Qualcomm-NXP-Poker: China bremst, Broker wetten auf Platzen der Übernahme

| Redakteur: Michael Eckstein

Milliarden-Poker: Aktienoptionshändler spekulieren offenbar darauf, dass die Übernahme von NXP durch Qualcomm doch noch scheitert.
Milliarden-Poker: Aktienoptionshändler spekulieren offenbar darauf, dass die Übernahme von NXP durch Qualcomm doch noch scheitert. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Chinesische Kontrollgremien haben die schon sicher geglaubte Übernahme von NXP durch Qualcomm ausgebremst. Jetzt wetten Aktien-Optionshändler darauf, dass der Deal endgültig platzt.

Nachdem die EU-Kommission im Januar letztlich – unter einigen Auflagen – grünes Licht für den Kauf von NXP durch Wettbewerber Qualcomm gegeben hatte, wähnte sich der US-Chiphersteller am Ziel: Damit hatten acht der weltweit neun erforderlichen Regulatoren den Deal abgesegnet.

Nun tritt China auf die Bremse: Nach übereinstimmenden Medienberichten ist das chinesische Handelsministerium (Ministry of Commerce in China, MOFCOM) über mögliche Folgen der geplanten NXP-Übernahme besorgt. Demnach fürchten chinesische Firmen, die bislang NXP-Produkte eingesetzt haben, in der Folge dem oft kritisierten Lizenzgeschäft von Qualcomm ausgeliefert zu sein. Das betreffe beispielsweise mobile Bezahllösungen oder auch das zukunftsträchtige Geschäft mit autonomen Fahrzeugen.

Übernahme wäre aus Chinas Sicht kontraproduktiv

Die bisherigen Zusagen Qualcomms konnten die Chinesen offenbar nicht überzeugen. Auch die zunehmenden Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China könnten zur kritischen Haltung Chinas beitragen. Hinzu kommt, dass die chinesische Zentralregierung mit ihrem Masterplan „China 2025“ ein ehrgeiziges Ziel verfolgt und selbst zum bedeutenden Player in der Halbleiterbranche aufsteigen will. So will man sich aus der Abhängigkeit von Chipimporten befreien.

Mit einem protektionistischen Kurs beschützt sie daher die eigene, gerade entstehende Halbleiterindustrie. Ein Ablehnen des Qualcomm-NXP-Deals würde genau ins Bild passen, denn der Zusammenschluss wäre aus chinesischer Sicht kontraproduktiv.

Börsianer spekulieren gegen Qualcomm

Qualcomm hat reagiert und den ersten Vorschlag für die Übernahme von NXP in China zurückgezogen und kurz vor Ablauf der vom chinesischen Handelsministerium gesetzten Frist ein neues Angebot eingereicht. Damit hat das Unternehmen nun weitere sechs Monate Zeit für Verhandlungen. Das Nachrichtenmagazin Reuters berichtet, dass die neue Eingabe Zugeständnisse enthält. So sollen chinesische Hersteller, die NXP-Chips kaufen, keine Lizenzen von Qualcomm benötigen.

Viele Aktienoptionshändler überzeugt dieser Schritt offenbar nicht. Laut Investopedia, der nach eigenen Angaben weltweit größten Website für Finanz- und Investmentberatung, spekulieren viele Händler auf ein Platzen der NXP-Übernahme. Dies würde das „Open Interest“ belegen, also die Summe aller offenen Kontrakt-Positionen im Aktienpaket, die am 20. Juli auslaufen.

Hohe Kompensationszahlung droht

In einer Pressemitteilung erklärt Qualcomm, dass es eine vereinbarte Kompensationszahlung, die „Termination Fee“, an NXP leisten muss, wenn die letzte fehlende Einverständniserklärung für die Übernahme nicht bis zum 25. Juli vorliegt. Laut Reuters hat diese Gebühr eine Höhe von satten 2 Mrd. Dollar in bar. Optionshändler wetten laut Investopedia nun darauf, dass China bis zum genannten Termin kein grünes Licht für die Akquisition geben wird – was ein herber Rückschlag für Qualcomm wäre.

Denn mit den NXP-Produkten will Qualcomm eigentlich sein Portfolio verbreitern und so auf Märkten wie Automotive und Industrial zusätzliche, signifikante Umsätze generieren. Ohne NXP fällt es dem Unternehmen zunehmend schwer, eine langfristig tragfähige Wachstumsstrategie zu entwickeln. Seine Umsätze, die im Wesentlichen auf dem Kerngeschäft mit Modems und SoCs für Mobilfunkgeräte basieren, sind seit 2014 stetig gesunken.

Für Qualcomm läuft es nicht rund

Nach einem turbulenten Jahr 2017 lief auch der Jahresauftakt 2018 für Qualcomm nicht besonders gut. So musste das Unternehmen für das erste Quartal einen Verlust von 6 Mrd. Dollar ausweisen. Der Hick-Hack um den anvisierten NXP-Kauf und die letztlich gescheiterte Übernahme Qualcomms durch Broadcom sowie der Dauerstreit mit Apple um Lizenzgebühren hatte die Bilanz der Konzerne belastet: In den letzten drei Monaten hat der Aktienkurs von Qualcomm um fast ein Viertel, der von NXP fast 15 Prozent nachgegeben.

Um Kosten zu drücken, hat Qualcomm vor kurzem mit dem Entlassen von Mitarbeitern begonnen. Insgesamt rund 1500 Jobs stehen zur Disposition. Nach eigenen Angaben will das Unternehmen so rund 1 Mrd. Dollar sparen. Bereits über die letzten Jahre hat der Konzern in mehreren Schüben immer wieder Stellen abgebaut.

Um sein Geschäftsmodell zu verteidigen, ist Qualcomm jetzt Apple im Lizenzstreit entgegen gekommen. In einer Telefonkonferenz bestätigte Firmenchef Steve Mollenkopf, die Lizenzgebühren für Qualcomm-Patente, die in Smartphones benutzt werden, ab jetzt auf 400 Dollar zu deckeln. Bisher habe sie 500 Dollar betragen.

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