf Kollisionskurs mit dem Kometen begab, führte sie am Donnerstag Abend um 22.50 MESZ durch. Ziel war eine Ma'at genannte Region mit aktiven Trichtern auf dem kleineren sogenannten Kopfende des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko.

Während der Anflugphase hatte Rosetta noch einmal die Gelegenheit, die Gas-, Staub- und Plasmaumgebung des Kometen aus nächster Nähe zu seiner Oberfläche zu beobachten und Aufnahmen in sehr hoher Auflösung zu machen.

Die Kometentrichter sind von besonderem Interesse, da sie bei der Kometenaktivität eine wichtige Rolle spielen und einen einzigartigen Einblick in das Innere dieser Himmelskörper bieten.

Die während des Flugs zu dieser faszinierenden Region gesammelten Daten konnten vor Rosettas Aufprall zur Erde gesendet werden. Die Funkverbindung zur Sonde ist nun endgültig abgebrochen.

"Rosetta hat ein weiteres Mal Geschichte geschrieben", erklärte ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner. "Wir feiern heute die Erfolge einer revolutionären Mission, die unsere Erwartungen und Hoffnungen bei weitem übertroffen hat und die gleichzeitig in einer Reihe mit den vergangenen Pionierleistungen der ESA in der Kometenforschung steht."

Zusammengesetztes Panorama der Aufnahmen, die die Sonde „Rosetta“ am Ende ihres Fluges machte.
Zusammengesetztes Panorama der Aufnahmen, die die Sonde „Rosetta“ am Ende ihres Fluges machte.
(Bild: ESA)

Rosetta hat seit ihrem Start 2004 sechsmal die Sonne umrundet und ist auf ihrer fast 8 Mrd. km langen Reise dreimal an der Erde, einmal am Mars und zweimal an Asteroiden vorbeigeflogen.

Während der sonnenfernsten Etappe wurde sie 31 Monate lang in einen Winterschlaf-Modus versetzt, bevor sie im Januar 2014 wieder geweckt wurde, um im August darauf endlich an ihrem Kometen anzukommen.

Nachdem Rosetta als erste Sonde in eine Umlaufbahn um einen Kometen eingebracht worden war und im November 2014 mit dem Aufsetzen des Landegeräts Philae eine weitere Premiere vollbracht hatte, widmete sie sich der Beobachtung der Veränderungen des Kometen, während dieser seinen sonnennächsten Punkt erreichte und sich anschließend wieder von der Sonne entfernte.

"Wir haben die Sonde 786 Tage lang in der unwirtlichen Umgebung des Kometen betrieben, mehrere gewagte nahe Vorbeiflüge an dessen Oberfläche durchgeführt, einige unerwartete Ausbrüche des Kometen überstanden und das Raumfahrzeug zweimal aus dem Notfallmodus wieder aktivieren können", so der Rückblick von Missionsbetriebsleiter Sylvain Lodiot.

"Unsere größte Herausforderung waren jedoch die Manöver in dieser Schlussphase, aber es ist ein durchaus passendes Finale, wenn Rosetta am Ende ihres faszinierenden Abenteuers dasselbe Schicksal ereilt wie Philae."

Die Entscheidung, die Rosetta-Mission auf der Kometenoberfläche zu beenden, wurde deshalb getroffen, weil Sonde und Komet sich erneut über die Jupiter-Umlaufbahn hinaus begeben werden. In solchen von Rosetta bisher nicht erreichten Entfernungen von der Sonne könnte die Sonde kaum mehr die zum Missionsbetrieb nötige Energie erzeugen.

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