„Revolutionäre“ Nanodraht-3D-LEDs sollen Display-Effizienz verbessern

| Redakteur: Michael Eckstein

Erleuchtung: Die Nanowire-Säulen auf dem Siliziumsubstrat erhöhen die lichtaktive Oberfläche massiv, so dass die 3D-LEDs heller leuchten sollen als bisherige Techniken.
Erleuchtung: Die Nanowire-Säulen auf dem Siliziumsubstrat erhöhen die lichtaktive Oberfläche massiv, so dass die 3D-LEDs heller leuchten sollen als bisherige Techniken. (Bild: Aledia)

Mit seiner patentierten Nanowire-3D-LED-Technik für sehr leuchtstarke und energieeffiziente Backlights will Aledia den Display-Markt revolutionieren. Intel scheint von der Idee angetan und investiert in das französische Start-up.

LEDs auf Basis von Galliumnitrid auf Siliziumsubstrat emittieren rund dreimal mehr Licht pro Flächeneinheit als bisherige Technologien. Das ist das Ergebnis der Entwicklungen des französischen Start-ups Aledia aus Grenoble. Chip-Gigant Intel sieht darin offenbar eine zukunftsweisende Technologie und investiert in das junge Unternehmen. In der mittlerweile dritten Finanzierungsrunde sollen 30 Mio. Euro zusammenkommen.

Aledia wurde 2011 gegründet und baut auf den Grundlagenarbeiten des ebenfalls in Grenoble ansässigen Forschungsinstituts Leti auf. Das „Laboratoire d'electronique des technologies de l'information“ ist eines der größten Institute für anwendungsorientierten Forschung in Mikroelektronik und Nanotechnologien in Frankreich. Die dortigen Wissenschaftler haben sechs Jahre lang an der Fertigung von LEDs mit einer dreidimensionalen GaN-on-Silizium-Struktur gearbeitet.

Mehr Licht: Die 3D-Nanowire-Technologie von Aledia (rechts) lässt sich im Standardprozess auf großen Silizium-Wafern fertigen und erreicht eine rund dreimal höhere Leuchtdichte gegenüber bisherigen LED-Techniken (links).
Mehr Licht: Die 3D-Nanowire-Technologie von Aledia (rechts) lässt sich im Standardprozess auf großen Silizium-Wafern fertigen und erreicht eine rund dreimal höhere Leuchtdichte gegenüber bisherigen LED-Techniken (links). (Bild: Aledia)

Licht aus dem Säulenpark

Offenbar erfolgreich: Aledias Technologie nutzt nach eigenen Angaben Millionen winziger, lichtemittierenden GaN-Säulen, die orthogonal von der darunter liegenden Siliziumoberfläche aufragen. Diese Säulen haben Durchmesser von weniger als ein Micron.

Aledia entwickelt zwei Hauptplattformen für Displays. Beide basieren auf derselben, patentierte Nanowire-Technologie, die nach eigenen Angaben „extrem gut reproduzierbar, sehr gut und günstig auf großflächigen Silizium-Substraten zu fertigen“ ist.

Nano1 ist Aledias erste Plattform, die laut Hersteller bereits bald marktreif ist. Sie eignet sich für den Aufbau von Displays mit bis zu 2000 ppi (Pixel per Inch) und Leuchtdichten bis 100.000 Candela pro Quadratmeter (Nit). Laut Aledia zeichnen sich die Nano1-LEDs neben der großen Helligkeit durch ein besonders breites Farbspektrum (Color Gamut) aus. Nano 2 soll später extrem hohe Auflösungen von bis zu 5000 ppi sowie Leuchtstärken zwischen 5 und 10 Mio. Nits erreichen.

Heller und trotzdem stromsparender als herkömmliche LED-Techniken

Aktuell skaliert Aledia seine LEDs für eine Fertigung auf Silizium-Wafer mit 200 mm. Später soll das Verfahren auf Wafer mit 300 mm ausgebaut werden. Im Visier haben die Franzosen in erster Linie die Displays mobiler Geräte. Laut Aledia sollen sie heller leuchten und gleichzeitig weniger Strom verbrauchen, was der Akkulaufzeit zum Beispiel von Smartphones zugute käme. Das alles soll es nach Angaben des Unternehmens zu moderaten Preisen geben.

Aledia erklärt, dass es bereits mit Partnern an Lösungen für industrielle und Consumer-oientierte Produkte arbeitet. Dazu würden mittelgroße Panels für Computer und Mobiltelefone, kleinere Displays für VR- und AR-Produkte (virtuelle und erweiterte Realität) sowie Smartwatches zählen.

Auch Ikea setzt auf maximale Erleuchtung

„Energieeffizienz, Qualität und Kosten sind drei entscheidende Kriterien von Displays, die in mobilen elektronischen Geräten zum Einsatz kommen“, erklärt Gregory Bryant, Senior Vice President und General Manager der Client Computing Group von Intel, in einer von Aledia ausgegeben Meldung. „Wir sind überzeugt, dass Aledias 3D-LED-Technologie auf der Basis einer bewährten Prozesstechnologie mit großflächigen Siliziumsubstraten erfolgreich sein wird.“

Laut Giorgio Anania, CEO, Chairman und Mitgründer von Aledia, nutzen heute bereits rund drei Milliarden Menschen Mobilgeräte als Schnittstelle zum Internet, „und in den nächsten Jahren wird voraussichtlich LED-Technik bei der Mehrzahl dieser Geräte eingesetzt“. Die Technologie seines Unternehmens sieht er daher optimal positioniert.

Interessant: Auch Selbstbau-Möbelhersteller Ikea zählt neben Braemar Energy Ventures, Demeter, Ecotechnologies Fund der BPI France, Sofinnova Partners und Supernova Invest zur illustren Runde der Finanziers. In einer ersten Finanzierungsrunde hat Aledia 2013 etwa 10 Mio. Euro einwerben können. In der laufenden dritten Runde sollen weitere 30 Mio. Euro dazukommen.

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