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RISC-V: Renesas setzt für ASSPs auf offene Prozessor-Architektur

| Redakteur: Michael Eckstein

Zukünftige Applikationsspezifische Standardprodukte (ASSP) des japanischen Chip-Herstellers Renesas sollen 32-Bit-Prozessorkerne auf Basis der offenen Befehlssatz-Architektur RISC-V bekommen. Dazu kooperiert das Unternehmen mit IP-Entwickler Andes Technology.

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More RISC(-V), more fun: Renesas nutzt – wie mittlerweile immer mehr Chiphersteller – die offene Prozessor-Architektur RISC-V als Basis für eigene Controller.
More RISC(-V), more fun: Renesas nutzt – wie mittlerweile immer mehr Chiphersteller – die offene Prozessor-Architektur RISC-V als Basis für eigene Controller.
(Bild: Renesas Electronics)

Kurz nach der angekündigten Übernahme des Prozessor-IP-Spezialisten ARM durch Nvidia kündigt Mikrocontroller-Hersteller Renesas einen applikationsspezifischen Baustein an, der Embedded-CPU-Cores auf Basis der offenen Befehlssatzarchitektur (ISA, Instruction Set Architecture) RISC-V integriert.

Konkret integriert Renesas die 32-Bit-RISC-V-CPU-Cores „AndesCore“ des taiwanesischen Core-IP-Anbieters Andes Technology in seine neuen ASSPs (Application-Specific Standard Products). Die Auslieferung von Mustern der System-on-Chips (SoC) an Kunden soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 beginnen.

Immer mehr kommerzielle Produkte mit RISC-V

Auch wenn beide Ereignisse – die geplante ARM-Übernahme und der RISC-V-Einstieg von Renesas – mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ursächlich zusammenhängen, verdeutlichen sie doch die zunehmende Bedeutung der Open-Source-Prozessorarchitektur.

RISC-V entwickelt sich mehr und mehr zu einer Alternative für die omnipräsenten, proprietären ARM-Cores – zumindest in einigen Anwendungsbereichen. Anders als frühere offene ISAs wie OpenRISC, die über den universitären Einsatz kaum hinausgekommen sind, hat RISC-V mittlerweile ein enormes Momentum erreicht. Die Liste der Unterstützer der RISC-V Foundation liest sich wie das Who-is-Who der Halbleiterbranche. Zudem hat es die Architektur bereits in kommerzielle Produkte geschafft – etwa in Controller von Western Digital oder FPGAs von Microchip.

RISC-V: Gut geeignet für Mainstream-CPUs in System-on-Chips

„Renesas und Andes begrüßen die Ära von RISC-V als die Mainstream-CPU-ISA für System-on-Chips“, erklärt Frankwell Lin, President von Andes Technology. Die Kooperation würde nicht nur einen Meilenstein für das eigene Unternehmen darstellen, sondern zeige auch die Akzeptanz der Open-Source RISC-V-ISA als Mainstream-Computing-Engine: „Die Kunden von Renesas profitieren von einer modernen ISA, die die Anforderungen an das Computing des 21. Jahrhunderts erfüllt.“

Renesas schätzt das skalierbare Leistungsspektrum, die auswählbaren Safety-Features und die kundenspezifischen Anpassungsoptionen der Andes RISC-V-Core-IP. Sie würden es Renesas ermöglichen, „innovative Lösungen für künftige ASSPs anzubieten“, erläutert Sailesh Chittipeddi, Executive Vice President, General Manager der IoT und Infrastructure Business Unit von Renesas. „Kunden, die nach kostengünstigen Alternativen für bestehende oder neue Anwendungen suchen, werden bei der Entwicklung sowohl von der Zeit- als auch von der Kostenersparnis profitieren.“

„Initiale RISC-V-Entwicklungs- und Software-Investitionshürden entfallen“

Seinen kommenden, auf der RISC-V-Core-Architektur basierenden ASSP-Bausteinen will Renesas dedizierte Tools zur Seite stellen. Entwickler sollen damit schnell die anwendungsprogrammierbaren Parameter der Chips konfigurieren können. Nach Aussage von Chittipeddi entfallen so die anfänglichen RISC-V-Entwicklungs- und Software-Investitionshürden. Darüber hinaus werde ein umfassendes Netzwerk regionaler Renesas-Partner mit spezialisiertem Fachwissen für einen erstklassigen und zielgerichteten Kundensupport sorgen, verspricht der Hersteller.

Andes Technology ist ein 2005 in Hsinchu Science Park, Taiwan, gegründetes Unternehmen, das seit 2017 an der Taiwan Stock Exchange gehandelt wird. Seit 2016 ist Andes Mitglied der RISC-V International Association. Seit 2017 entwickelt das Unternehmen 32/64-Bit-Hochleistungs-/Low-Power-Prozessor-RISC-V-Cores auf Basis seiner AndeStar-V5-Architektur sowie die passende Entwicklungsumgebung und Tools. Anvisierter Zielmarkt sind „die schnell wachsenden globalen Anwendungen für Embedded-Systeme“.

Nach eigenen Angaben hat das Gesamtvolumen der Andes-Embedded-SoCs bis Ende 2019 die 5-Milliarden-Marke überschritten. Die breite CPU-Produktlinie von Andes Technology umfasst erweiterbare Einstiegs-, Midrange- und High-End-Produktfamilien.

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