Leistungstest bestanden Rein elektrisch angetriebener Bus erklimmt den Großglockner

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Erstmals hat ein zu 100 Prozent elektrisch angetriebener, 12 Meter langer Niederflur- und Panoramabus den Leistungs- und Hochgebirgscheck auf der Großglockner Hochalpenstraße bestanden.

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Erklimmt erfolgreich den Großglockner: ein rein elektrisch angetriebener Niederflurbus.
Erklimmt erfolgreich den Großglockner: ein rein elektrisch angetriebener Niederflurbus.
(Bild: grossglockner.at / Franz Neumayr)

Noch bevor Medienvertreter und die Mobilitätsreferenten der Bundesländer Salzburg und Kärnten, Landesrat Stefan Schnöll und Landesrat Sebastian Schuschnig, in den E-Bus stiegen, hatte dieser mit seinen mehr als 14 Tonnen Leergewicht, 475 PS Leistung und einer Reichweite von knapp 500 km bereits die über 100 km lange Anreise aus Salzburg zurückgelegt.

Dann bestand der Niederflur- und Panoramabus den ultimativen Leistungs- und Hochgebirgscheck „Großglockner Hochalpenstraße“ mit ihren 36 Kehren und einer Steigung von bis zu 12 Prozent völlig problemfrei.

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Elektrisch auf 2.504 Meter

Nachdem der Bus weitere 24 km im Hochgebirge zurückgelegt hatte, konnte am Hochtor, der Passhöhe der Großglockner Hochalpenstraße auf 2.504 m und gleichzeitig Landesgrenze der beiden Bundesländer Salzburg und Kärnten, noch deutlich über 50 Prozent Restkapazität festgestellt werden. Sogar die 20 km-lange Weiterfahrt bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, unmittelbar am Fuße des Großglockners (mit 3.798 m Österreichs höchster Berg), meisterte der rein elektrisch angetriebene Bus ohne Schwierigkeiten.

Auch die Rückfahrt über Fusch an der Großglocknerstraße, Zell am See und die Tauernautobahn nach Salzburg war mit einer Gesamtlänge von etwa 330 km, davon ein Drittel im Gebirge, kein Problem.

Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Antriebstechnologien

„Die Großglockner Hochalpenstraße war schon vor einem Dreivierteljahrhundert Gradmesser für die Leistungsfähigkeit der Antriebstechnologien, allerdings nur für Verbrennungsmotoren“, betont Johannes Hörl, Vorstand der Grohag. „Wir wollen uns aber – maßgeblich der besonderen Naturlandschaft des Nationalparks Hohe Tauern und im Sinne der Nachhaltigkeit – mit zukunftsweisenden, emissionsfreien, alternativen Antriebstechnologien und mehr nachhaltigen Einsatzmöglichkeiten auf der Großglocknerstraße beschäftigen. Darum haben wir diese einzigartige Leistungsüberprüfung mit Unterstützung unserer Partner durchgeführt und es wird mit dem erzielten Testergebnis ganz klar nachgewiesen: Es ist möglich!“

Elektrobusse eignen sich fürs Hochgebirge

„E-Busse und elektrischer Schwerverkehr wurden bis dato oftmals totgesagt, so wie es noch vor wenigen Jahren auch beim Elektro-Pkw der Fall war“, ergänzt David Gruber, Geschäftsführer Silenth.eu, Experte für E-Mobilität. „Wir konnten nachweisen, dass der Elektrobus über alle Erwartungen hinaus sogar für das Hochgebirge ideal geschaffen ist. Diese Botschaft ist vor allem auch für Gemeinden und öffentliche Stellen wichtig. Denn der Öffentliche Personennahverkehr wird sich mit dieser Information Österreich, aber auch weltweit, beschäftigen müssen.“

