Resilienz-Management: Eine Brücke zwischen Psychologie und Produktion schlagen

| Redakteur: Johann Wiesböck

Ziel der KI-Forscher: Mit Störungen in der Produktion nach dem Vorbild mental stabiler und erfahrener Menschen umgehen
Ziel der KI-Forscher: Mit Störungen in der Produktion nach dem Vorbild mental stabiler und erfahrener Menschen umgehen (Bild: Peter Winandy Aachen)

Resilienz besteht dann, wenn Menschen Methoden und Verhaltensweisen einsetzen, die sie vor negativen und nachhaltigen Auswirkungen von Stressoren schützen. Forscher wollen dieses Konzept aus der Psychologie nun mittels KI in die Produktion übertragen.

Mit der Konzeptidee „#SPAICER – skalierbare adaptive Produktionssysteme durch KI-basierte Resilienz-Optimierung“ ist es dem Team des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen University in Kooperation mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI in Saarbrücken und dem Institut für Technologie und Innovationsmanagement TIM der RWTH Aachen University gelungen, sich als eines von 35 Teams beim Ideenwettbewerb „Künstliche Intelligenz (KI) als Treiber für wirtschaftlich relevante Ökosysteme“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchzusetzen.

Die Vision des Forschungsprojektes #SPAICER ist es, ein Rahmenmodell für ein KI-basiertes Resilienz-Management für produzierende Unternehmen in Wertschöpfungsnetzwerken zu entwickeln. „Auf der Basis hybrider KI-Plattformen und begleitender ökonomischer und rechtlicher Nutzungskonzepte wollen wir die Grundlage für ein ‚Smart-Resilience-Service-Ökosystem‘ für verschiedene Stakeholder in Produktionsnetzwerken schaffen“, beschreibt Professor Wolfgang Maaß, wissenschaftlicher Leiter des DFKI in Saarbrücken, die Aufgaben des Forschungsprojektes.

Erkenntnisse der Psychologie in der Produktion nutzen

In der Psychologie beschreibt Resilienz die Fähigkeit eines Menschen, mit kritischen Situationen umzugehen oder schnell in einen Zustand vor diesen kritischen Situationen zurückzukehren. Resilienz besteht also dann, wenn Menschen Prozesse, Methoden und Verhaltensweisen einsetzen oder entwickeln, die sie vor möglichen negativen und nachhaltigen Auswirkungen der Stressoren schützen.

„Das Projekt #SPAICER soll klären, in wie weit wir das Konzept der Resilienz aus der Psychologie mittels KI in die Produktion übertragen können“, so Dr.-Ing. Daniel Trauth, Oberingenieur am Lehrstuhl für Technologie der Fertigungsverfahren des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen und Leiter des Bereiches Digitale Transformation von Fertigungsverfahren. „Außerdem soll untersucht werden, wie viele Störungen ein technisches Produktionsnetzwerk, bestehend aus Maschinen, Menschen und Märkten, ertragen kann, bevor Qualität, Kosten oder Produktionszeiten nachhaltig aus dem Ruder laufen.“

Unterstützen Sie die Forscher mit Ihrer Erfahrung

Der Kontakt zu vielfältigen Industrieunternehmen ist dabei essenziell für den Erfolg des Projekts, weshalb die Forscher von WZL, DFKI und RWTH TIM auf den Dialog mit Industrie und Wirtschaft angewiesen sind. Nur so können die Bedarfe richtig identifiziert und bewertet werden.

„Unternehmen scheitern häufig an der Kernaufgabe, auf eine sich verändernde Umwelt, wie neue Marktteilnehmer, andere Kundenbedürfnisse, technologischen Wandel oder ähnliches, mit einer geeigneten Transformation der eigenen operativen, aber auch strategischen Ausrichtung schnell genug zu reagieren", erklärt Christian Gülpen, Bereichsleiter Digitalisierung am Institut für Technologie und Innovationsmanagement an der RWTH Aachen University.

Dies sei eine der Ursachen dafür, dass viele etablierte Unternehmen Schwierigkeiten beim Umgang mit Start-Ups haben. Die Ursachen für diese organisationale Trägheit seien vielfältig. Im Rahmen von #SPAICER sollen deutsche Unternehmen mit einer Kombination aus KI und Plattform-Ökonomie dabei unterstützt werden, diese Herausforderungen in Wettbewerbsvorteile zu verwandeln.

Das Forschungsprojekt startete am 15. April 2019. Die Forscher von WZL, DFKI und RWTH TIM sind nun angehalten, das Konzept in den nächsten vier Monaten so auszuarbeiten, dass es in einer dreijährigen Umsetzungsphase ab dem 01. Januar 2020 praxisrelevant realisiert werden kann. Im August 2019 wird es jedoch zuvor von einer unabhängigen Jury bewertet.

Interessierte Unternehmen sind eingeladen, die Forscher von WZL, DFKI und RWTH TIM zu beraten. Hierfür stehen ein unverbindlicher Fragebogen, ein Letter of Intent und vielfältige Kontaktmöglichkeiten auf der Internetseite des Projekts bereit: https://medium.com/spaicer-resilient-manufacturing

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