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Reinhold Würth wird 85 – Unternehmer mit Dynamik und Leidenschaft

| Autor / Redakteur: Michael Brehme, dpa / Dr. Anna-Lena Gutberlet

„Ich habe theoretisch noch die volle Macht im Konzern in meiner Hand,“ sagt Reinhold Würth. Mit 19 Jahren übernahm er das Familienunternehmen, welches sich mit seiner Hilfe zu einer Unternehmensfamilie entwickelte.

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Reinhold Würth: Unternehmer mit Dynamik und Leidenschaft feiert am 20. April seinen 85. Geburtstag.
Reinhold Würth: Unternehmer mit Dynamik und Leidenschaft feiert am 20. April seinen 85. Geburtstag.
(Bild: Marijan Murat/dpa)

Untrennbar ist die Geschichte der Würth-Gruppe mit dem Unternehmer Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth, dem heutigen Stiftungs­aufsichtsrats­vorsitzenden der Würth-Gruppe, verbunden. Der Aufbau des Familienunternehmens mit heute über 400 Gesellschaften in über 80 Ländern ist eine in der internationalen Unternehmerlandschaft beispielhafte Erfolgsgeschichte:

1945 wurde in Deutschland das Mutterunternehmen des Konzerns, die Adolf Würth GmbH & Co. KG, durch Adolf Würth gegründet. Reinhold Würth begann 1949 mit 14 Jahren in der väterlichen Schraubengroßhandlung eine kaufmännische Lehre. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1954 übernahm der damals 19-Jährige das Unternehmen und wurde zum Ernährer der Familie. Ausgehend von den Aufbaujahren der Nachkriegszeit in Deutschland entwickelte er aus dem damaligen Zweimannbetrieb einen weltweit tätigen Handelskonzern.

Der Schritt in die Elektronikindustrie

Reinhold Würth war es, der frühzeitig die großen Wachstumspotenziale im Elektronikbereich erkannte. So gründete er 1971 innerhalb der Adolf Würth GmbH & Co. KG die Abteilung Würth Elektronik – trotz der Einwände seitens des Unternehmensbeirats gegenüber dem „branchenfremden“ Geschäft. Nach einem Abstecher als Messgerätehersteller konzentrierte sich die neue Abteilung auf die Produktion von Leiterplatten für die Elektronikindustrie. Mit dem wachsenden Erfolg wurde aus der Würth Elektronik Leiterplattentechnik in Niedernhall 1976 ein eigenständiges Unternehmen, heute die Würth Elektronik Circuit Board Technology (CBT). Einen Ausführlichen Beitrag zur Geschichte von Würth CBT finden Sie hier.

1984 werden unter dem Dach der Leiterplattenfertigung in Niedernhall die zwei Geschäfts- beziehungsweise Unternehmensbereiche Elektromechanische Baugruppen (EMB) und Verbindungstechnik (VBT) gegründet. Dies ist der Startschuss für ein rasantes Wachstum der Würth Elektronik in den Märkten für elektronische und elektromechanische Bauelemente sowie für intelligente Power- und Steuerungssysteme. Aus Würth Elektronik EMB wird im Jahr 2000 Würth Elektronik ICS (Intelligent Connecting Systems). Seit 2007 agiert Würth Elektronik ICS GmbH & Co. KG als rechtlich selbstständiges Unternehmen. Bereits 2002 war aus Würth Elektronik VBT die rechtlich selbstständige Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG (emc & inductive Solutions) geworden. Wie es zum großen Erfolg mit den kleinen Teilen kam, können Sie hier nachlesen.

„Ich habe theoretisch noch die volle Macht im Konzern in meiner Hand.“

Inzwischen hat sich Würth längst aus dem operativen Bereich des gleichnamigen Konzerns zurückgezogen. Doch das Wort des alten Visionärs, der heute (20.4.) seinen 85. Geburtstag feiert, hat noch immer Gewicht in der Firmenzentrale im hohenlohischen Künzelsau. Würth sagt: „Ich habe theoretisch noch die volle Macht im Konzern in meiner Hand.“

Im hohen Alter ist der Milliardär so breit aufgestellt wie selten in seinem Leben. Er betreibt Hotels und Spitzenrestaurants, hat eine einzigartige Kunstsammlung von mehr als 18000 Werken angehäuft, reist in der Welt umher, verwaltet seinen Reichtum. Würth gilt als einer der reichsten Deutschen überhaupt, taucht regelmäßig im „Forbes“-Milliardärsranking auf. Und wacht quasi nebenher natürlich noch immer über die Entwicklung seines Konzerns.

Würth hält nach wie vor Reden vor den Mitarbeitern, macht seinen Außendienstlern Dampf, mischt sich ein. Die Firma ist noch immer sein Baby, auch wenn er formal keine Entscheidungen mehr trifft. Mag Würth in einigen Punkten auch etwas altersmilde geworden sein, so ist er mit Blick auf die Geschäftsentwicklung ganz der Alte. Was er sehen will, ist Wachstum. Wenn eine Firma nicht mehr wachse, könne sie schnell Probleme bekommen, argumentiert er.