Sanfter Tourismus und nachhaltige Mobilität

„Nachhaltigkeit wird sowohl in der Mobilität als auch im Tourismus immer wichtiger“ erklärt Sebastian Schuschnig, Kärnten. „Das Testergebnis am Großglockner zeigt mitten in einer sensiblen Naturlandschaft, dass sanfter Tourismus und nachhaltige Mobilität künftig noch stärker Hand in Hand gehen können. Der Einsatz von alternativen und klimaschonenden Technologien, wie dem Elektro- oder Wasserstoffantrieb, sind dafür die Grundlage und bereits jetzt ‚State of the art‘. Klimafreundliche Antriebe werden auch unsere mobile Zukunft schrittweise bestimmen. Die Möglichkeiten, gleichzeitig auch die Mobilität im Urlaub neu zu denken und sind enorm. Eine nachhaltige Mobilität im Urlaub und die Urlaubsanreise mit den Öffis werden wir im Kärntner Tourismus weiter forcieren. Denn Klimaschutz funktioniert am besten durch Innovation, das wurde heute eindrucksvoll bewiesen.“

Bis 2025 müssen 22,5 Prozent neuer Busse emissionsfrei sein

„Durch die Clean Vehicle Directive müssen bis zum Jahr 2025 mindestens 22,5 Prozent aller neu zu beschaffenden Busse „emissionsfrei“ sein. Es wird deshalb intensiv an alternativen Antrieben geforscht, um dieses Ziel auch wirklich umsetzen zu können“, erläutert Stefan Schnöll. „Der Leistungstest des E-Bus‘ hat uns alle beeindruckt und zeigt, dass die Elektromobilität bereits sehr gut entwickelt ist. Wir können uns mit diesen neuen Technologien Schritt für Schritt einem klimaneutralen Verkehr nähern.“

Alternativen zu Verkehrslärm und Emissionen

Schon seit Langem bemüht sich die Grohag intensiv darum, verstärkt emissionsfreien Verkehr anzuziehen. So wurden in den letzten Jahren zahlreiche Initiativen gestartet und Aktivitäten gesetzt, um Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb zu fördern, sie bekannt zu machen und auf der Bewusstseinsebene den Menschen mitzuteilen, dass es taugliche Alternativen gibt. Von der erste E-Mobility-Leistungsschau auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe bereits im Jahr 2010 bis zu den zahlreichen Glockner- und Königsetappen von e-miglia (mit TÜV-Süd) und Wave (World Advanced Vehicle Expedition) wurde im Verlauf der letzten Jahre noch die E-Ladeinfrastruktur bedeutend erweitert sowie auch ein Sondertarif für Wasserstoff- und E-Fahrzeuge geschaffen. Auch der Bedarf für Reise- und Shuttlebusse sollte in naher und mittlerer Zukunft für alternative Antriebe möglich sein, jedoch war bis dato unklar, ob es technisch überhaupt möglich und damit umsetzbar sein würde.

Ziel der E-Bus-Tests ist in emissionsfreies Shuttle

Nun hat endlich ein 100-Prozent-Elektrobus den Leistungstest „Großglockner Hochalpenstraße“ im Hochgebirgseinsatz bestanden. Langfristiges Ziel dieser E-Bus-Tests ist es, ein emissionsfreies Shuttle zwischen dem Parkplatz am Hohen Sattel und der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe einzurichten und den Gästen als Alternative anzubieten.

Nachahmer am Sektor Reisebusse sollten und könnten bald folgen. Darüber hinaus versucht die Grohag auch weiterhin mit dem attraktiven Angebot „Glocknerbus“, die Besucher hier im Nationalpark Hohe Tauern, dem größten Schutzgebiet Mitteleuropas dazu zu motivieren, vom eigenen Auto auf ein Transportmittel umzusteigen, das einerseits eine größere Anzahl von Menschen gleichzeitig befördert und idealerweise in einigen Jahren noch dazu 100 Prozent emissionsfrei fährt.

Eine weitere Maßnahme zur Reduktion des „verbrennenden“ Individualverkehrs: Die Großglockner Hochalpenstraße ist weiterhin darum bemüht, ein attraktives Ziel für Busreise-Anbieter zu sein. Denn all diese Maßnahmen helfen in Summe dabei, den ökologischen Fußabdruck des Einzelnen auch am Großglockner und im Nationalpark Hohe Tauern, dem größten Schutzgebiet der Alpen, noch weiter massiv zu reduzieren.

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