Industrie 4.0

Raspberry Pi für die Industrie und Automotive-Anwendungen

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„Raspberry Pi gos Industry“ – was ist dran?

In Pressemeldungen wird von einem Exklusivvertrag zwischen Farnell element14 und Raspberry Pi berichtet. Unter der Überschrift „Farnell passt Raspberry-Pi-Boards an individuelle Kundenwünsche an“ wird verkündet „Raspberry Pi goes Industry“. Das sollte man nicht wörtlich nehmen. Wie in der Überschrift gemeldet können Platinen mit unterschiedlichem Layout, auf Kundenwunsch bei einer Mindestbestellmenge zwischen 3000 und 5000 Stück, gefertigt werden.

Es ist richtig, dass bei industriellen Anwendungen eine große Vielfalt an Varianten benötigt wird. Allerdings werden für industrielle Anwendungen erheblich höhere Anforderungen (z.B. ab IP54) gestellt als für einen Kleincomputer auf dem Schreibtisch (z.B. IP20) im Wohnzimmer.

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Wie im Artikel kurz angedeutet, müssen bestimmte Werte für Stoß, Vibration, Temperaturbereich, Feuchte, Stromversorgungstoleranz oder Schutzart (IP-Code) erfüllt werden. Auch ist möglicherweise eine Funkzulassung (z.B. für RFID-Leser) erforderlich. Auch die Sicherheit (IEC 61508, SIL 1 bis 4) und Lebensdauer (z.B. Bahnbetrieb 20 Jahre; eine Wartung alle 5 Jahre) unter den erschwerten Bedingungen müssen oft durch geeignete Tests zuverlässig bestimmt werden.

Die Werte müssen nachgewiesen und dokumentiert werden. Dazu sind umfangreiche Tests nötig, die viel Zeit und Geld kosten. Solche Tests sind für den Raspberry Pi nicht bekannt und wohl auch nicht geplant.

Zum Test von reinen Software-Routinen oder zum einfachen Funktionstest kann natürlich ein sehr preisgünstiges Raspberry-Pi- oder Fischertechnik-System eingesetzt werden. Auf großen Industriemessen sieht man oft Modelle ganzer Produktionsanlagen in Fischertechnik aufgebaut.

Das dient zur Prüfung der Funktionen und Abläufe und zur Veranschaulichung für potentielle Interessenten. In beiden Fällen (Raspberry Pi und Fischertechnik) kann man aber nicht von Industrieanwendungen sprechen.

Das im Artikel beschriebene MICA-Sytem mit ARM-Prozessor wie beim Raspberry Pi erfüllt die, je nach Anwendung unterschiedlichen, Industrieanforderungen. Die Werte sind dokumentiert und – soweit erforderlich – zertifiziert.

Wettbewerb zu Anwendungen auf der Hannover Messe

Im Rahmen des Anwendungs-Wettbewerbs „Was machst Du mit MICA?“ wurden Ingenieure aufgefordert auf Basis der MICA-Plattform eine Anwendung zu entwickeln. Die drei besten Umsetzungen werden auf der diesjährigen Hannover Messe auf dem Harting-Stand prämiert und ausgestellt.

* * Hermann Strass ... arbeitet als Berater (Technology Consulting) für neue Technologien in Nördlingen.

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