Erfahrungen aus früheren Krisen helfen auch jetzt in Zeiten von Corona

Diese Haltung macht sich auch und gerade in Zeiten von Corona bezahlt. „Bisher hat die Pandemie keinen allzu großen Schaden angerichtet, das wird jetzt erst kommen und in den Folgemonaten ziemlich dramatisch werden“, sagte Würth Anfang April mit Blick auf die weltweite Krise. Sicherlich werde man dann auch Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Aber: „Nach heutigem Kenntnisstand werden wir niemanden entlassen, weil wir davon ausgehen, dass ein Medikament oder Impfstoff herauskommt, der das Virus tötet.“

Man habe gewisse Erfahrungen aus den Krisenjahren 2008 und 2009, sagt Würth. „Damals brach der Umsatz um 20 Prozent ein, aber wir hatten trotzdem noch 200 Millionen Euro Gewinn im Konzern. Das ermuntert uns einigermaßen, dass wir die Krise auch dieses Mal mit einigen Blessuren, aber ohne große Probleme überstehen werden.“

Würth teilt die Entwicklung von Unternehmen in drei Stufen ein: die Phase des Werdens, die Phase des Seins und die Phase des Vergehens.

„Ich möchte, dass wir uns so lange es geht in der Phase des Werdens bewegen. Das erreicht man am besten, indem man die Umsätze vergrößert, Firmen zukauft, neue Geschäftsfelder aufmacht – indem man agil und vital bleibt.“ Schon der darauffolgende Zustand – die Phase des Seins – symbolisiere Stillstand, eine Buchhaltermentalität greife dann um sich und es werde nur noch verwaltet. Unternehmen in diesem Zustand müssten oft ihr Tafelsilber verkaufen, um den Betrieb am Laufen zu halten: „Ich hoffe, dass wir nicht dahin kommen.“

Bis zur Corona-Krise sah es jedenfalls nicht danach aus. Die Würth-Gruppe steigerte ihren Umsatz 2019 erneut auf nun mehr als 14 Milliarden Euro – ganz im Sinne des Patriarchen, der im Jahr 2008 unter Beschuss stand: Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Steuerhinterziehung gegen ihn. Würth akzeptierte schließlich einen Strafbefehl und zahlte 3,5 Millionen Euro Strafe. Er versicherte später: „Ich sage Ihnen beim Leben meiner Kinder: Ich habe nie einen Cent Schwarzgeld gehabt. Das war alles aufgebauscht.“ Er hoffe, dass ihn die Menschen „nicht als Gauner in Erinnerung behalten“.

Würth hat sein Unternehmen wohl auch deshalb so groß machen können, weil er selbst ein passionierter Verkäufer war. „Der Verkäuferberuf ist der schönste auf der ganzen Welt, weil Sie permanent mit allen Sorten von Menschen, die auf Gottes Erdboden leben, in Kontakt kommen“, urteilt er. Hin und wieder begleitet er seine Außendienstler noch zu Kundenbesuchen – auch wenn das dann, wie er zugibt, nichts mehr mit dem Verkaufsalltag zu tun hat. Das sei eher wie Kino. „Die Verkäufer kündigen bei unseren Kunden schon vorab an, dass sie nächstes Mal den alten Würth mitbringen. Dann hängen die Kunden extra die Würth-Fahnen raus, und die Frau backt einen Kuchen“, berichtet er. „Unter unseren Verkäufern wird es mit Schmunzeln und Wohlwollen zur Kenntnis genommen, dass der alte Gnom da immer noch ein bisschen im Außendienst mitmischen will.“

Vor rund 30 Jahren, als der Konzern schon gewaltig gewachsen und Würth schon Milliardär war, überführte er die Firma in Stiftungen, um sie für die Zukunft abzusichern. Zu oft hatte er miterlebt, wie andere Familienunternehmen im Erbgang litten oder zerfielen – spätestens, wenn Enkel oder Urenkel das Sagen hatten. „Ich habe schon die Hoffnung, dass es das Unternehmen in der jetzigen Form auch in 30, 40 Jahren noch gibt, da glaube ich hundertprozentig dran“, sagt Würth inzwischen. Wobei eines klar sei: „Nichts ist für die Ewigkeit auf dieser Welt, das zeigt die Wirtschaftsgeschichte deutlich.“

Reinhold Würth liebt Musik und engagiert sich kulturell und sozial

In seiner beruflichen Laufbahn hat sich Reinhold Würth vielfältig sozial und kulturell engagiert und ist bis heute noch aktiv. Der passionierte Sammler moderner und zeitgenössischer Kunst fördert seit langen Jahren Projekte im Bereich Kunst und Kultur, Forschung und Wissenschaft sowie Bildung und Erziehung. Um dieses Engagement zu bündeln, gründete er 1987 gemeinsam mit seiner Frau Carmen die Stiftung Würth. Von 1999 bis 2003 leitete er zudem das Interfakultative Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH) in Deutschland.

Die von Reinhold Würth aufgebaute Sammlung Würth umfasst derzeit über 18.000 Kunstwerke. Sie wird in vier Museen in Deutschland sowie in zehn Kunstdependancen an den Unternehmenssitzen der internationalen Gesellschaften gezeigt.

Auf die Feierlichkeiten um seinen Geburtstag sowie zum 75-jährigen Bestehen des Unternehmens, die mit einer Festwoche der Würth-Gruppe vom 21. bis 28. Juni 2020 mit verschiedenen Veranstaltungen und Konzerten in Künzelsau begangen werden sollten, muss Reinhold Würth dieses Jahr leider aufgrund der Corona-Pandemie verzichten. Die Veranstaltungen sollen im nächsten Jahr nachgeholt werden.

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