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Recycling-Programm für Energie- und Schleppketten

Redakteur: Kristin Rinortner

Nachhaltiges Wirtschaften trägt dazu bei, die Welt wieder in die Balance zu bringen. Das funktioniert auch bei Kunststoffen. Igus verfolgt hier gleich zwei Ansätze: Das Recycling von Kunststoff-Ketten und die Rückgenese von Müll in Erdöl.

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Wie aus alter Kette neues Kunststoffgranulat wird: 
1. Kette säubern, 2. wiegen, 
3. Menge erfassen und Kontakt aufnehmen, 4. Versenden.
Wie aus alter Kette neues Kunststoffgranulat wird: 
1. Kette säubern, 2. wiegen, 
3. Menge erfassen und Kontakt aufnehmen, 4. Versenden.
(Bild: igus)

Eine Energie- oder Schleppkette aus Kunststoff wird, wenn sie ihre maximale Lebensdauer erreicht hat, in der Regel mit anderen Kunststoffabfällen entsorgt und verbrannt. Mit „igus green chainge recycling program“ geht der motion-plastics-Spezialist igus einen anderen Weg: Anwender können ihre Kunststoff-Ketten – völlig unabhängig vom Hersteller – zum Recycling an den Hersteller nach Köln schicken. Sie sparen so Entsorgungskosten und erhalten zusätzlich einen Wertgutschein für den Einkauf beim Unternehmen. So profitieren Kunden und Umwelt gleichermaßen.

Lediglich rund 16% des in Deutschland anfallenden Plastikmülls werden laut des Plastikatlas' 2019 [1] für neue Produkte wiederverwendet. Weltweit sind es sogar nur 14% [2]. Auch wenn eine langlebige Kunststoff-Energiekette nicht vergleichbar mit täglichen Wegwerf-Produkten wie Plastikverpackungen ist, stellt sich zum Lebensdauerende auch hier die Frage nach der Entsorgung.

Im Normalfall wird die Kette zusammen mit anderen Kunststoffabfällen beseitigt. Recycling findet selten statt, da der Aufwand der sortenreinen Trennung und des Verarbeitens zu wieder nutzbarem Granulat („Mahlen“) einen zu hohen Aufwand bedeutet.

In den meisten Fabriken ist es daher üblich, alte Energie- und Schleppketten von ihren Maschinen abzubauen und in Indus­triemüll-Container zu werfen. Die Kunststoffe werden in den meisten Fällen anschließend verbrannt. Die Kölner setzen dem jetzt mit ihrem Recycling-Programm eine umweltfreundliche Alternative entgegen.

Recyceln von Kunststoff-Ketten leicht gemacht

Das Ziel des Programms ist es, den Kunststoff der Energie- und Schleppketten zu recyceln, wieder zu verwenden und somit einem Wertstoff-Kreislauf zuzuführen. Dazu können Anwender ihre ausrangierten, gereinigten Kunststoffketten nach Köln schicken. Hier werden die Kunststoffe nach Materialtypen sortiert, gereinigt, geschreddert und verpackt. Danach lassen sie sich für die Produktion hochwertiger technischer Produkte wiederverwenden. Der Kunde erhält im Gegenzug einen Gutschein in Höhe von 0,78 Euro pro Kilogramm.

„igus nimmt sich der Verantwortung an und leistet mit dem igus chainge recycling program einen Beitrag zur Reduzierung von Kunststoff-Müll und der Verbesserung des Recylings“, stellt Frank Blase, Geschäftsführer von igus, heraus und ergänzt: „Das Thema ist nicht neu für uns. Als weltweit größter Hersteller von Kunststoff-Energieketten werden bereits heute 99 Prozent des in der Produktion anfallenden Kunststoffabfalls als Re-Granulat wiederverwertet. Das chainge-Programm ist jetzt der nächste wichtige Schritt in Richtung nachhaltigen Wirtschaftens.“

Das Programm wurde im Oktober 2019 in Deutschland gestartet und soll auf vielen weiteren Märkten wie China, USA, Japan, Taiwan oder Korea lokalisiert werden. „Mit dem igus-chainge-Programm haben wir mit dem Kunststoff-Recycling alter Produkte begonnen. Das ist für Hochleistungskunststoffe der beste Weg“, zieht Blase im Januar 2020 ein erstes Fazit.

