Rekord: Mikroelektronik-Weltmarkt wuchs 2017 auf 412 Mrd. Dollar

| Redakteur: Michael Eckstein

Erfolg mit Beigeschmack: China gewinnt deutlich Anteile am Mikroelektronikmarkt hinzu, Europa verliert.
Erfolg mit Beigeschmack: China gewinnt deutlich Anteile am Mikroelektronikmarkt hinzu, Europa verliert. (Bild: ZVEI)

2017 war ein starkes Jahr für die Mikroelektronik: Nach den Analysen des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) wuchs der weltweite Markt so stark wie seit 2000 nicht mehr.

Trump hin, Brexit her: Allen Unwägbarkeiten zum Trotz hat der weltweite Markt für Mikroelektronik 2017 um 21 Prozent auf 412 Milliarden US-Dollar zugelegt. Und damit das größte Wachstum seit der Jahrtausendwende erreicht. Umsatztreiber waren einmal mehr Speicherchips, primär wegen exorbitanter Preissteigerungen in diesem Segment. Doch auch ohne diesen Effekt lag das Plus des Weltmarkts bei fast zehn Prozent.

Interessant ist, dass ein überproportional großer Teil des Wachstums durch Käufer in den USA generiert wurde. Gegenüber 2016 kauften amerikanische Hersteller rund 36,5 Prozent mehr ICs ein. Damit setzt sich ein seit gut vier Jahren andauernder Trend fort.

Besonders großen Anteil am Weltmarkt für Mikroelektronik hat China: Allein auf die Volksrepublik entfielen 131 Milliarden US-Dollar von den insgesamt 412 Milliarden US-Dollar. Damit war dieses Land erstmals der größte Einzelmarkt weltweit. Insgesamt erreichte Asien einen Anteil von gut 61 Prozent und dominierte damit auch 2017 den Weltmarkt für Mikroelektronik.

Der Analyse des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie zufolge zeigt China künftig mit plus 4,6 Prozent weiterhin das größte Wachstum. Der chinesische Markt wird bis 2022 auf 165 Milliarden US-Dollar ansteigen. Sein Anteil wächst damit leicht auf ein Drittel des Weltmarkts. Der europäische Markt an Halbleitern wächst nur um gut drei Prozent. Sein Anteil am Weltmarkt wird dadurch auf dem heutigen Niveau von neun Prozent bleiben.

Europa ist weiterhin stark bei Automotive- und Industrieelektronik

Der europäische Markt hat einen Anteil von 38 Milliarden US-Dollar am Gesamtergebnis. Damit lag der Umsatz 2017 um 9 Prozent niedriger als im Jahr 2000. Europäer sind führend bei Halbleitern für die Segmente Automobilelektronik und Industrieelektronik. Mit Portfolio-Anteilen von 33 und 24 Prozent sind die Europäer im weltweiten Vergleich am stärksten auf diese Wachstumsfelder fokussiert. Doch selbst stark gesteigerte Umsätze in diesen Bereichen konnten den Verlust der PC-Industrie und Consumer-Elektronik bis heute nicht kompensieren.

Sorgen macht sich Dr. Ulrich Schäfer, Marktexperte für Mikroelektronik des ZVEI, über Übernahmeversuche beispielsweise von NXP durch Qualcomm: „Durch eine Fusion würde Europa nicht nur den größten Hersteller von Automotive-ICs verlieren, sondern es würde auch wichtige Verschlüsselungstechnologie ins europäische Ausland gelangen.“ Tatsache ist, dass es mit NXP, Infineon und ST Microelectronics drei europäische Unternehmen gibt, die besonders stark auf dem Gebiet hardwarebasierter Kryptomodule sind – die nach jetzigem Wissensstand keine Backdoors für staatliche Kontrollen enthalten.

Treiber sind Assistenzsystem, E-Mobilität, Industrie 4.0 und Internet of Things

Der Mikroelektronik-Trendanalyse des ZVEI zufolge lassen die Segmente Automobil- und Industrieelektronik in den kommenden fünf Jahren weiter hohe Zuwächse erwarten. „Das gibt Halbleiterherstellern langfristige Planungssicherheit“, sagt Schäfer. Abnehmer sind hier vor allem die Hersteller von Automobil-Elektronik und Unternehmen aus dem Bereich Automation. Immer mehr Fahrerassistenzsysteme und die Elektromobilität würden den Bedarf im Bereich Automobilelektronik antreiben. Industrie 4.0 und das Internet of Things seien hingegen die Herausforderungen der Industrieelektronik.

Diese Märkte sind es auch, die den Umsatz mit Sensoren im letzten Jahr haben emporschnellen lassen – ein Segment, „bei dem Deutschland weltweit eine absolute Spitzenposition belegt“, erklärt Dr. Sven Baumann, Referent des ZVEI. Diese gelte es zu schützen. „Firmen aus diesem Bereich stehen bereits als Übernahmeziele auf der Agenda von Ländern wie China und USA.“

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