Satellit Sentinel 1A Radarfalle im All gegen Umweltsünder auf der Erde

Redakteur: Peter Koller

Mit dem europäischen Satelliten Sentinel 1A gibt es seit April dieses Jahres im Orbit einen ganz besonderen Wächter über die Umwelt auf unserem Planeten.

Startet heute ins All: Sentinel 1A, der erste von sechs Satelliten des Copernicus-Programms
Startet heute ins All: Sentinel 1A, der erste von sechs Satelliten des Copernicus-Programms
(ESA)

Mit dem Start des Radarsatelliten Sentinel 1A an Bord einer Sojus-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana begann die operationelle Phase des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Dahinter steckt das bislang komplexeste und weitreichendste Programm zur „ganzheitlichen“ Erkundung und Überwachung unseres Heimatplaneten. Sentinel 1 bildet zugleich den Auftakt einer vielfältigen Reihe neuer Fernerkundungssatelliten, die in den kommenden Jahren im Rahmen des Copernicus-Programms gestartet werden.

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Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten zu Sentinel und Copernicus:

Was genau macht Sentinel 1

Sentinel 1 ist eine für ein breites Aufgabenspektrum in den Bereichen Umwelt, Verkehr, Wirtschaft und Sicherheit ausgelegte bildgebende Radarsatellitenmission. Der Name „Sentinel“ – deutsch „Wächter“ – ist dabei wörtlich zu nehmen. Mit dem an Bord befindlichen Radarinstrument können unabhängig von Tageslicht und Wolkenbedeckung Land- und Meeresoberflächen unseres Heimatplaneten rund um die Uhr überwacht werden. Zudem ist Sentinel 1 der einzige europäische Satellit, der speziell auf die Unterstützung bei Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdbeben ausgerichtet ist.

Wie arbeitet Sentinel 1?

Als Hauptinstrument dient ein abbildendes Radar vom Typ SAR (Synthetic Aperture Radar), das von Airbus Space and Defence gebaut wurde. Das im C-Band arbeitende aktive Radar mit einer Wellenlänge von sechs Zentimetern besteht aus einer 12,3 x 0,9 Meter großen Hauptantenne, die sich aus 560 miteinander gekoppelten Einzelantennen zusammensetzt. Die ausgesandten Radarstrahlen dringen durch die Vegetation bis zum Erdboden. Dadurch können Veränderungen der Oberfläche – speziell Bewegungen – im Zentimeter- und sogar im Millimeterbereich wahrgenommen werden.

Im Fokus stehen dabei Eisbeobachtungen in den Polarregionen, vulkanische Aktivitäten, Erdbeben, Erdrutsche, Überschwemmungen, das Aufspüren von Bodensenkungen und -hebungen sowie das Beobachten von Meeresoberflächen, um Behinderungen durch Meereis oder etwa Ölverschmutzungen frühzeitig zu erkennen.

Als dauerhafter Datenlieferant unterstützt Sentinel Aufklärung und Einsatzunterstützung in Katastrophenfällen. Überall dort, wo aktuellste Informationen in kürzester Zeit benötigt werden, können Bilddaten bereits innerhalb von 60 Minuten zur Verfügung gestellt werden. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber bisherigen SAR-Systemen.

Wo fliegt Sentinel über der Erde?

Der 2,3 Tonnen schwere Satellit soll die Erde in einer Höhe von 700 Kilometern umrunden. Seine Umlaufbahn führt ihn bei jedem Orbit über beide Pole, so dass das Radarinstrument die unter ihm drehende Erde mühelos streifenweise abtasten kann. Hierbei kann das „Radarauge“ ein Gebiet von bis zu 400 Kilometern Breite auf einmal überblicken und Objekte bis zu fünf Metern Größe erkennen.

Das Gerät arbeitet in vier verschiedenen Beobachtungsmodi, so dass Sentinel 1 auf unterschiedlichste Anforderungen reagieren kann. Das neue Radarinstrument ist erstmals in der Lage, auch technisch rund um die Uhr Bilddaten zu generieren. In der höchsten Leistungsstufe muss es allerdings nach jeweils 25 Minuten abgekühlt werden. In dieser Phase werden aber weiterhin Bilder – mit geringerer Auflösung – erstellt.

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