Zurück zum Erdöl mit Wasser, hohen Temperaturen und Druck

Gemeinsam wollen Steve Mahon, Geschäftsführer von Mura Technology (links), Oliver Borek, Geschäftsführer Mura Europa GmbH (rechts), und Frank Blase, Geschäftsführer der igus GmbH (Mitte), Kunststoffe recyceln und ihnen einen neuen Lebens­zyklus geben.
Gemeinsam wollen Steve Mahon, Geschäftsführer von Mura Technology (links), Oliver Borek, Geschäftsführer Mura Europa GmbH (rechts), und Frank Blase, Geschäftsführer der igus GmbH (Mitte), Kunststoffe recyceln und ihnen einen neuen Lebens­zyklus geben.
(Bild: igus)

Blase engagiert sich auch in weiteren Umweltprojekten. Mitte des vergangenen Jahres wurde er in einem Artikel der FAZ auf die Technologie „Catalytic Hydrothermal Reactor“ (Cat-HTR) von Professor Thomas Maschmeyer aufmerksam. Schnell war der Kontakt mit dem deutschen Erfinder, der in Sydney, Australien arbeitet, hergestellt. Sieben Monate später investierte das Kölner Unternehmen 4 Mio. Britische Pfund (4,7 Mio. Euro) in die Mura Technology Limited und damit auch in den Bau der ersten Cat-HTR-Anlage.

Der patentierte Reaktor wurde 2007 entwickelt und über zehn Jahre in einer Pilotanlage in Australien getestet. Mit Cat-HTR lassen sich klassisch nicht-recycelbare Kunststoffabfälle innerhalb von 20 min wieder in Erdöl umwandeln und das ressourcenschonender im Vergleich zur Gewinnung fossiler Erdöle.

Kunststoffrecycling mit der Cat-HTR-Anlage

Der neue Kunststoff-Lebenszyklus – Mit der Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie lassen sich Plastikabfälle in Erdöl umwandeln, so können wieder neue Polymer-Produkte entstehen.
Der neue Kunststoff-Lebenszyklus – Mit der Catalytic Hydrothermal Reactor Technologie lassen sich Plastikabfälle in Erdöl umwandeln, so können wieder neue Polymer-Produkte entstehen.
(Bild: igus)

Lediglich Wasser, hohe Temperaturen und Druck wird für das Trennen und Neuverbinden der Zellen eingesetzt. Eine Anlage allein kann in einem Jahr 20.000 t Plastik verarbeiten und damit 28.180 t CO2 reduzieren. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von 5.983 Autos oder dem jährlichen Energiebedarf von 4914 Haushalten [3].

Die erste kommerzielle Cat-HTR-Anlage ist derzeit in Wilton, Großbritannien, in Planung. Der Bau soll in diesem Jahr beginnen. Abfallunternehmen liefern den Müll, um ihre Recyclingziele zu erreichen. Anschließend wird Erdöl wiedergewonnen, welches der Kunde zu einem ähnlichen Preis wie fossiles Erdöl beziehen kann. Insgesamt vier Catalytic Hydrothermal Reaktoren sollen in Wilton entstehen, die jährlich über 80.000 t Kunststoffmüll verarbeiten sollen. Im nächsten Schritt plant Mura weltweit Lizenzen zu vergeben und Anlagen zu bauen. „Wir engagieren uns dafür, die Welt der Kunststoffe mit technischen Lösungen in die Balance zu bringen“, zieht Blase sein Resumee.

Referenzen

[1] Heinrich-Böll-Stiftung & Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Der PLASTIKATLAS 2019
[2] The New Plastics Economy: Catalysing Action. January 2017. Ellen McArthur Foundation
[3] https://www.licella.com.au/our-story/

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