Macht der Großkonzerne Qualcomm: US-Wettbewerbshüter kapitulieren vor Großkonzern

Redakteur: Michael Eckstein

Nach fast vier Jahren gibt die amerikanische Wettbewerbsbehörde den Versuch auf, Qualcomm ein unlauteres Wettbewerbsmodell nachweisen zu wollen. Damit behält der US-Konzern seine beherrschende Rolle im wichtigen Geschäft mit Smartphone-Chips.

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Pole Position: Bei den wichtigen 5G-Modemchips gilt Qualcomm als Markt- und Technologieführer.
Pole Position: Bei den wichtigen 5G-Modemchips gilt Qualcomm als Markt- und Technologieführer.
(Bild: Qualcomm)

US-Wettbewerbshüter geben nach gut vier Jahren ihren Versuch auf, das Geschäftsmodell des Chipkonzerns Qualcomm zu kippen. Auch Wettbewerber wie Intel und Apple hatten dem Unternehmen immer wieder unlautere Geschäftspraktiken vorgeworfen. Die Handelsbehörde FTC (Federal Trade Commission) kündigte an, dass sie keine Revision des letzten Urteils beim Obersten Gericht der USA anstreben werde. Die amtierende FTC-Vorsitzende Rebecca Kelly Slaughter verwies zur Begründung auf „erheblichen Gegenwind“ für die Anstrengungen.

Qualcomm ist vor Konkurrenten wie Apple, Samsung und Mediatek Marktführer für Smartphone-Chips. Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android – die meisten Smartphones arbeiten damit – basieren zum überwiegenden Teil auf System-on-Chips der Snapdragon-Plattform von Qualcomm.

5G-Modemchips: Expertise aus Deutschland stark gefragt

Besonders bei 5G-Mobilfunkmodems gilt Qualcomm als Technologieführer. In den meisten Telefonen stellen Chips des US-Konzerns die Verbindung zum Mobilfunknetz her. Auch Apple setzt bei seinen iPhones auf Modemchips von Qualcomm – wenn auch widerwillig: Über Jahre haben sich beide Konzerne mit Klagen und Gegenklagen wegen Patentrechtsverletzungen und unfairer Wettbewerbspraktiken überzogen.

Doch Apples ursprünglicher Kooperationspartner Intel hatte seine 5G-Modems nicht rechtzeitig fertigbekommen. Mittlerweile hat Apple Intels Modem-Geschäft für rund 1 Mrd. US-Dollar übernommen – inklusive der rund 2.200 Mitarbeiter. Die Abteilung bestand im Wesentlichen aus der in Deutschland basierten Wireless-Sparte, die Intel 2011 von Infineon gekauft hatte. Zuletzt hatte Apple angekündigt, seinen deutschen Standort erheblich auszubauen und dafür rund 1 Mrd. US-Dollar zu investieren.

Qualcomm selbst hatte 2019 den HF-Spezialisten RF360 übernommen – die frühere Siemens-Ausgründung Epcos, die ebenfalls in München ihren Hauptsitz hatte. Damals hatte Qualcomm angekündigt, seine neue Münchener Dependance zum „Zentrum der 5G-Revolution“ auszubauen.

Smartphone-Chips: Chance auf mehr Wettbewerb vertan

Die FTC hatte Qualcomm Anfang 2017 am Ende der Amtszeit von Präsident Barack Obama in einer Klage unfairen Wettbewerb vorgeworfen. Hintergrund war das Geschäftsmodell, bei dem Qualcomm von seinen Kunden den Erwerb einer Lizenz für seine Patente verlangt, wenn sie Produkte wie Funkmodems nutzen wollen. Ein Erfolg der FTC hätte den Weg für eine Neuordnung im Geschäft mit Smartphone-Chips geebnet.

Die jetzige Entscheidung der FTC verwundert insofern, als dass die Behörde die erste Runde des Verfahrens für sich entschieden hatte: Eine Richterin in Kalifornien entschied im Mai 2019, dass Qualcomm gegen US-Wettbewerbsrecht verstoßen hatte. Doch im August 2020 torpedierten Berufungsrichter das Urteil. Die FTC habe nicht beweisen können, dass die Vorgehensweise von Qualcomm über einen legalen Versuch der Gewinnmaximierung hinausgehe. Qualcomm argumentierte stets, man habe die starke Marktposition rechtmäßig durch die Entwicklung von innovativer Technologie errungen.

Mit Material von dpa

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