Marktprognose Quo vadis, OLED?

Redakteur: Andreas Mühlbauer

Organische Leuchtdioden finden sich bereits in vielen Geräten. Schon hat mancher Experte die nahe Ablösung der LC-Displays prophezeit. Doch erst langlebige Großdisplays werden den OLEDs zum endgültigen Durchbruch verhelfen. Der Weg dorthin ist lang, aber machbar.

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Auf den ersten Blick sind die vielfältigen Möglichkeiten, die OLEDs bieten, verführerisch. Und vielerorts findet man sie schon in mobilen Anwendungen. Kein Wunder, denn die organischen Leuchtmoleküle vereinen vermeintlich alles, was das Herz des Betrachters höher schlagen lässt. Sie sind ausnehmend hell, bieten fantastische Kontraste, sind schnell, leicht, und — für die aktuellsten Entwicklungen beispielsweise rollbarer Displays ein riesiges Plus — sie lassen sich auf flexible Substrate aufbringen.

Endgültig zur Eier legenden Wollmilchsau macht die OLEDs dann auch noch ihr vergleichsweise geringer Energiehunger, da sie ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen, was nebenbei noch das geringe Gewicht und minimalen Platzbedarf bedingt.

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So darf die Displaywelt denn also in Superlativen schwelgen. Oder doch nicht? Kommen sie nun oder kommen sie nicht? Befragt man Experten zum großflächigen Durchbruch von OLED-Displays, ist die Antwort meist ein klares „jein“. Wo ist der Haken und wohin führt der Weg der OLEDs?

Tatsache ist, dass bei aller Euphorie und bei allen Fortschritten in der Entwicklung – inklusive enormer Investitionen –, die den OLEDs schon seit geraumer Zeit Praxistauglichkeit beschert haben, diese immer noch ein Nischendasein fristen. Gründe hierfür sind vor allem die nach wie vor verhältnismäßig geringe Lebensdauer sowie der nicht eben geringe Preis.

Mancher Hersteller steht nun am Scheideweg. Vieles ist schon erreicht, die Korrosion des organischen Materials weit gehend im Griff. Doch auch die Margen fallen. Nun muss sich zeigen, ob die Technologie für mehr taugt, ob sie die Investitionen rechtfertigt. Ob sie für die Zukunft gerüstet ist.

Nach einer im Februar veröffentlichten Studie des US-amerikanischen Marktforschungsinstituts NanoMarkets ist der Markt der LC-Displays zur Zeit gesättigt. Die Margen sind gering und weitere Kosteneinsparungen kaum möglich. OLEDs könnten daher neue Einnahmequellen erschließen, was wiederum dieser Technologie einen Wachstumsschub und damit auch auf diesem Sektor fallende Preise mit sich brächte. Doch noch sind die Produktionskapazitäten nicht mit denen von LC-Displays vergleichbar.

Großbildfernseher: der Heilige Gral der OLEDs

Heute liegen die Hauptumsätze mit OLEDs im Bereich kleiner Displays in Mobilgeräten wie MP3-Player oder Handys (Tabelle 1). Diese bewegen sich gegenwärtig um rund 1,3 Mrd. US-$. Mit nur knapp 90 Mio. US-$ beziffert NanoMarkets den voraussichtlichen Umsatz in der Automobilbranche und bei Fernsehgeräten für das Jahr 2007. Für 2008 hat Sony die ersten mobilen OLED-TV-Geräte angekündigt, und 2009 sollen erste größere Fernseher in die Läden kommen.

Bis zum Jahr 2014 prognostizieren die Marktforscher eine erstaunliche Entwicklung: Der Gesamtumsatz mit OLEDs soll sich auf rund 15,5 Mrd. US-$ steigern. Mit 7,1 Mrd. US-$ wird demzufolge das Geschäft im Mobilbereich immer noch den größten Anteil ausmachen. Dicht gefolgt von TV-Monitoren mit rund 6 Mrd. US-$.

NanoMarkets nennt flache Großbildfernseher in OLED-Technologie „den Heiligen Gral“ der Displayhersteller. Gerade dort könnten die OLEDs alle ihre Stärken ausspielen. Doch auch die Schwächen machen sich hier stark bemerkbar, erwartet der Kunde doch von einem teuren Fernseher eine besondere Langlebigkeit. Letztlich bringt jedoch der Konsumgütermarkt die großen Umsätze, hohen Stückzahlen und damit auch moderate Preise.

Weitere Einsatzbereiche werden Raum- und Display-Hintergrundbeleuchtung, aber auch Computer-Monitore und der Automobilbereich sein. Ein großes Potenzial sieht NanoMarkets auch in der Entwicklung flexibler Substrate und daraus resultierender neuer Anwendungen.

Ob OLED-Displays jemals mit TFT-LC-Displays gleichziehen oder ihnen gar den Rang ablaufen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Mittelfristig ist dies jedoch nicht abzusehen. OLEDs werden sich weiterhin stark in den Nischen der kleinen und Kleinstdisplays etablieren und mit Sicherheit neue Marktsegmente erschließen. Auf jeden Fall sind sie auch heute schon aus vielen modernen Anwendungen nicht mehr wegzudenken, und ihre Flexibilität und Einsatzmöglichkeiten in vielen Bereichen – nicht nur Displays – wird ihnen eine wachsende Position am Markt sichern.

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