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Aktion Elektronik hilft Querschnittsgelähmte sollen wieder Traktor fahren können

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Studenten der Medizintechnik wollen zusammen mit dem Fraunhofer IPA eine Hebehilfe für Querschnittsgelähmte entwickeln. Mit ihr soll es möglich sein, dass sie wieder zurück in den Alltag gelangen.

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Zurück in den Alltag: Damit Querschnittsgelähmte wieder die Möglichkeit haben, einen Traktor zu fahren, wollen Studenten gemeinsam mit dem Fraunhofer IPA eine Hebehilfe entwickeln. V.l.n.r.: André Beez, Landmaschinentechniker und Inhaber von Schlemmi’s, Manuel Schnappauf und IPA-Abteilungsleiter Dr. Urs Schneider. Im Hintergrund vermessen Medizintechnik-Studierende den Traktor für die Hebehilfe.
Zurück in den Alltag: Damit Querschnittsgelähmte wieder die Möglichkeit haben, einen Traktor zu fahren, wollen Studenten gemeinsam mit dem Fraunhofer IPA eine Hebehilfe entwickeln. V.l.n.r.: André Beez, Landmaschinentechniker und Inhaber von Schlemmi’s, Manuel Schnappauf und IPA-Abteilungsleiter Dr. Urs Schneider. Im Hintergrund vermessen Medizintechnik-Studierende den Traktor für die Hebehilfe.
(Bild: Universität Stuttgart IFF / Fraunhofer IPA, Foto: Rainer Bez)

In Deutschland leben rund eine Million Menschen mit einer Querschnittslähmung. Die häufigsten Ursachen sind Verkehrsunfälle, Stürze oder Arbeitsunfälle. Die Patienten ziehen sich ihre Verletzung im Durchschnitt mit nur 23 Jahren zu. Rund die Hälfte ist arbeitsunfähig und erhält Rente. „Studien und Forschungsprojekte zeigen, dass ihre Reintegration ins Berufsleben durchaus sinnvoll ist“, informiert IPA-Abteilungsleiter Dr. Urs Schneider.

Was in Deutschland oft schon eine Herausforderung ist und viele Betroffene vor Problemen stellt, gestaltet sich in osteuropäischen Ländern wie Georgien, Ukraine, Russland, Rumänien oder Polen als noch schwieriger. Hier fehlt meistens das notwendige Geld für eine professionelle Wiedereingliederung in den Alltag. Viele Menschen aus Osteuropa sind auf ihren Hof angewiesen, da sie sehr oft Selbstversorger sind. Das Problem ist nur, dass die Betroffenen nicht mitarbeiten können, weil die nötigen Assistenzsysteme fehlen. Gleiches betrifft auch Soldaten aus Kriegsgebieten wie Afghanistan oder Irak, die sich während des militärischen Einsatzes eine Querschnittslähumg zugezogen haben. Auch ihre Wiedereingliederung in den Alltag gestaltet sich oft als schwierig.

„Es gibt keine funktionale und preiswerte Lösung, um wieder auf einen Traktor zu kommen“, kritisiert Schneider. Auch die International Society of Wheelchair Professionals, bei der Schneider im Beirat sitzt, hat einen internationalen Bedarf für ein entsprechendes Hebesystem identifiziert.

Funktionale und preiswerte Hebehilfe konzipieren

Zusammen mit dem Masterstudiengang Medizintechnik der Universität Stuttgart bearbeitet Schneider jedes Jahr eine aktuelle Fragestellung. In einer viertägigen Blockveranstaltung von 20. bis 23. November beim Fraunhofer IPA in Stuttgart sollen die Studierenden eine funktionale und kostengünstige Hebehilfe konzipieren. Unterstützung erhalten sie von André Beez. Er ist Inhaber des Garten- und Landschaftsbauunternehmens Schlemmi’s aus Steinwiesen. Hilfe kommt auch von Manuel Schnappauf, der mit Beez seit vielen Jahren befreundet ist. Der gelernte Landmaschinentechniker sitzt selbst im Rollstuhl und hat schon mehrere Assistenzsysteme für die Landwirtschaft gebaut. Damit sich die Studierenden ein Bild von der Ausgangssituation verschaffen können, standen ihnen am zweiten Veranstaltungstag ein Traktor und ein Rollstuhl in der Versuchshalle des IFF der Universität Stuttgart zur Verfügung. „Nach Projektende denken wir mit den Studierenden und André Beez darüber nach, das Konzept der Studierenden umzusetzen“, informiert Schneider.

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