Verschlüsselungstechnik

Quanten-"Würfel" sorgt für echten Zufall

| Redakteur: Peter Koller

Ein Spiel mit echtem Zufall: Die Forscher produzieren echte Zufallszahlen, indem sie die zufällig schwankende Intensität des Quantenrauschens sichtbar machen. Sie verwenden dazu einen starken Laser (von links kommend), einen Strahlteiler, zwei identische Detektoren und einige elektronische Komponenten. Die statistische Verteilung der Messwerte folgt einer Gauß’schen Glockenkurve (unten im Bild). Einzelne Messwerte werden Abschnitten der Glockenkurve zugeordnet, die jeweils einer Zahl entsprechen. (Bild: MPI für die Physik des Lichts)
Ein Spiel mit echtem Zufall: Die Forscher produzieren echte Zufallszahlen, indem sie die zufällig schwankende Intensität des Quantenrauschens sichtbar machen. Sie verwenden dazu einen starken Laser (von links kommend), einen Strahlteiler, zwei identische Detektoren und einige elektronische Komponenten. Die statistische Verteilung der Messwerte folgt einer Gauß’schen Glockenkurve (unten im Bild). Einzelne Messwerte werden Abschnitten der Glockenkurve zugeordnet, die jeweils einer Zahl entsprechen. (Bild: MPI für die Physik des Lichts)

In der Welt der klassischen Physik lassen sich im Prinzip alle Geschehnisse berechnen, auch der Fall eines Würfels oder der Ausgang eines Roulette-Spiels. Ein Gerät, das dagegen mit echtem Zufall arbeitet, haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts konstruiert.

Ihre Apparatur liefert zufällige Zahlen, die prinzipiell nicht vorhergesagt werden können, und zwar mit Hilfe der Quantenphysik. Die Forscher nutzen aus, dass quantenphysikalische Messungen ein spezielles Ergebnis nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, also zufällig, ergeben können. Echt zufällige Zahlen werden benötigt, um Daten sicher zu verschlüsseln oder zuverlässig ökonomische Prozesse und Klimaveränderungen zu simulieren.

Was wir landläufig Zufall nennen, entspringt nur einem Mangel an Wissen: Wenn wir Ort, Geschwindigkeit und alle anderen klassischen Eigenschaften sämtlicher Teilchen im Universum absolut genau kennen würden, könnten wir fast alle Prozesse in der Welt unserer Alltagserfahrung vorhersagen. Schon gar nicht zufällig sind die Ergebnisse, die Computerprogramme liefern, auch wenn sie dafür gemacht sind: „Sie gaukeln Zufall nur vor, mit geeigneten Tests und einer ausreichenden Datenmenge lässt sich darin aber meist schon ein Muster erkennen“, sagt Christoph Marquardt. Eine Forschergruppe um Gerd Leuchs und Christoph Marquardt am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie Ulrik Andersen von der Technischen Universität Dänemark hat dagegen einen Generator für echten Zufall entwickelt.

Den gibt es nur in der Quantenwelt: Mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit hält sich ein Quantenteilchen mal an diesem Ort und mal an jenem auf, bewegt sich mal mit dieser Geschwindigkeit und mal mit jener. „Diese Zufälligkeit quantenmechanischer Prozesse nutzen wir aus, um Zufallszahlen zu produzieren“, sagt Christoph Marquardt.

Als Quantenwürfel dienen den Wissenschaftlern Vakuumfluktuationen – eine weitere Eigenheit der Quantenwelt: Nichts gibt es hier nicht. Selbst in absoluter Dunkelheit ist die Energie eines halben Photons vorhanden, die zwar unsichtbar bleibt, aber in ausgeklügelten Messungen Spuren hinterlässt: das so genannte Quantenrauschen. Dieses völlig zufällige Rauschen entsteht dabei erst, wenn die Physiker hinsehen, also eine Messung vornehmen.

Nützlich für die Sicherheitstechnik

„Echte Zufallszahlen sind schwer zu erzeugen, aber in vielen Bereichen gefragt“, sagt Gerd Leuchs, Direktor am Erlanger Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts. Vor allem die Sicherheitstechnik braucht zufällige Zahlenkombinationen, um damit etwa den Transfer von Bankdaten zu verschlüsseln. Mit Zufallszahlen lassen sich aber auch komplexe Prozesse simulieren, deren Ausgang von Wahrscheinlichkeiten abhängt. So sagen Ökonomen mit solchen Monte-Carlo-Simulationen Entwicklungen auf Märkten voraus, und Meteorologen entwickeln damit Modelle von Wetter- und Klimaveränderungen.

Auch wenn der Quantenwürfel auf einige geisterhafte Phänomene der Quantenwelt setzt, die der Alltagserfahrung völlig widersprechen - besonders ausgeklügelte Geräte brauchen die Physiker nicht, um sie zu beobachten. Die technischen Komponenten ihres Zufallsgenerators gehören vielmehr zur Grundausstattung vieler Laserlabore. „Wir brauchen für den Aufbau weder einen besonders guten Laser noch besonders teure Detektoren“, erklärt Christian Gabriel. Das dürfte ein Grund mehr sein, warum sich bereits Unternehmen für die Technik interessieren, um sie kommerziell zu nutzen.

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Ich bin an der privaten Nutzung von Milliardn echter Zufallszahlen interessiert.  lesen
posted am 11.07.2018 um 09:46 von Unregistriert

Also ich finds gut. Gerald H.  lesen
posted am 30.01.2017 um 12:24 von Unregistriert


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