Elektroautos

Rapides Wachstum erwartet – aber Deutschland muss am Ball bleiben

| Redakteur: Thomas Kuther

Das neue Labor für Hochleistungsbatterien (eLab) in Ulm
Das neue Labor für Hochleistungsbatterien (eLab) in Ulm (Bild: ZSW)

Trotz derzeit noch schleppender Verkäufe in Deutschland: Weltweit gibt es enorme Wachstumsraten bei Elektrofahrzeugen. Allein 2012 ist der Bestand um 160% gestiegen.

Angesichts der Chancen für die deutsche Automobilindustrie appelliert Professor Werner Tillmetz vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), die Anstrengungen der Wirtschaft und Politik, Deutschland als Leitmarkt und Leitanbieter für die Elektromobilität zu etablieren, konsequent fortzuführen. Deutschland befinde sich bei der Fertigung der Schlüsseltechnologie Batterie für Elektrofahrzeuge noch am Anfang, erklärte der Experte für elektrochemische Energietechnologien im Vorfeld der 65. Internationalen Automobil-Ausstellung IAA vom 12. bis 22. September. In den nächsten Jahren ginge es für Deutschland darum, eine durchgängige Wertschöpfungskette mit einer starken Zulieferindustrie zu etablieren.

Deutschland muss den Weltmarkt im Blick behalten

Derzeit verzeichnet die umweltfreundliche Elektromobilität hohe Wachstumsraten: Gab es 2010 weltweit noch 17.500 Elektromobile, inklusive Plug-In-Hybride und Range Extender, so nähert sich die Zahl mittlerweile der Marke von 300.000 Fahrzeugen. Anfang 2013 fuhren auf dem Leitmarkt Deutschland nur rund 8000 Elektro-Pkw. Dennoch ist für den Produktionsstandort Deutschland als Leitanbieter das Geschehen auf dem Weltmarkt relevant.

Auguren prophezeihen ein enormes Marktpotenzial für 2020

Eine Studie für das BMU aus dem Jahr 2010 prognostiziert für 2020 ein mögliches globales Umsatzvolumen bei der Elektromobilität zwischen 290 und 470 Mrd. € pro Jahr. Wie eine Studie von Roland Berger 2012 ergab, beträgt das entsprechende Marktpotenzial allein für Batterien dann zwischen 15 und 50 Mrd. €.

Bisher haben asiatiche Akkushersteller die Nase vorn

Bis heute dominieren die asiatischen Batteriehersteller den Markt. An den künftigen Umsätzen sollte das Automobil-Land Deutschland angemessen partizipieren, um seine weltweite Spitzenposition weiterhin behaupten zu können. Neben den ökonomischen Aspekten sind die technologischen Herausforderungen zu bewältigen. „Hier ist die optimale Abstimmung zwischen Batterie und Fahrzeug von entscheidender Bedeutung. Diese Erkenntnisse führen zu niedrigeren Kosten, verbesserter Reichweite und Zuverlässigkeit und damit zu entsprechenden Marktvorteilen“, so Tillmetz weiter.

Breite Kompetenz in der Batterietechnologie sichert den langfristigen Erfolg

Neue Aktivmaterialien für Lithium-Ionen-Zellen sind der Schlüssel zu höheren Energiedichten und damit größeren Reichweiten. Diese Materialien müssen ihre Qualität in realen Zellen, wie sie im Fahrzeug zum Einsatz kommen, unter Beweis stellen. Das ist nur machbar mit einem umfassenden Know-how zu Technologie und Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen. Hierfür errichtet das Forschungsinstitut ZSW derzeit mit Unterstützung des BMBF und des Landes BW eine Forschungsproduktionslinie. In enger Kooperation mit Partnern aus Industrie und Forschung werden die notwendigen Kompetenzen konsequent aufgebaut. „Die neue Anlage wird 2014 in Betrieb gehen. Dann können wir das Zusammenspiel von Materialien, Zell-Design und Herstelltechnologie in Bezug auf Qualität und Herstellkosten analysieren“, erläutert Tillmetz. „Damit haben wir die Chance, den Aufbau der Zulieferindustrie für Elektrofahrzeuge in Deutschland voranzutreiben.“

230 Wissenschaftler an drei Standorten

Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) gehört zu den führenden Instituten für angewandte Forschung auf den Gebieten Photovoltaik, regenerative Kraftstoffe, Batterietechnik und Brennstoffzellen sowie Energiesystemanalyse. An den drei ZSW-Standorten Stuttgart, Ulm und Widderstall sind derzeit rund 230 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker beschäftigt. Hinzu kommen 120 wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte.

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