Elektromobilität Regierung will Schnellladenetz schneller aufbauen

Autor / Redakteur: dpa / Michael Eckstein

Für die Langstreckentauglichkeit von E-Autos ist gerade das schnelle Laden entscheidend. Doch bisher fehlen öffentliche Lademöglichkeiten dafür weitgehend, was auch den Ausbau der Elektromobilität behindert.

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Ausbau: Bis 2023 sollen bundesweit 1000 Schnellladepunkte mit mehr als 150 kW Ladeleistung entstehen.
Ausbau: Bis 2023 sollen bundesweit 1000 Schnellladepunkte mit mehr als 150 kW Ladeleistung entstehen.
(Bild: dpa Bildfunk)

Die Bundesregierung will den Aufbau eines Schnellladenetzes für Elektroautos vorantreiben und Fahrern so auch längere Fahrstrecken ermöglichen. Das Kabinett brachte am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf auf den Weg. Geplant sind europaweite Ausschreibungen zum Aufbau eines öffentlichen Schnellladenetzes mit 1000 Standorten bis zum Jahr 2023. Die Stationen sollen eine Leistung von über 150 Kilowatt haben.

„Die nächste Schnellladesäule muss in wenigen Minuten erreichbar sein“, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Hört sich gut an – allerdings wird dieses Ziel mit bundesweit 1000 Ladestellen kaum erreichbar sein. Nach Angaben des Ministeriums gibt es aktuell nur rund 20 Ladepunkte über 150 Kilowatt, etwa 2,4 Prozent der gesamten öffentlich zugänglichen Ladepunkte.

Ausbau soll zunächst über Bedarf liegen

Mit dem Schnellladegesetz soll ein Aufbau zunächst über Bedarf organisiert werden. Im Entwurf heißt es, in der derzeitigen frühen Marktphase gebe es zu wenige gewinnbringende Geschäftsmodelle für den Aufbau und Betrieb eines flächendeckenden Schnellladenetzes, das zunächst die Nachfrage übersteige. Es sei davon auszugehen, dass lediglich einzelne Standorte, insbesondere an Autobahnen, in absehbarer Zeit wirtschaftlich betrieben werden können.

Förderprogramme alleine reichten nicht aus, so das Ministerium. Daher sind nun über Ausschreibungen langfristige Verträge mit Betreibern geplant. Der Bund will mehrere Betreiber auswählen, die dann in seinem Auftrag die Ladesäulen aufbauen und betreiben.

Spagat zwischen Vorschriften und freiem Wettbewerb

„Ein flächendeckendes, schnell erreichbares und kundenorientiertes Schnellladenetz ist der Schlüssel, damit Kunden auch weiter auf die Elektromobilität setzen“, sagte die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, Hildegard Müller. Die minimal erforderlichen Ladeleistungen müssten sich am jeweils aktuellen Stand der Technik und an der Kundenerwartung an komfortables Laden orientieren. „Dabei muss der freie Wettbewerb um die besten Kundenlösungen beim Aufbau von öffentlich zugänglicher Schnellladeinfrastruktur weiter bestehen bleiben.“

Zwar ist die Zahl der neuzugelassenen Elektroautos - getrieben von höheren staatlichen Prämien - zuletzt stark gestiegen. Noch immer aber dominieren vor allem Benziner und Diesel. Die Elektromobilität spielt eine wichtige Rolle im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, damit Klimaziele im Verkehr erreicht erden können.

Die Koalition plant neben dem Schnellladegesetz weitere Vorhaben, um das Ladenetz auszubauen. So soll am Donnerstag der Bundestag über ein Gesetz abstimmen, mit dem der Ausbau von Ladeinfrastruktur in Gebäuden beschleunigt werden soll. Konkret geht es um den Einbau von Leitungsinfrastruktur an Stellplätzen etwa in Wohngebäuden. „Es muss allen Kunden die Möglichkeit gegeben werden, einen Ladepunkt am Wohnort einfach einzurichten“, so Müller.

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