Qualifizierungsbedarf für Industrie 4.0 noch immer groß

| Redakteur: Jürgen Schreier

Studierende, Beschäftigte und Unternehmen stimmen darin überein, dass beim Spezialwissen rund um Industrie 4.0 (z.B. OPC UA) Defizite bestehen. Diese werden teilweise sogar als sehr groß wahrgenommen.
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Studierende, Beschäftigte und Unternehmen stimmen darin überein, dass beim Spezialwissen rund um Industrie 4.0 (z.B. OPC UA) Defizite bestehen. Diese werden teilweise sogar als sehr groß wahrgenommen. (Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Ein Online-Kompetenzcheck des VDMA zeigt Defizite beim Spezialwissen rund um Industrie 4.0. Nach Einschätzung des Verbandes müssen Hochschulen die Curricula rund um Industrie 4.0 weiterentwickeln. Außerdem sei es erforderlich, die Beschäftigten durch Weiterbildungsstrategien auf den digitalen Wandel vorzubereiten.

Der digitale Wandel ist längst in vollem Gange, aber noch reicht das Wissen der Studierenden oder Beschäftigten in den Betrieben oftmals nicht aus, um diesen Wandel mitgestalten zu können. Dies zeigt ein Online-Kompetenzcheck des VDMA, bei dem Studierende, Beschäftigte und Unternehmen ihre Kompetenzen im Bereich Industrie 4.0 testen können. Das erstes Fazit dieser Online-Befragung lautet: Es gibt hohen Qualifizierungsbedarf beim Spezialwissen rund um Industrie 4.0. Dies gilt sowohl für Studierende als auch für Beschäftigte.

Rund 1700 Personen beteiligten sich am Online-Kompetenzcheck

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, sagt dazu: „Die Digitalisierung ist alles andere als ein Selbstläufer, weder in den Unternehmen noch in den Hochschulen. Umso wichtiger ist es, dass jetzt rasch gehandelt wird. In den Hochschulen müssen die Curricula zügig und kontinuierlich an den technologischen Fortschritt angepasst werden. Ebenso sind Unternehmen und Beschäftigte gefragt, Weiterbildungsstrategien entsprechend zu gestalten bzw. sich kontinuierlich fortzubilden“. Es gehe darum, Industrie 4.0-Wissen aufzubauen und anzuwenden – vom Datenschutz über Künstliche Intelligenz bis hin zur Entwicklung neuer digitaler Services.

Der Online-Kompetenzcheck wurde im Rahmen der Studie „Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0“ der IMPULS-Stiftung des VDMA entwickelt. Die Kompetenzfelder des „Soll-Profils 4.0“, ein zentrales Ergebnis der Studie, bildeten die Grundlage für den Kompetenzcheck. Rund 1700 Personen beteiligten sich von Januar bis September 2019 an der Umfrage.

Die Beschäftigten bildeten mit 78 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von den Studierenden mit 16 Prozent. Fünf Prozent waren Personen, die den Fragebogen für ein Unternehmen ausfüllten. Der Online-Kompetenzcheck ist weiterhin unter ingenieure40-online-tool.vdma.org erreichbar.

Defizite beim Wissen über Schnittstellenprotokolle

Studierende, Beschäftigte und Unternehmen stimmen darin überein, dass beim Spezialwissen rund um Industrie 4.0 Defizite bestehen. Diese werden teilweise sogar als sehr groß empfunden. Studierende und Beschäftigte sahen diese Defizite insbesondere bei den Themen OPC-UA-Schnittstellenprotokoll und mobiler Maschinensteuerung.

Für das gesamte Unternehmen wurden größere Kenntnislücken bei Künstlicher Intelligenz und Machine Learning sowie Augmented und Virtual Reality genannt. Auch bei Kenntnissen in angrenzenden, Industrie-4.0-relevanten Gebieten zeigten sich Defizite. Beim wichtigen Thema "Daten, IT-Sicherheit und Datenschutz" gab zum Beispiel nahezu jeder vierte Beschäftigte an, über keine Kenntnisse zu verfügen – bei den Studierenden war es sogar fast jeder Zweite.

An ingenieurwissenschaftlichen Grundkenntnissen fehlt es nicht

Wenig Handlungsbedarf gibt es bei den ingenieurwissenschaftlichen Grund- und Methodenkenntnissen. Ingenieurwissenschaftliche Mathematik, technische Mechanik und Konstruktionslehre sind die Gebiete, bei denen sich alle Gruppen die meisten fachlichen und methodischen Qualifikationen bescheinigen. Zudem sehen alle Gruppen bei sich selbst die meisten Kompetenzen im Bereich „überfachliche Qualifikationen“.

Jeder zweite Bundesbürger wünscht sich mehr Digital-Know-how

Die Lernbereitschaft bei digitalen Themen ist in Deutschland ist hoch. Jeder Zweite will das Digital-Know-how verbessern. Vor allem Eltern mit Kindern liegt Digital-Know-how besonders am Herzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Rippler Media GmbH und den Medienexperten von fasel & fasel durchgeführt wurde.

Danach wünscht sich mehr als die Hälfte der Berufstätigen mehr Digital-Know-how – und zwar unabhängig von der Art des Berufes. 43 Prozent der 70- bis 74-Jährigen wollen mehr über digitale Technologien lernen. Das Interesse für digitale Themen hängt von der Schulbildung ab. Vor allem Personen mit höhere Schulbildung und/oder Hochschulabschluss sind an digitalen Themen interessiert. Bei geringerer Ausbildung (höhere Schule ohne Abschluss, Haupt- oder Grundschule) lässt das Interesse spürbar nach.

Was die Wissbegierde im Zusammenhang mit digitalen Themen anbetrifft , so gibt es außerdem ein gewisses West-Ost-Gefälle. In den alten Bundesländern ist das Interesse wesentlich ausgeprägter als in den neuen.

Über die Hälfte der Teilnehmer (59 Prozent) wünscht sich eine Art „Sendung mit der Maus“ für digitale Themen. Insbesondere bei Beamten zeichnet sich ein positiver Trend ab. Mit 75 Prozent gefällt ihnen die Idee am besten. Vor allem in ländlichen Regionen (Orte mit < 5000 Einwohner) würde das Format genutzt werden.

65 Prozent der Deutschen schätzen ihr Digital-Know-how als mittelmäßig bis ungenügend ein. Mit 57 Prozent schätzt die Mehrheit der 18- bis 29-Jährigen ihr Digital-Know-how als gut bis sehr gut ein. Selbstständige, Freiberufler und Landwirte kennen sich am besten mit digitaler Technik aus.

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Dieser Beitrag ist zuerst auf unserem Partnerportal Bandbreite.io erschienen.

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