Roboterboom in der Industrie erwartet

| Autor / Redakteur: mit Material von dpa-AFX / Sebastian Gerstl

Bis 2020 werden laut einem Bericht des internationalen Branchenverbands IFR mehr als 1,7 Millionen neue Industrie-Roboter in den Fabriken der Welt installiert.
Bis 2020 werden laut einem Bericht des internationalen Branchenverbands IFR mehr als 1,7 Millionen neue Industrie-Roboter in den Fabriken der Welt installiert. (Bild: Silas Stein/dpa)

Die Nachfrage nach Industrierobotern wird auch bis mindestens ins Jahr 2020 weiter anziehen. Die International Federation of Robotics (IFR) rechnet in den nächsten Jahren mit einem regelrechten Roboterboom in der Industrie. Mehr als 1,7 Millionen Roboter sollen in den nächsten drei Jahren neu eingesetzt werden.

Die Nachfrage nach Industrie-Robotern zieht nach Einschätzung des Branchenverbandes IFR in den kommenden Jahren kräftig an. Bis 2020 werde der weltweite Bestand von rund 1,828 Millionen Maschinen im vergangenen Jahr auf dann 3,053 Millionen steigen, erklärte die International Federation of Robotics (IFR) am Mittwoch in Frankfurt.

World-Robotics-Report 2017.
World-Robotics-Report 2017. (Bild: IFR)

"Roboter arbeiten mit höchster Präzision und werden - mit dem Internet der Dinge (IoT) vernetzt -eine Schlüsselrolle in neuen digitalen Fertigungsumgebungen spielen ", sagt Joe Gemma, Präsident der International Federation of Robotics. "Das rasant wachsende Modellangebot erweitert die Einsatzmöglichkeiten für Industrie-Roboter und gibt Betrieben aller Unternehmensgrößen die Chance, flexibel zu automatisieren."

Das stärkste Wachstum verzeichnet die Robotik-Branche den Angaben zufolge aktuell in Asien - angeführt von China als Weltmarktführer. In diesem Jahr würden die Roboter-Installationen in der Region Asien-Australien voraussichtlich um 21 Prozent steigen, in Nord- und Südamerika um 16 Prozent und in Europa um 8 Prozent.

Im vergangenen Jahr baute China den Angaben zufolge seine führende Position mit einem Marktanteil von 30 Prozent aus. Rund 87.000 Maschinen wurden dort verkauft. Deutschland rangiert im weltweiten Vergleich auf Rang fünf und liegt in Europa vorn. Der Roboterabsatz stieg 2016 im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 20.039 Einheiten

Auch die deutsche Robotik-Industrie hat im vergangenen Jahr Rekordumsätze erzielt. So erwirtschaftete die deutsche Robotik nach Zahlen des VDMA im vergangenen Jahr mit 3,6 Milliarden Euro ein Umsatzplus von 8 Prozent. In Stückzahlbetrachtung legte die Produktion um 21 % zu. Für 2017 prognostiziert der VDMA eine Umsatzsteigerung von mindestens weiteren 8 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro.

Zukunftstrends: Smarte Fabrik und Automatisierung kleinerer wie mittelständischer Betriebe

Industrie 4.0 - die digital vernetzte Fabrik - wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der globalen Fertigung spielen. Indem Hindernisse wie Systemkomplexität und Dateninkompatibilität überwunden werden, integrieren Betriebe Industrie-Roboter in die Produktion mit werksweiten Maschinen- und Systemnetzwerken. Die Roboterhersteller entwickeln und vermarkten bereits heute solche neuen Dienstleistungsmodelle: Diese basieren auf Echtzeitdaten der Roboter, die von Sensoren erfasst werden.

Analysten prognostizieren zudem einen schnell wachsenden Markt für Cloud-Robotik: Hier lassen sich Daten eines Roboters mit Daten von anderen Robotern synchronisieren und miteinander vergleichen - an demselben oder an unterschiedlichen Standorten. Das Cloud-Netzwerk erlaubt es allen miteinander vernetzten Robotern, die gleichen Aktivitäten auszuführen. Damit werden Parameter wie Geschwindigkeit, Winkel oder Krafteinsatz des Roboters optimiert. Die daraus resultierenden neuen Datenmengen in der Fertigung dürften in Zukunft die klassischen Branchengrenzen zwischen Anlagenbauern und Herstellern neu definieren.

Einige Roboterhersteller denken zudem derzeit über Leasingmodelle nach, um die Akzeptanz bei kleinen- und mittleren Herstellern zu beschleunigen. "Einfachheit" ist für dieses Marktsegment ein wichtiger Trend. Die anhaltende Nachfrage nach Robotern, die einfacher zu programmieren und zu nutzen sind und der steigende Bedarf nach immer flexiblerer Automation fördert die Entwicklung intelligenter Lösungen. Dies ist vor allem in Branchen gefragt, in denen es an spezialisierten Produktionsingenieuren mangelt. Damit wird es immer wichtiger, einfach zu bedienende Roboter zur Verfügung zu stellen, die sich problemlos in die Standard-Produktionsprozesse einfügen. Diese Industrie-Roboter ermöglichen eine effiziente und flexible Fertigung in einer Vielzahl von Branchen.

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